ADB:Schnurrer, Friedrich

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Artikel „Schnurrer, Friedrich“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 198–199, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schnurrer,_Friedrich&oldid=- (Version vom 23. Mai 2019, 01:57 Uhr UTC)
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Schnurrer: Friedrich S., Arzt, ist am 6. Juni 1784 als Sohn Christ. Friedrich v. S. (s. o.) zu Tübingen geboren und erhielt von diesem seinen ersten Unterricht. Hierauf studirte er in seiner Vaterstadt Medicin, erlangte 1805 mit seiner in der unten angegebenen Quelle näher bezeichneten Dissertation daselbst die Doctorwürde und machte seit 1805 eine längere Studienreise mit Aufenthalt in Würzburg, Bamberg, Göttingen, Berlin und Paris, hier besonders in dem zoologischen Museum des Jardin des plantes mit naturwissenschaftlichen Studien beschäftigt. 1810 erschien als Vorläufer seiner späteren, berühmt gewordenen Schrift über Seuchenchronik eine kleinere Arbeit: „Materialien zu einer Naturlehre der Epidemien und Contagien“ (Tübingen), worin er das Bestreben aussprach, die „Krankheitslehre als einen Theil der Naturlehre zu behandeln und ihr auf diesem Wege wissenschaftlichen Grund und Boden und eine von Tagestheorien und Hülfswissenschaften unabhängige Entwicklung zu verschaffen“. 1811 übernahm er die Stellung als Physicatsverweser zu Herrenberg, die er 1814 mit der Verwaltung des Physicats zu Vayhingen a. d. Entz vertauschte. In diesen Stellungen hatte er wiederholte Gelegenheit zur Beobachtung längerer Epidemien, die zum theil ihm auch weiteres Material zu späteren Arbeiten lieferten. Er publicierte: „Geographische Nosologie oder die Lehre von den Veränderungen der Krankheiten nach den verschiedenen Gegenden der Erde“ (Stuttgart 1811), ferner die sehr bekannte „Chronik der Seuchen in Verbindung mit den gleichzeitigen Vorgängen in der physischen Welt und in der Geschichte des Menschen“ (2 Bde., Tübingen 1823–24), eine überaus fleißige und gelehrte, [199] ziemlich vollständige chronologische Zusammenstellung aller bis dahin vorgekommenen Krankheitsepidemien. Es erfreute sich dieses Werk, das, wie Verfasser in der Vorrede selbst hervorhob, bisher „der sonst eben nicht armen teutschen Litteratur noch fehlte“, aus diesem Grunde mit Recht eines gewissen Ansehens, ist dann aber später von den classischen, eigentlich historisch- und geographisch-pathologischen Arbeiten der Hecker, Haeser und namentlich Hirsch so sehr in den Hintergrund gedrängt worden, daß es heute mit Recht eben nur noch historische Beachtung verdient. 1830 folgte S. einem Rufe als Leibarzt des Herzogs von Nassau nach Biberach, wurde hier 1832 Geheimer Hofrath und starb am 9. April 1833. Von seinen weiteren Schriften führen wir noch an: „Allgemeine Krankheitslehre“ (Tübingen 1831); „Die Cholera morbus, ihre Verbreitung und ihre Zufälle etc.“ (Stuttgart u. Tübingen 1831). In letztgenannter Schrift vertrat er die Ansicht von der Nichtcontagiosität dieser Krankheit. S. war übrigens auch Mitarbeiter an der allgemeinen Litteraturzeitung und an der Encyclopädie von Ersch und Gruber.

Vgl. Biogr. Lexikon hervorr. Aerzte V, p. 259.