ADB:Stahl, Friedrich Karl

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Stahl, Friedrich Karl“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 400–401, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stahl,_Friedrich_Karl&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 06:26 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Stahl, Heinrich
Band 35 (1893), S. 400–401 (Quelle).
Wikisource-logo.png Friedrich Karl Stahl bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Karl Stahl in der Wikipedia
GND-Nummer 102657076
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|35|400|401|Stahl, Friedrich Karl|Julius Pagel|ADB:Stahl, Friedrich Karl}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=102657076}}    

Stahl: Friedrich Karl St., Psychiater, ist ein jüngerer Bruder des bekannten Berliner Professors des Staats- und Kirchenrechts Julius St. und zu München am 23. März 1811 von jüdischen Eltern geboren. Er erhielt bereits im elterlichen Hause eine treffliche Erziehung und bezog nach Absolvirung des Gymnasiums 1828 die Universität seiner Vaterstadt, studirte später noch in Erlangen, Freiburg und Würzburg Medicin und promovirte in letztgenanntem Orte 1833. Dann erhielt er die klinische Assistentenstelle bei Henke in Erlangen, legte 1836 zu Bamberg die Proberelation und zu München die Staatsprüfung ab und ließ sich 1837 zu Sulzheim in Unterfranken als Arzt nieder. Hier wandte er sich dem Studium des in jener Gegend endemischen Cretinismus zu und veröffentlichte als Resultat eingehender wissenschaftlicher Beobachtungen 1843 in den Acta der k. k. Leopoldino-Carolinischen Akademie der Naturf. die hochbedeutende Abhandlung „Beiträge zur Pathologie des Idiotismus endemicus“, eine Arbeit, die ihm die Mitgliedschaft der genannten Akademie verschaffte. Ein ihm vom König Ludwig bewilligtes Reisestipendium ermöglichte ihm die speciell auf Anregung des Physiologen Rudolf Wagner in Göttingen erfolgte Fortsetzung seiner Studien über denselben Gegenstand. St. machte zu diesem Zwecke 1846 Reisen nach Wien, Prag, Württemberg, Steiermark, dem Salzburgischen und der Schweiz und veröffentlichte 1848 „Neue Beiträge zur Physiognomik und pathologischen Anatomie der Idiotia endemica“, welche eine gründliche Verarbeitung seiner Reisebeobachtungen enthielten und speciell durch Hinweis auf einzelne bei Cretinenschädeln vorkommende Nahtverwachsungen den ersten Anstoß zu Virchow’s Lehre über die Entwicklungsgeschichte des Cretinismus und der Schädeldifformitäten gaben. Eine Fortsetzung dieser „Beiträge“ erschien in der Prager Vierteljahrsschrift 1850. Diese Arbeiten von St. erhielten noch in höherem Maße die Anerkennung seitens mehrerer gelehrter Körperschaften durch Ernennung des Verf. zum Mitgliede, der inzwischen seit 1848 Physicatsverweser in Sulzheim geworden war und nach Aufhebung des dortigen Gerichtssitzes 1852 nach München übersiedelte. Hier wandte er sich besonders der Psychiatrie zu, erlangte durch Vermittlung des damaligen Obermedicinalraths v. Pfeufer 1853 die Stellung als functionirender Arzt an der Local-Irrenanstalt St. Georgen in Bayreuth [401] und bewirkte, nachdem er vorher noch den größten Theil der Irrenanstalten Deutschlands und Oesterreichs besichtigt hatte, eine vollständige sanitäre Reform der genannten Anstalt. Zugleich entwickelte er eine eifrige schriftstellerische Thätigkeit besonders auf dem Gebiete der Schädeldifformitäten, welche sein Lieblingsstudium bildeten. 1860 wurde er Oberarzt der oberpfälzischen Kreisirrenanstalt Karthaus-Prüll bei Regensburg und war in dieser Stellung bis zu seinem am 19. Mai 1873 an einem Epithelialcarcinom der Zunge erfolgten Ableben thätig. St. war ein hervorragender Psychiater. Ein Theil seiner obengenannten Arbeiten ist in der „Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie“ veröffentlicht.

Vgl. noch Biogr. Lexicon hervorr. Aerzte von Hirsch u. Gurlt, V, 503.