ADB:Sibmacher, Hans

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Sibmacher, Hans“ von Paul Johannes Rée in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 136–138, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sibmacher,_Hans&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 12:07 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Sibeth, Karl Joachim
Nächster>>>
Sibo
Band 34 (1892), S. 136–138 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Siebmacher in der Wikipedia
GND-Nummer 119546655
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|34|136|138|Sibmacher, Hans|Paul Johannes Rée|ADB:Sibmacher, Hans}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119546655}}    

Sibmacher: Hans oder Johann S., Wappenmaler und Kupferstecher in Nürnberg. Sein Geburtjahr und seine Lebensverhältnisse sind unbekannt. Merkwürdigerweise nennen ihn weder Andreas Gulden noch Sandrart. Er starb am 23. März 1611 und hinterließ eine Wittwe Anna Sophie. Er war nicht nur ein Künstler sondern „soll auch ein Chymicus gewesen sein und den um 1607 herausgekommenen Wasserstein der Weisen geschrieben haben“ (Will). Im Jahre 1736 erschien dieses Werk zu Leipzig in neuer Ausgabe unter dem Titel: „Das güldene Alles etc. verfasset durch einen Ungenannten doch wohl Bekannten etc. Ich Sag’s Nicht“ (Johann Sibmacher Norimbergensis). Ob er als Tafelmaler thätig war, wie behauptet worden ist, läßt sich nicht erweisen; von seinen Wappenmalereien befand sich in der nunmehr aufgelösten Derschau’schen Kunstsammlung in Nürnberg ein Band mit sorgfältig gemalten Helmzierden. Seine, theils als [137] Einzelblätter theils als Buchillustrationen erschienenen Kupferstiche und Radirungen zeichnen sich durch decorativen Reiz und große Zartheit der Linienführung aus. Eine sorgfältige Zusammenstellung und eingehende Beschreibung seines Werkes danken wir Andreas Andresen, der auch fünf, auf seinen Blättern vorkommende Monogramme mittheilt. Nach Andresen umfaßt dasselbe 143 Nummern und einige zweifelhafte Blätter. Die Zahl der Einzelblätter beträgt 130, die übrigen Nummern sind illustrirte Bücher, sowie Modell- und Wappenbücher. Außer einer Reihe ornamentaler Blätter, darunter 41 nach Ducerceau, schuf er in Einzelblättern Bildnisse, Monats-, Jagd- und Kriegsdarstellungen, Städteansichten, Landkarten, Wappen etc. Die von ihm mit Kupfern ausgestatteten Bücher gehören den verschiedensten Gebieten an und sind mit reichen Titelblättern versehen. Als Illustrationen finden wir von ihm Bildnisse römischer Kaiser und Kaiserinnen, römische Kaisermünzen, Darstellungen aus den Türkenkriegen, Wappen, Landkarten, Schilderungen merkwürdiger Schifffahrten, Allegorien, Embleme u. a. m. Den größten Reiz besitzen die zierlichen Darstellungen in den Emblemen des Nürnberger Arztes Joachim Camerarius, von denen in den Jahren 1590 bis 1596 drei Centurionen erschienen und denen 1604 eine von diesem begonnene und von dessen Sohn Ludwig Camerarius vollendete vierte Centurie folgte, sowie in den Emblemen der Universität Altdorf, von denen 1602 die erste und 1617 die zweite Auflage erschien.

Sein Hauptwerk ist das für die Heraldik so außerordentlich wichtige große Wappenbuch, dessen erster Theil 1605 unter dem Titel: „New Wapenbuch“ etc. etc. in Quart erschien und ungefähr 3320 Wappen aufweist, während der mit 2400 Wappen versehene zweite Theil „Newen Wapenbuchs II. Theil“ 1609 folgte. Schon 1612 erschien eine neue Ausgabe beider Theile. 1657 veranstaltete der Kunsthändler Paul Fürst in Nürnberg, der vier Jahre früher von der Wittwe Sibmacher’s die Restexemplare und die Kupferplatten um 520 fl. erworben hatte, eine dritte Auflage, und fügte einen dritten und vierten Theil sowie zehn Jahre später einen fünften und 1668 einen Anhang zu diesem hinzu. Eine abermalige Erweiterung erfuhr das Werk durch dessen Schwiegersohn Joh. Rud. Helmer, der unter Hinzufügung eines verbesserten Theils nebst Anhang das Ganze im Jahre 1705 unter dem Titel „Erneuert-verbessertes Wappenbuch“ herausgab; aber schon 1734 war eine fünfte Auflage nöthig, die von Christian Weigel in Nürnberg besorgt wurde. Das sechs Theile umfassende Werk enthielt nunmehr 14,767 Wappendarstellungen. In den Jahren 1753 bis 1806 wurde dasselbe noch durch zwölf Supplementbände bereichert. 1855 unternahm die Verlagshandlung Bauer und Raspe in Nürnberg eine anfangs von Otto Titan v. Hefner und jetzt von einer Reihe von Gelehrten besorgte Ausgabe des Werkes, von der heute 340 Lieferungen vorliegen. Schon vor Herausgabe des großen Wappenbuches, nämlich im Jahre 1596, hatte S. ein äußerst selten vorkommendes kleines Wappenbuch geschaffen, dessen Blätter weniger von heraldischer als vielmehr von ornamentaler Bedeutung sind. Wie sein großes Wappenbuch so sind auch seine mit Spitzen-, Näh- und Stickmustern versehenen Modellbücher wegen ihrer praktischen Bedeutung in unserm Jahrhundert neu herausgegeben worden, zunächst im Jahre 1866 von seiten des k. k. österr. Museums für Kunst und Industrie in Wien das 35 Blatt enthaltende Modellbuch vom Jahre 1597, die zweite Auflage eines zuerst im Jahre 1591 erschienenen Werkes, und dann im Jahre 1874 von J. D. Georgens im Verlage von Wasmuth in Berlin ein 58 Blatt enthaltendes, zuerst im Jahre 1601 erschienenes und 1604 zum zweiten Mal verlegtes Werk, welches der Pfalzgräfin Maria Elisabeth gewidmet ist und einen lehrhaften Dialog über die Nähkunst enthält. Vortreffliche Muster schuf er auch in den zur Ausführung in Treibarbeit bestimmten zwölf Blättern mit Gefäßentwürfen [138] für Goldschmiede, welche das Bayer. Gewerbemuseum in Nürnberg neu herausgegeben hat. Diese Serie sowie das erstgenannte Modellbuch werden von Andresen nicht genannt.

J. G. Doppelmayr, Historische Nachrichten etc. 1730. S. 210. – G. A. Will, Nürnbergisches Gelehrten-Lexikon etc. 1808. VIII, 231. – A. Andresen, Der deutsche Peintre-graveur 1872. II, 281 ff. – O. v. Schorn, „Johann Sibmacher“ in „Kunst und Gewerbe“ Wochenschrift etc., herausgegeben vom Bayr. Gewerbemuseum zu Nürnberg 1879. S. 201 ff.