ADB:Sparr, Otto Freiherr von

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Artikel „Sparr, Otto Freiherr von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 64–67, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sparr,_Otto_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 16:48 Uhr UTC)
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Band 35 (1893), S. 64–67 (Quelle).
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Sparr: Otto Christof Freiherr v. S., kurfürstlich brandenb. Generalfeldmarschall, wurde 1605 auf dem Gute Lichterfelde bei Eberswalde (n. A. am 15. Novbr. 1599 zu Prenden) im märkischen Kreise Oberbarnim geb. Von seiner Jugend und seiner Erziehung ist nichts bekannt, es ist aber anzunehmen, daß er guten Unterricht genossen hat, da er tüchtige mathematische Kenntnisse besessen zu haben scheint. Vermuthlich hat er, wie viele seiner Landsleute, etwa 1626 unter Wallenstein zu den kaiserlichen Fahnen geschworen; die ersten sicheren Nachrichten stammen aus dem Jahre 1637. Damals war er Oberst. Sein Name wird bei einem fehlgeschlagenen Angriff auf Stargard in Pommern genannt, welchen er im October mit anderen Kriegsobersten unternahm. Während des Winters auf 1638 war er Commandant zu Landsberg an der Warthe. Im letzteren Jahre beabsichtigte Kurfürst Georg Wilhelm, sein Landesherr, welcher eine Truppenmacht aufzustellen im Begriff war, ihn dabei mit der Einrichtung des Geschützwesens zu betrauen. Des Kurfürsten Plan zerschlug sich indeß und von Sparr’s Verwendung ist nicht weiter die Rede. Wir treffen diesen dagegen bald auf dem westfälischen Kriegsschauplatze, auf welchem er bis zum Ende des 30jährigen Krieges thätig blieb. Hatzfeld sollte hier ein neues kaiserliches Heer aufstellen und Gallas, unter welchem S. bisher gestanden hatte, erhielt den Befehl Officiere und Truppen dahin abzugeben. Zu jenen gehörte auch S., welcher bestimmt war Hatzfeld’s Feldzeugmeister zu werden. Auf dem Wege gerieth er in der Nähe von Warendorf am 20. October 1638 durch nächtlichen Ueberfall in pfälzische Kriegsgefangenschaft, muß aber bald wieder freigekommen sein, denn im folgenden Jahre erhebt Pfalzgraf Wilhelm Wolfgang laute Klagen wegen der Vergewaltigung seiner Unterthanen durch S. und andere kaiserliche Officiere. 1641 belagerte und nahm S. im Juni und Juli die Stadt Essen und leitete die Arbeiten bei der Belagerung der am 18. September übergebenen Stadt Dorsten. 1642 bestellte ihn Johann von Werth als Commandanten von Grevenbroich; er befestigte die Stadt und unternahm von hier aus erfolgreiche Streifereien in die [65] Umgegend. Dann scheint er mit Hatzfeld nach dem Osten gezogen zu sein; 1644 wird seine Anwesenheit bei Magdeburg erwähnt. 1646 war er wieder am Rhein; er hatte an Vehlen’s Stelle die Führung der Truppen übernommen, welche gegen die Hessen im Felde standen; später war er Melander untergeordnet. Was an Kriegsthaten geschah war von geringerer Bedeutung; im Herbst lag S. einige Zeit zu Bonn an einer vor Euskirchen erhaltenen Wunde darnieder. 