ADB:Senfft, Friedrich Christian Ludwig von

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Artikel „Senfft v. Pilsach, Friedrich Christian Ludwig“ von Heinrich Theodor Flathe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 26–27, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Senfft,_Friedrich_Christian_Ludwig_von&oldid=- (Version vom 23. August 2019, 22:43 Uhr UTC)
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Senfft: Friedrich Christian Ludwig S. v. Pilsach, genannt Laun, weil von Hofrath Laun adoptirt, entstammte einem seit 1490 näher bekannten, aus der Pfalz nach Hessen, Sachsen etc. verbreiteten Geschlechte. Er war geboren am 7. Jan. 1774 zu Oberschmon bei Querfurt, vermählt 1801 mit Henriette, der Tochter des Grafen v. Werthern-Beichlingen, einer Nichte des preußischen Ministers Freiherrn zum Stein, trat 1796 als Hof- und Justitienrath in den kursächsischen Staatsdienst, wurde im Februar 1806 Gesandter in Paris und im September 1809 als Nachfolger des verstorbenen Grafen Bose nach eingeholter Genehmigung des Kaisers Napoleon zum Cabinetsminister für die auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Kein blinder Anhänger Napoleon’s, aber ein ausgesprochener Gegner Preußens, hatte er sich mit der abenteuerlichen Hoffnung erfüllt, auf den Trümmern dieses, wie er meinte, auf immer verlorenen Staates eine sächsisch-polnische Centralmacht Europas aufzurichten. Die Rücksicht auf die Erhaltung [27] des Herzogthums Warschau war daher ein wesentliches Moment, welches die Haltung Sachsens im Frühjahr 1813 bestimmte. Während er den Vorschlag Napoleon’s, König Friedrich August solle sich wieder wie 1809 nach Frankfurt a. M. in Sicherheit bringen, zurückwies, war ihm doch auch die Aussicht auf eine preußische Hegemonie über Norddeutschland unerträglich. Auf seinen Rath entschied sich der König für den Anschluß an Oesterreich; er selbst begab sich nach Unterzeichnung der Convention vom 23. April insgeheim nach Wien. Aber die Schlacht bei Lützen entschied seinen Rücktritt. Er zog sich nach Lausanne zurück. Nach der Schlacht bei Leipzig eilte er nach Frankfurt, um bei den Verbündeten im Interesse des gefangenen Königs zu wirken; dieser lehnte jedoch seine Dienste ab. Dagegen ernannte ihn der Kaiser von Oesterreich zum Geheimen Rath und Metternich übertrug ihm die Leitung der Intrigue, durch welche im Einverständnis mit den Berner Aristokraten der alte Zustand der Eidgenossenschaft wieder hergestellt werden sollte. Nachdem diese gescheitert, privatisirte er in Paris, trat zur katholischen Kirche über, wurde 1825 österreichischer Gesandter in Turin, 1832 in Florenz, 1836 im Haag, 1840–1847 in München und starb am 17. März 1853 in Innsbruck.

Mémoires du Comte de Senfft 1806–1813, Leipzig 1863 (herausgegeben von v. Rochow).