ADB:Schweickle, Konrad Heinrich

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Artikel „Schweickle, Konrad Heinrich“ von August Wintterlin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 330–331, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schweickle,_Konrad_Heinrich&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 23:51 Uhr UTC)
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Schweickle: Konrad Heinrich S. (nicht Schweigel, Schweigelt, Schweiglin, Schweichle), Bildhauer, geboren zu Stuttgart am 28. März 1779 (Nagler falsch: 1800), † daselbst am 2. Juni 1833, war der Sohn eines herzogl. Hofschreiners und besuchte vom Jahre 1787 an die Hohe Karlsschule als Oppidaner. Unter der Leitung von Scheffauer und Dannecker zum Bildhauer ausgebildet, ging er um das Jahr 1800 auf eigene Kosten nach Paris und stellte sich dort unter die Leitung von J. L. David. Im J. 1804 (Haakh falsch: 1802) vertauschte er Paris mit Rom und machte hier als richtiger Scheffauerschüler zuerst ein Basrelief, Hektor’s Abschied von Andromache mit Figuren von halber Lebensgröße, dann aber auf Anregung seines württembergischen Landsmannes, des Schriftstellers Joh. Jos. Rehfues (s. A. D. B. XXVII, 590 ff.) die Statue eines Amor als Sieger (Eros Nikator), die noch im Herbst 1804 fertig wurde. Der Gott war als Jüngling gedacht, mit großen Flügeln, einem Lorbeerkranze auf dem Haupte und einer Keule zur Rechten. Das Werk erregte in Rom, wo gerade Thorwaldsen’s Jason bewundert wurde, großes Aufsehen. Rehfues gab durch einen Kupferstich in seinen italienischen Miscellen (Bd. II, St. 3) auch in Deutschland davon Kunde und stellte den jungen Meister neben Thorwaldsen und Canova. Auch Fernow rühmte in Meusel’s Archiv für Künstler und Kunstfreunde (II, 153) die außerordentliche Schönheit dieser Statue und A. W. Schlegel in seinem bekannten Schreiben an Goethe (Artist. und liter. Nachrichten aus Rom im Intelligenzblatt der Jenaischen allgem. Lit-Zeitung, Nr. 120, S. 1008) läßt den Amor nebst einer Venus (Psyche?) eine Vergleichung mit Thorwaldsen’s Arbeiten herausfordern. S. führte ihn in carrarischem Marmor aus und fand an seinem Landesherrn, König Friedrich von Württemberg, einen Käufer dafür. Das jetzt im Stuttgarter Residenzschlosse aufgestellte Bildwerk rechtfertigt die großen Hoffnungen, die daran geknüpft wurden; aber leider blieben sie unerfüllt. S. schuf in Rom noch eine von seinem Könige bestellte Psyche, aber schon diese erreicht nicht den Werth des Amor. Im J. 1808 kam er auf Empfehlung von Lucian Bonaparte als Lehrer der Bildhauerei an die Akademie zu Neapel. Er blieb dort, obwohl König Joachim die von seinem Vorgänger Joseph ausgesetzten Professorenbesoldungen herabsetzte, nachdem seine Hoffnung, an Scheffauer’s Stelle als Hofbildhauer nach Stuttgart zu kommen, sich nicht erfüllte. In Neapel machte er [331] zwei Colossalstatuen der Religion und des heil. Ludwig für die St. Ferdinandskirche, aber auch diese sollen nach Rehfues einen Rückgang gegen den Amor zeigen. Außerdem findet sich nur noch ein Basrelief an dem Sarkophage des im J. 1821 verstorbenen sicilianischen Gelehrten Pietro Pisani erwähnt, das bei Nagler (N. a. K.-Lex. XVI, 133) beschrieben ist. Eine von dem Kronprinzen Ludwig von Baiern bestellte Büste des Herzogs Christoph von Württemberg brachte S. trotz langer Geduld des Fürsten nicht fertig. Bei einem Besuche in Neapel um das Jahr 1830 fand Rehfues den Freund „nicht nur mit seiner Kunst, sondern auch mit sich selbst und seiner Vergangenheit zerfallen“; er hatte sich in die Carbonari-Verschwörung eingelassen und wurde nach der Revolution von 1830 seines Amtes entsetzt, worauf er in die Heimath zurückkehrte. Rehfues, auf dessen Mittheilungen über S. wir fast ausschließlich angewiesen sind, nennt ihn einen auch als Mensch ausgezeichneten Künstler.

Vgl. A. Kaufmann, Zur Erinnerung an Ph. Jos. v. Rehfues, in Hillebrands Italia III, 219 ff. (1876) und ders. in Ph. Jos. v. Rehfues, ein Lebensbild, in der Zeitschrift für preuß. Geschichte und Landeskunde, Jahrg. 18 (1881), S. 119 ff. – A. Haakh, Beiträge aus Württemberg z. n. d. Kunstgeschichte, S. 184 f. und 252. – Wagner, Gesch. der hohen Karls-Schule I, 459 f.