1647 nennt er sich selbst „der römisch kaiserlichen Majestät des Westphälischen Creyses bestellten Generalwachtmeister, Oberst, auch Obercommandant der rheinischen Quartiere“. Unter Lamboy war er in diesem Jahre thätig des Kaisers Herrschaft in Westfalen und in Ostfriesland zu erzwingen und zu behaupten. Verrichtungen des kleinen Krieges, Angriff und Vertheidigung von Städten und festen Burgen waren auf beiden Seiten die hervorragendsten Gegenstände der Thätigkeit; wo es sich um Aufgaben aus den Gebieten der Befestigungskunst und des Geschützwesens handelte, trat S. in den Vordergrund. Als der Krieg zu Ende ging war er zum ältesten Generalwachtmeister aufgestiegen, welchem in Ermangelung des Oberfeldherrn der Befehl gebührte, und nachdem der westfälische Friede geschlossen war übte er diesen Befehl im folgenden Jahre noch einmal thatsächlich aus, indem er als kurfürstlich kölnischer General-Feldwachtmeister und Generalcommandant des westfälischen Kreises mit Gewalt der Waffen eine Reichsexecution gegen Lüttich vollstreckte, dessen Bürger mit ihrem Bischofe, welcher zugleich Erzbischof von Köln war, im Streite lebten. Am 29. August 1649 zog er in die Stadt ein. – Als damit auch die Nachwehen des großen Krieges auf diesem Theile seines Schauplatzes vorübergegangen waren, kehrte S. in den Dienst seines engeren Vaterlandes und seines angestammten Lehnsherrn zurück. Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte die letztverflossenen Jahre meist in seinen westlichen Besitzungen zugebracht und dies hatte zu persönlichen Beziehungen zwischen ihm und S. geführt. So kam es, daß zu den kriegserfahrenen Officieren, denen der Kurfürst die Begründung einer bleibenden brandenburgischen Kriegsmacht anvertraute, auch S. gehörte. Schon vom 14. Juni 1649 rührt dessen erste Bestallung, welcher am 8. October d. J. eine umfangreichere, wesentlich günstigere folgte, aber erst im September 1650 konnte S. melden, daß er des kaiserlichen Dienstes entledigt sei und ganz zur Verfügung seines neuen Kriegsherrn stehe. Da Colberg, wo er als Gouverneur seinen Wohnsitz zu nehmen hatte, noch von den Schweden besetzt war, blieb er vorläufig in Lippstadt, seine Thätigkeit auf Befestigungsarbeiten und auf den Betrieb von Galmeigruben in der Grafschaft Mark vertheilend. Auch politische Aufgaben beschäftigten ihn. Es galt in jenen Landen die Hoheitsrechte des Kurfürsten zu wahren, die Stände zu Leistungen für die Truppen gefügig zu machen und Frieden zu stiften zwischen Lutheranern und Reformirten. Als der Kurfürst bald darauf einen Kriegszug gegen den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm plante, ernannte er S. am 9. Juli 1651 zum Generalfeldzeugmeister und „zum capo bei Dero itztrichtenden armee“; es kam aber nicht zum Schlagen. Wenn Kurfürst Friedrich Wilhelm sich auch, wie später noch einmal, durch die Ebbe in seinen Kassen genöthigt sah, die S. gemachten Versprechungen theilweise unerfüllt zu lassen, so war er dagegen auf der anderen Seite bei der Eintreibung von Forderungen behülflich, welche dieser aus den Kriegszeiten an andere Regierungen zu machen hatte. S. ward dadurch in den Stand gesetzt mancherlei Erwerbungen an Grundbesitz in seiner märkischen Heimath zu machen; sein Plan denselben durch Errichtung eines Fideicommisses seinem Geschlechte zu erhalten ist jedoch nicht zur Ausführung gelangt. – Am 6. Juni 1653 hielt er seinen Einzug in das von den Schweden geräumte Colberg, verließ die Stadt jedoch schon zu Anfang des [66] nächsten Jahres wieder um den Befehl von Hilfsvölkern zu übernehmen, welche des Kurfürsten von Köln Lande von den in dieselben eingefallenen Scharen des Herzogs Karl von Lothringen befreien und den Kurfürsten zugleich vor dem unwillkommenen, durch Frankreich angebotenen Schutze durch französische Truppen bewahren sollten. Der Kölner Kurfürst hatte S. für diese Stellung erbeten; Verhandlungen wandten aber die Kriegsgefahr ab und