ADB:Störtebeker, Klaus

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Artikel „Störtebeker, Klaus“ von Adolf Hofmeister in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 459–460, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:St%C3%B6rtebeker,_Klaus&oldid=- (Version vom 23. April 2019, 01:33 Uhr UTC)
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Störtebecker: Klaus St., Anführer der Vitalienbrüder. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt er aus Wismar, wo der Name St. mehrfach vorkommt und im J. 1380 ein Nicolaus St. urkundlich bezeugt ist. Die Städte Rostock und Wismar hatten schon seit 1375 ihre Landesherren im Kampfe um die Reiche Schweden und Dänemark zur See thatkräftig unterstützt; als dann 1389 König Albrecht von Schweden in die Gefangenschaft seiner Gegnerin Margaretha von Norwegen gefallen und nur Stockholm noch im Besitz der Mecklenburger geblieben war, boten sie zur Versorgung der von den Feinden eng umlagerten Stadt mit Lebensmitteln und Kriegsbedarf, und zur Schädigung der feindlichen Streitmacht, Scharen verwegener Gesellen auf, denen sie ihre Häfen als Zufluchtsort und Markt für die gemachte Beute öffneten. Unter den mit Namen bekannten Anführern dieser nach ihrem Hauptzweck, der Verproviantirung Stockholms, Vitalienbrüder genannten Scharen finden sich zahlreich Glieder alter Adelsfamilien Mecklenburgs, Pommerns und der Mark, die Fehdeluft und Hoffnung auf reiche Beute auf die See führte; St. ist nicht unter ihnen. Erst als nach der Befreiung König Albrecht’s 1395 der allerdings wohl überwiegende Theil der Vitalienbrüder sich der nothdürftig wiederhergestellten Ordnung nicht fügen wollte und die alten Zufluchtsstätten meiden mußte, treten Gödeke Michels und neben ihm Klaus Störtebeker, Magister Wigbold und Wichmann, als Führer hervor. Diese verlegten den Schauplatz ihrer Thaten in die Nordsee, wo sie bei den ostfriesischen, in unaufhörlichen Kämpfen sich befehdenden Häuptlingen Unterstand fanden, und wenn sie gleich vorzüglich fremde Fahrzeuge, besonders englische, überfielen, so war doch auch kein hansisches Schiff vor ihren Raubgelüsten sicher. Im J. 1400 rüsteten daher die Hansestädte eine Flotte gegen sie aus, doch ehe diese noch zum Auslaufen kam, hatten die Hamburger und Lübecker vereint schon einen Sieg über die Vitalianer davongetragen, der sie nöthigte, theils in Norwegen, theils in Holland Schutz zu suchen. Unter den Anführern der letzteren wird ein Johann Störtebeker genannt, wohl ein Verwandter des Klaus, nicht dieser selbst; die ersteren führte Gödeke Michels, bei dem sich auch Klaus St. befunden haben wird, da von 1394 an beide stets zusammen genannt werden, doch so, daß Gödeke Michels immer die erste Stelle einnimmt. Im Frühjahr 1401 liefen wiederum bewaffnete Schiffe unter der Anführung der Hamburger Rathsherren Nicolaus Schoke und Hermann Lange aus der Elbe aus, trafen bei Helgoland mit den Vitalienbrüdern unter St. und Wichmann zusammen, und brachten ihnen eine vollständige Niederlage bei. Gegen 40 kamen im Kampfe um, der Rest mit den beiden Anführern, etwa 70 Mann, wurde gefangen, mit dem eroberten Schiffe Störtebeker’s nach Hamburg gebracht und Ende October hingerichtet. Gödeke Michels und Wigbold mit 80 Gefährten ereilte kurz darauf das gleiche Schicksal. Das ist es, was die Geschichte von St. berichtet; viel mehr weiß die Sage und Dichtung von ihm zu erzählen. Von Holland bis nach Rügen hin und noch weiter kennt das Volk Störtebekerhäfen, Störtebekerburgen, Störtebekerkeller und Störtebekerhöhlen mit verborgenen Schätzen, das Lied vom Störtebeker ist Jahrhunderte hindurch eins der beliebtesten Volkslieder geblieben, in dessen Ton noch eine ganze Reihe anderer gedichtet und gesungen wurden [460] (die Weise ist erst 1887 von J. Bolte wieder aufgefunden worden), und die romatische Poesie zählt den berüchtigten Seeräuber und Schrecken der Engländer wie der Hansen zu ihren Lieblingshelden. Walther meint, daß St. sein Hervortreten in der Volksüberlieferung wohl nicht zum wenigsten seinem „Becherstürzer“ gedeuteten Namen (richtiger zu deuten als „Deckelbecher“, vielleicht nach dem Wappen oder Hauszeichen; ein Hamburger Söldner Hermen Störtebeker um 1439 führte ein Trinkhorn im Siegel) zu danken habe, da das Volk seinen Helden gerade diesen Zug mit Vorliebe beilege. Gewiß mag das zu seiner Volksthümlichkeit beigetragen haben, nicht weniger aber das Volkslied, in dem St. voransteht, so daß der schnell beliebt gewordene Ton nun allein seinen Namen trug. Auch das unter Störtebeker’s Namen umlaufende Porträt ist apokryph, indem es ursprünglich Kunz von der Rosen, den lustigen Rath Kaiser Maximilian’s I., vorstellt.

Johannes Voigt, Die Vitalienbrüder: Raumer’s historisches Taschenbuch R. F. 2, 1841. S. 1–159. – Laurent und Lappenberg in der Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte II, 1842, S. 43 ff., 285 ff., 594 ff. – Lisch, Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte XV, 1850, S. 51–69. – R. v. Liliencron, Die historischen Volkslieder der Deutschen I (1865), S. 210–215. – K. Koppmann, Hanserecesse von 1256–1430 IV (1877), Einleitung S. I–XXIII. – K. Koppmann, Klaus Störtebeker in Geschichte und Sage: Hansische Geschichtsblätter 1877 (1879) S. 37–60. – Chr. Walther, Ueber den Namen Störtebeker: Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte I, 1878, S. 89–94. – Frahm und Sundermann, Klaus Störtebeker und Sang und Sage, Hamburg 1885. – J. Bolte, Das Liederbuch des Petrus Fabricus: Jahrbuch des Vereins f. niederdeutsche Sprachforschung XIII, 1887, S. 55–68. – Th. Schrader, Störtebeker: Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte XIII, 1890, S. 26–46. (Zu S. 38 ist jetzt noch hinzuzufügen: Klaus Störtebeker. Ein Norderlied von Josef Lauff. Köln, Ahn. 1892) – Kleinere hierher gehörende Beiträge finden sich noch zerstreut in den verschiedenen Jahrgängen der eben genannten Hamburgischen Mittheilungen, besonders III, 1880, S. 128 9; IV, 1881, S. 134, 153/4; V, 1882, S. 24; VI, 1883, S. 49, 115. – Hansiche Geschichtsblätter Jahrg. 1888 (1890), S. 190.