ADB:Sennert, Daniel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Sennert, Daniel“ von Hermann Markgraf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 34–35, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sennert,_Daniel&oldid=- (Version vom 19. August 2019, 17:14 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Sennert, Andreas
Nächster>>>
Senning, Johann
Band 34 (1892), S. 34–35 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Daniel Sennert in der Wikipedia
GND-Nummer 117478091
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|34|34|35|Sennert, Daniel|Hermann Markgraf|ADB:Sennert, Daniel}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117478091}}    

Sennert: Daniel S., berühmter Arzt, geboren in Breslau am 25. Novbr. 1572, † in Wittenberg am 21. Juli 1637. Er war der Sohn eines Schuhmachers und verlor den Vater schon mit 13 Jahren. Aber seine treue Mutter wandte alle Ersparnisse an die Erziehung des vielversprechenden Sohnes und ermöglichte es, daß er 1593 die Universität Wittenberg bezog. Am 6. Juni ward [35] er in die philosophische Facultät eingeschrieben und erwarb sich in ihr am 5. April 1598 den Magistergrad. Er trat aber nicht, wie er anfangs gewollt, in den Schuldienst ein, sondern wandte sich jetzt ganz den medicinischen Studien zu und besuchte noch drei Jahre lang die Universitäten Leipzig, Jena und Frankfurt a. O. Um sich in die Praxis einführen zu lassen, ging er nach Berlin und schloß sich dort dem berühmten Arzte Johann Georg Magnus an. Auf dessen Rath zog er nicht, wie er vorhatte, zur Promotion nach Basel, sondern folgte der Einladung einiger Freunde nach Wittenberg. Hier erlangte er nicht nur am 8. September 1601 den Doctorgrad, sondern auch am 15. September 1602 die von seinem wenig älteren Landsmanne Johann Jessensky von Jessen (Jessenius) bisher inngehabte Professur. Seitdem verblieb er, lehrend, heilend und litterarisch thätig, von der Universität hochgeehrt, auch zum kurfürstlichen Leibarzt ernannt, bis zu seinem Tode in Wittenberg. Nachdem er sechs Pestepidemien daselbst durchgemacht hatte, wurde er zuletzt doch ein Opfer dieser Krankheit. Nach dem Tode seiner ersten Frau, Tochter seines Collegen Schato, mit der er 5 Söhne und 2 Töchter zeugte, verheirathete er sich 1626 und 1633 noch zweimal. Es überlebten ihn eine Tochter und zwei Söhne, von denen Andreas später in Wittenberg als Professor der orientalischen Sprachen wirkte. – Als Lehrer, Arzt und Schriftsteller erwarb sich S. einen bis in die fernsten Länder reichenden Ruf. Er besaß bedeutende philosophische und naturwissenschaftliche Kenntnisse und führte zuerst in Wittenberg die Anwendung chemischer Medicamente ein. Obwohl seine Werke mehr compilatorischer Art waren und ihrem Verfasser sogar den Vorwurf des Plagiats eintrugen, fanden sie doch eine große Verbreitung und erlebten viele Auflagen. Er schrieb „Quaestionum medicarum controversarum liber“; „Institutionum medicinae libri V“; „Libri de febribus IV“; „Practicae medicinae liber I-VI“; „De chymicorum cum Aristotelicis et Galenicis consensu et dissensu liber“; „De scorbuto, de dyssenteria, Hypomnemata physica“; „De occultis medicamentorum facultatibus etc.“ nebst zahlreichen Disputationen. Seine Versuche, die Lehren des Paracelsus mit denen des Galen zu vereinigen, fanden auch heftigen Widerspruch. Seine „Opera in VI tomos divisa“ erschienen wiederholt in Venedig, in Paris und in Leiden, zuletzt 1676.

Die biographischen Nachrichten über ihn gehen alle zurück auf die Leichenpredigt von Paul Röber und den ein Jahr später von August Buchner gehaltenen Panegyricus, beide Witt. 1683. Daß er zuerst in Deutschland das Scharlach beschrieben habe, hebt Häser, Gesch. der Medicin III,3 422 hervor. Der dort als sein Schwiegersohn bezeichnete Mich. Döring ist sein Schwager, auch mit einer Schato verheirathet. Vgl. sonst noch Raph. Finkenstein in der „Deutschen Klinik“ 1868 u. J. Grätzer, Lebensbilder hervorragender schlesischer Aerzte, Berlin 1889.