ADB:Schlicht, Ludolf Ernst

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Artikel „Schlicht, Ludolf Ernst“ von Alexander Glitsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 483–484, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schlicht,_Ludolf_Ernst&oldid=- (Version vom 20. November 2019, 02:09 Uhr UTC)
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Schlicht: Ludolf Ernst S., geboren am 4. November 1714 zu Brandenburg, starb zu Herrnhut am 4. März 1769. Sein Vater Levin Johann S. war Lehrer am Brandenburger Gymnasium und starb als Prediger an der St. Georgenkirche zu Berlin. (Von diesem findet sich im Brüdergesangbuch vom Jahre 1778 das Abendlied: „Ach mein Jesu sieh, ich trete“ (Nr. 1581). Das Lied Nr. 739: „Entbinde mich mein Gott etc.“ wird ihm gleichfalls, jedoch fraglich, ob mit Recht, zugeschrieben.) Ludolf Ernst S. zeigte in seinen Schuljahren ungewöhnliche Fähigkeiten, die ihn in den Stand setzten, frühzeitig die Universität zu Jena zu besuchen und sich dem Studium der Theologie zu widmen. Selbst schon früher geistlich erweckt, fand er hier Gleichgesinnte, und nahm theil am Halten der Unterrichte, welche diese an Freischulen ertheilten. 1737 trat er in die sogenannte „Haushaltung“ des jungen Grafen Christian Renatus v. Zinzendorf daselbst ein, in der er als einer der Lehrer desselben diente und der er auch in Berlin, später in Herrnhag, einer Brüdergemeine in der Wetterau, angehörte. Dazwischen war er eine Zeitlang in Herrnhut als Lehrer thätig, wurde auch aufgefordert, ein öffentliches Lehramt in seiner Heimath zu übernehmen. Er wies diesen Antrag ab und wurde im August 1739 Mitglied der Herrnhutischen Gemeine. Er machte sich nicht nur durch seine vorzügliche musikalische Begabung in derselben nützlich, sondern bereicherte das „Christliche Gesangbuch der evangelischen Brüdergemeinen“ in seinen Anhängen durch 12, zum Theil gut gelungene geistliche Lieder, von denen 9, mehr oder weniger verkürzt und verändert, in das „Gesangbuch zum Gebrauch der evangelischen Brüdergemeinen vom Jahre 1778“ aufgenommen worden sind. (Es sind folgende: Nr. 88, 370, 548, 549, 614, 636, 761, 1094, 1435. Außer diesen finden sich in demselben noch vier bis dahin ungedruckte Lieder Schlicht’s, Nr. 1090, 1360, 1433 und 1633. Letzteres: „Seelen singet, singt ein neues Lied“, die Krone der Schlicht’schen Lieder und eine Perle christlichen Kirchengesanges.) Die Originale seiner Lieder finden sich in dem oben angeführten „Christlichen Gesangbuch“ unter den Nummern 1475, 1501, 1585, 1586, 1701, 1792, 1793, 1815, 1821, 1838, 2032, 2096. Das erste dieser Lieder enthält den inneren Gang seiner Bekehrung und ist ein vorzügliches Seelengemälde. Im J. 1741 reiste S. mit dem Bischof Spangenberg nach England, wo er die Landessprache so vollkommen lernte, daß er auch in ihr geistliche Lieder dichten konnte. 1742 wurde er in Herrnhag zu einem Ordinarius (Hauptprediger) der Brüderkirche ordinirt. Nachdem er sich mit Esther de la Motte verheirathet und der Synode zu Hirschberg im Vogtland beigewohnt hatte, kehrte er als Prediger der Londoner Brüdergemeine nach England zurück. 1747 trat er in das gleiche Amt in der Ortsgemeine Feelnek (Gracehill); jedoch finden wir ihn schon 1750 wieder in London thätig. In [484] den nächsten 10 Jahren arbeitete er in Bedford, Bristol und Dublin und erwarb sich durch sein liebevolles, zuvorkommendes Wesen allgemeine Liebe und Hochachtung. Mit vielem Eifer betheiligte er sich an der Uebersetzung des Brüdergesangbuchs und der Liturgieen und Litaneien dieser Kirche in die englische Sprache. Viel Arbeit und Kämpfe mit fast unübersteiglichen Schwierigkeiten in Dublin in einer Zeit von 41/2 Jahren hatten seine Gesundheit zerrüttet, sodaß er genöthigt war, zur Wiederherstellung derselben nach Herrnhut zurückzukehren. Wenn er auch diesen Zweck nicht erreichte, so erbaute er doch noch manchmal die Gemeine durch ansprechende Vorträge, ordnete auch mit großem Fleiß das dortige Gemeinarchiv. Er entschlief daselbst im 55. Jahre seines Alters.

Auszug aus einem im Unitätsarchiv zu Herrnhut vorhandenen handschriftlichen Lebenslauf, R. 22, Nr. 53, mit Benutzung von L. Ch. v. Schweinitz’s Lebensbeschreibungen und Charakterschilderungen brüdergeschichtlich merkwürdiger Personen, II. Sammlung, S. 13–18. (Handschriftlich im Unitätsarchiv R. 24 B. 61.) – (Christian Gregor), Historische Nachricht vom Brüdergesangbuch des Jahres 1778. Gnadau 1835. S. 213 und 174.