ADB:Slagghert, Lambrecht

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Slagghert, Lambrecht“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 450–451, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Slagghert,_Lambrecht&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 00:54 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Skrivan, Gustav
Nächster>>>
Slatius, Heinrich
Band 34 (1892), S. 450–451 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Lambrecht Slagghert in der Wikipedia
GND-Nummer 12353190X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|34|450|451|Slagghert, Lambrecht|Karl Ernst Hermann Krause|ADB:Slagghert, Lambrecht}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=12353190X}}    

Slagghert: Lambrecht oder Lambert S., † vermuthlich 1533, nach dem 24. März, war Lehrmeister und Beichtvater im Nonnenkloster der H. Clara zu Ribnitz und hat die Chronik des Klosters geschrieben. Er stammte aus Stralsund, war Franciscaner im dortigen St. Johannisconvente bis 1522, und vermuthlich war er es, von dem Franz Messel mit Verachtung erzählt, er habe Puppen hergerichtet, an denen er dem Volke Theile der Geschichte Christi auf der Kanzel verdeutlichte. 1522 besuchte er das Franciscaner-Capitel der Ordensprovinz Sachsen in Hamburg, von wo er als Lesemeister nach Ribnitz gesandt wurde. Hier verwaltete er zeitweilig, 1525 mit Joachim Meier (A. D. B. XXI, 198), auch die Stelle des Guardian, doch wurde schließlich der letztere in diese Würde eingesetzt. S. war ein beschränkter aber gutmüthiger Mensch, ohne alle Weltklugheit, doch treuherzig und bieder, der mit Ehrfurcht an seiner [451] Aebtissin, der Herzogin Dorothea von Mecklenburg, der Schwester der regierenden Herren, hing. Dabei hatte er praktische Gaben, er legte Wasserrinnen an, baute ein Brauhaus um, zog selber Mauern und malte oder strich Wände, ja im Remter brachte er sogar eine stellbare astronomische Uhrscheibe an. Es ist ein köstliches Bild des Stilllebens, wie der Lesemeister und Beichtiger die Maurerkelle führt, und die Herzogin-Aebtissin höchst persönlich ihm Mauersteine und Mörtel zulangt. Doch muß er eine gewisse gelehrte Bildung und Kenntniß des Latein besessen haben, sonst wäre er schwerlich zum Lesemeister ernannt, und Aebtissin und Nonnen hätten ihn nicht gleich nach seinem Erscheinen gebeten, ihnen eine Chronik ihres 1323 gegründeten Klosters zu schreiben, dessen 200jähriges Bestehen man also feiern wollte. Lambert schrieb sofort eifrig unter Benutzung einer vorliegenden handschriftlichen Chronik (wahrscheinlich des kostbaren Manuscriptes Ernst’s v. Kirchberg), des Todtenbuches, der Archivalien und der eben erschienenen Annales Herulorum des Marschalck Thurius, in plattdeutscher Sprache und konnte schon am 22. November 1523 das erst nach Michaelis 1522 begonnene Werk der Aebtissin Dorothea und dem Convent widmen. Er hat es nachher bis 1532, in zwei Notizen bis 1533, fortgeführt. Von Wichtigkeit ist seine Chronik für die Jahre des 16. Jahrhunderts, namentlich für das Kleinleben eines fürstlichen Nonnenklosters, auch für die Geschichte des Franciscanerordens der Provinz Sachsen. Zugleich enthält sie aber die Geschichte der 5 Aebtissinnen (von 8) aus dem fürstlichen mecklenburgischen Hause und damit zugleich manche Data für das Herzogsgeschlecht selber. Die nicht gut erhaltene Chronik ist noch im protestantischen Kloster Ribnitz, eine alte Abschrift hat die Universitätsbibliothek zu Greifswald, eine jüngere das Geheime und Hausarchiv zu Schwerin, in neuerer Zeit nahmen Dr. C. F. Fabricius in Stralsund und Dr. F. Crull in Wismar genaue Abschriften; ersterer ließ daraus die Zeit von 1522–1527 in Lisch’s Meckl. Jahrbüchern III, S. 96–140 abdrucken. Eine lateinische Ueberarbeitung, welche bis 1539 reicht, gab Westphalen, Mon. inedita IV (1745), S. 841 ff. heraus, zugleich mit Nachträgen von c. 1570–78 vom lutherischen Klosterprediger Jakob Isermann, der 1569 nach Ribnitz kam. Die Uebersetzung soll vom Dompropst Dreyer († 1802) stammen, und zwar von 1743.

Wigger in Meckl. Jahrbb. L, 117 f. – Lisch, das. XI, 231 f.