S., welcher nach seiner Rückkehr seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt zu haben scheint, mußte nochmals auf die Verwirklichung der Aussicht verzichten für Brandenburg und seinen Kurfürsten zu Felde zu ziehen. Bald aber stiegen im Osten neue Kriegswolken auf. Die Gefahr ging von Schweden aus, dessen König Karl X. Gustav nach dem Besitze des Herzogthums Preußen trachtete. Friedrich Wilhelm beschloß sich einem etwaigen gewaltsamen Versuche mit den Waffen in der Hand entgegenzustellen, sammelte eine Macht von 26 800 Mann mit zahlreicher Artillerie und übertrug am 8. April 1655 S. den Oberbefehl über diese Armee „daß Er dieselbe als capo regieren und führen möge“. Zunächst sollte er die Schweden beobachten und nichts Feindseliges gegen sie unternehmen, ihrem Betreten des Herzogthums Preußen aber, mit dessen Ständen der Kurfürst einen Vertrag abgeschlossen hatte, sollte S. sich thätlich widersetzen. Als es soweit kam, hatten die Schweden den Polenkönig bereits geschlagen und sich seines gesammten Reiches bemächtigt, sodaß Kurfürst Friedrich Wilhelm, welcher sich auf allen Seiten vergeblich nach Beistand umgesehen hatte, am 17. Januar 1656 nothgedrungen mit Karl X. Gustav den Tractat von Königsberg einging, kraft dessen er Preußen als Lehen von Schweden empfing. S. rieth ihm zu dem Schritte, während sein Widersacher am Hoflager, Graf Georg Friedrich von Waldeck, mit welchem er in stetem, dem Gemeinwohle wenig förderlichen Hader lebte, den gegentheiligen Entschluß befürwortete. Damit schien die Aussicht für S. im brandenburgischen Dienste Kriegsruhm zu erringen wiederum verschwunden. Aber die Sachlage änderte sich rasch. Polen erhob sich von neuem und bald war Karl X. Gustav der Bedrängte, welcher jetzt die brandenburgische Hilfe in Anspruch nahm. Der Kurfürst gewährte sie ihm auf Grund eines am 15. Juni zu Marienburg abgeschlossenen Bündnisses. Vereint zog nun die schwedisch-brandenburgische Macht den Polen entgegen. Bei Warschau kam es zu dreitägiger Schlacht. Am dritten Kampfestage, dem 20./30. Juli 1656 erwarb S. unvergänglichen Ruhm, indem er, in der Mitte der Stellung kämpfend, mit dem ihm unterstellten Fußvolke, über dessen Stärke und Zusammensetzung die Angaben auseinandergehen, „mit besonderer Dexteriät und guter Disposition“ mit stürmender Hand das Gehölz von Praga nahm und damit den Ausgang des langen Ringens entschied. Die brandenburgischen Truppen kehrten dann nach Preußen zurück und fochten 1657 unter Sparr’s Oberbefehl in einer langen Reihe kleinerer kriegerischer Unternehmungen gegen die keineswegs ganz niedergeworfenen Polen und Lithauer. Am 26. Juni jenes Jahres wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt. Es ist das erste Mal, daß diese höchste militärische Würde im brandenburgischen Heere verliehen ward. Zugleich wurde ihm die oberste Instanz in allen Commando-, Commissariats-, Proviant- und Justizsachen, „wie sie Namen haben mögen“, übertragen. Am 19. September machte der Kurfürst mit Polen seinen Frieden und versuchte nun zwischen dieser Macht und Schweden zu vermitteln; auch S. ward mit einer diesem Endzwecke dienenden Sendung nach Warschau beauftragt, hatte aber keinen Erfolg. 