ADB:Schultze, Johann

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Artikel „Schultze, Johannes“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 737–738, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schultze,_Johann&oldid=- (Version vom 22. Mai 2019, 21:36 Uhr UTC)
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Schultze: Johannes S., Hamburgischer Schulmann des 17. und 18. Jahrhunderts. Er wurde in Gardelegen als Sohn des dortigen Bürgermeisters (Proconsul) Johannes S. am 18. December 1647 geboren, erhielt in der Vaterstadt und später auf dem Gymnasium in Lüneburg seine Vorbildung und studirte dann von 1666–70 Theologie und Philosophie in Kiel. Zunächst, um seine durch anhaltende Arbeiten geschwächte Gesundheit zu kräftigen, unternahm er eine längere Reise, zuerst durch Norddeutschland bis nach Königsberg, dann in die wichtigsten deutschen Universitätsstädte, wo ihm die Empfehlungen seiner Kieler Lehrer überall Zutritt zu bedeutenden Männern eröffneten. Nach längerem Aufenthalte in Jena besuchte er Oesterreich, hielt sich längere Zeit in Wien und Preßburg auf, durchreiste Ungarn, kehrte 1674 nach Deutschland zurück, bereiste Baiern und Tirol, und war eben im Begriffe, eine Reise nach Italien als Begleiter einiger jungen Edelleute anzutreten, als die Nachricht vom Tode des Vaters ihn in Innsbruck erreichte und zur Rückkehr in die Heimath [738] nöthigte. Von der Ausführung weiter gehender Lebenspläne mußte er jetzt Abstand nehmen; er entschloß sich zur Annahme einer Berufung in das ihm angetragene Conrectorat der v. Saldern’schen Schule in der Altstadt zu Brandenburg a. d. Havel. Dieses Amt hat er nur kurze Zeit verwaltet, da er noch in demselben Jahre (1674) einem Rufe zur Leitung der höheren Schule seiner Vaterstadt Gardelegen folgte; dieses Rectorat hat er sechs Jahre hindurch unter Anerkennung geführt, auch ein Jahr lang nebenbei ein Predigtamt versehen. Im J. 1681 wurde er als Conrector an das Gymnasium in Lüneburg und von dort Ende 1682 als Rector des Johanneums nach Hamburg berufen; am 11. Januar 1683 trat er in diese Stelle ein. Sein Lehrgeschick und seine feste Handhabung der Schulzucht erwarb ihm bald Anerkennung; die ziemlich in Verfall gerathene Schule hob sich unter seiner sichern Leitung bald wieder. Die noch erhaltenen zahlreichen Acten von seiner Hand zeigen ihn auch als einen vortrefflichen Verwaltungsbeamten, der die äußeren Verhältnisse der Schule in besonders glücklicher Weise zu verbessern verstand; mehrere der noch jetzt vorhandenen Schulstiftungen sind seiner Anregung zu verdanken, das ganze Stiftungswesen hat er neu geordnet und dadurch dem Johanneum sein Vermögen gesichert. In jeder Hinsicht gehört er zu den hervorragendsten Rectoren der berühmten Anstalt, die sich seiner Führung 25 Jahre erfreuen durfte. Andauernde Kränklichkeit nöthigte ihn, im März 1708 seine Entlassung zu nehmen; er starb in Hamburg am 26. Januar 1709. Sein einziges Kind war die Gattin von Joh. Albert Fabricius (s. A. D. B. VI, 518), den S. zu seinem Nachfolger gewählt zu sehen die Freude hatte. – Schriftstellerisch ist S. auf theologischem und philologischem Gebiete vielfach thätig gewesen; seine Ausgabe von „Cicero de officiis“ (1691) erlebte mehrere Auflagen, auch seine „Mythologia metrica et moralis“ 1698 ist zu nennen; seine übrigen Arbeiten bieten gegenwärtig ein Interesse nicht mehr.

Calmberg, Geschichte des Johanneums zu Hamburg, S. 163–194. – Moller, Cimbr. litt. II, 788. – Jöcher IV, 381 f. – Hamb. Schriftsteller-Lexikon VII, 101–104. Daselbst ein vollständiges Verzeichniß von Schultze’s Schriften.