1658 machte er unter dem Kurfürsten, welcher wie 1656 den Oberbefehl über seine Truppen selbst führte, dessen Feldzug gegen die Schweden in Holstein und Schleswig mit; im folgenden Jahre war er mit der Belagerung von Demmin beauftragt, und nahm die Stadt durch Capitulation. Nachdem am 1. Mai 1660 der Friede von Oliva seinem vierjährigen Kriegsleben [67] ein Ende gemacht hatte, war S. zunächst bei der Befestigung von Berlin thätig. Als der Kurfürst 1662 auf längere Zeit nach Preußen ging, übertrug er S. seine Vertretung in den übrigen Provinzen. – Im folgenden Jahre wurde die schon länger drohende Türkengefahr dringlich. Der Kurfürst leistete dem Kaiser Beistand, indem er ihm Hilfsvölker sandte und ihm auch S. überließ. Ein von letzterem bei dieser Gelegenheit abgegebenes Gutachten über die Art, wie der Krieg gegen die Ungläubigen zu führen sei, zeugt von Sparr’s Kriegserfahrung und Einsicht. Der Feldzug ward durch die am 1. August 1664 gelieferte Schlacht bei Sanct Gotthard an der Raab zu Gunsten der christlichen Waffen beendet. S. mit seinen Brandenburgern focht in derselben mit hoher Auszeichnung. „Ihr habt Eure Kriegserfahrung und Valeur bei dieser jüngsten Occasion gewiß rühmlich erwiesen“ schrieb ihm Kaiser Leopold am 7. August; auch ernannte er ihn nun zum kaiserlichen Generalfeldmarschall. – Die Unterwerfung der Stadt Magdeburg, welche sich der Herrschaft des Großen Kurfürsten nicht fügen wollte und deren Unterwerfung dieser im Jahre 1666 S. übertrug, sowie die Vorbereitung zur Befestigung der Stadt, nachdem dieselbe, als S. mit 10 000 Mann bereit stand seines Kriegsherrn Willen mit den Waffen durchzusetzen, am 28. Mai den Vertrag von Kloster Berge abgeschlossen und Besatzung aufgenommen hatte, waren des Feldmarschalls letzte besonderen Leistungen. – Neben seinen Dienstobliegenheiten beschäftigte diesen die Fürsorge für seine Güter, deren Umfang er erweiterte ohne aber, wie schon erwähnt wurde, seinen Wunsch, dieselben seinem Geschlechte zu erhalten, zum Vollzuge zu bringen, sodaß sie sämmtlich längst in andere Hände übergegangen sind. Bei den Aufwendungen, welche er für seine Besitzungen machte, ist besonders seine Sorge für die Kirchen zu bemerken; namentlich die Glocken lagen ihm am Herzen. Auch die Herstellung des durch ein Wetter beschädigten Thurmes der Marienkirche in Berlin ließ er sich viel Geld kosten. In dieser ward er nach seinem am 9. Mai 1668 auf seinem Gute Prenden bei Bernau im Kreise Niederbarnim erfolgten Tode am 12. d. M. beigesetzt. Er starb arm, wenngleich begütert. – S. war kein genialer Führer, aber ein tüchtiger zuverlässiger Soldat, namentlich im Geschützwesen erfahren und ein geschickter Organisator. Der französische Gesandte de Lumbres sagt über ihn in einem Berichte vom 28. November 1655, er sei mehr geschickt gewesen Anderer Befehle auszuführen als selbst solche zu ertheilen, mehr geeignet zur Führung einer kleinen als einer großen Truppenmenge, brauchbarer im Vertheidigungskriege als für die Feldschlacht. Seine späteren Kriegsleistungen sprechen für die Richtigkeit dieser Beurtheilung. – Als am 27. Januar 1889 Kaiser Wilhelm II. einer Anzahl von Regimentern seines Heeres zu Ehren und zum Andenken hervorragender brandenburgisch-preußischer Kriegsleute für immerwährende Zeiten deren Namen beilegte, erhielt das 3. westfälische Infanterieregiment Nr. 16 den Namen „Infanterieregiment Freiherr v. Sparr.“ – Eine genügende Lebensbeschreibung Sparr’s ist nicht vorhanden.

Historisch-merkwürdige Beiträge zur Kriegsgeschichte des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm’s in der Lebensbeschreibung Otto Christoph’s v. Sparr, Stendal 1793 (vom Ordensrath König). – Th. v. Mörner, Märkische Kriegobersten des 17. Jahrhunderts, Berlin 1861 (reicht nur bis zum Jahre 1661).