ADB:Swawe, Peter

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Artikel „Swawe, Peter“ von Martin Wehrmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 643–645, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Swawe,_Peter&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 06:31 Uhr UTC)
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Swawe: Peter S., dänischer Kammersecretär, geboren 1496, † 1552. Peter S. wurde 1496 zu Stolp als Sohn des Gregor S. geboren. Seine Familie gehörte zu den angesehensten Geschlechtern der Stadt; Bartholomäus Swawe war sein Vetter. Er soll zuerst in Stolp, dann in Stettin die Schule besucht haben. Es ist auch wahrscheinlich, daß er in Treptow a. R. ein Schüler Johann Bugenhagen’s gewesen ist; die Angabe, daß er diesen während seiner Forschungsreise durch Pommern im Sommer und Herbst 1517 im Lehramte vertreten habe, ist falsch, denn im Sommersemester 1517 ist S. in [644] Leipzig immatriculirt worden. Er soll auch in Löwen studirt und in Münster den berühmten Johann Murmellius als Lehrer gehört haben; wenn das richtig ist, so hat Bugenhagen ihn an jenen gelehrten Humanisten gewiesen. In Leipzig war S. ein Schüler Kaspar Börner’s und schloß sich besonders dem Petrus Mosellanus an, der ihn hoch geschätzt haben soll. So wurde er gründlich in die humanistischen Wissenschaften eingeführt. Bei Luther’s Disputation (1519) war er zugegen und fühlte sich veranlaßt, im August ein an den Professor Johann Cellarius gerichtetes Schreiben drucken zu lassen, in dem er seinen Lehrer Mosellanus gegen einen ihm scheinbar gemachten Vorwurf zu vertheidigen suchte. Cellarius antwortete ihm zunächst in einem Briefe, der mit meisterhafter Ironie abgefaßt ist, und dann in einer ernsthaften kleinen Broschüre. Gegen beide Druckschriften veröffentlichte S. eine nicht ungeschickt abgefaßte Apologie, auf die Cellarius nicht antwortete (vgl. Beiträge zur Sächsischen Kirchengeschichte XII [1897] S. 62–70).

Vielleicht infolge dieses an sich unwichtigen Streites verließ S. Leipzig und ging nach Wittenberg, wo damals auch der junge Herzog Barnim XI. von Pommern weilte. Mit ihm und seinem Erzieher Jakob Wobeser aus Stolp war S. wohl schon in Leipzig in Beziehung getreten, als sie der Disputation beigewohnt hatten. In Wittenberg verkehrte er häufig in Luther’s Hause und trat ihm so nahe, daß jener ihn als Begleiter mitnahm, als er am 2. April 1521 zum Reichsstage in Worms abreiste. Er saß mit Amsdorf und Petzensteiner in Luther’s Wagen, als dieser am 16. April dort einfuhr. Auf der Rückkehr trennte er sich schon in Eisenach von Luther, war also nicht Zeuge der Entführung Luther’s am 4. Mai, sondern kehrte direct nach Wittenberg zurück. Hier fand er seinen alten Lehrer und Freund Johann Bugenhagen vor, den er selbst, wie Melanchthon mittheilt, aufgefordert hat, dorthin zu kommen. S. hielt sich noch im September 1521 in Wittenberg auf und verkehrte in Melanchthon’s Hause (vgl. Corp. Reformat. XII, S. 300). Auf Bugenhagen’s Veranlassung begab er sich wahrscheinlich bald darauf nach Belbuk, wo im Sommer der Coadjutor des Caminer Bischofs, Erasmus von Manteuffel, den Geistlichen Johann Kureke eine Zeitlang gefangen gesetzt hatte. Hier wirkte S. einige Monate im Sinne Luther’s, wurde dann aber, als Herzog Bogislaw X. auf Grund des Wormser Edictes gegen die dortigen Anhänger des Reformators mit Gewalt vorging, auch in Haft genommen. Nach kurzer Zeit erhielt er indeß die Freiheit wieder, wie es scheint, auf Verwendung des Herzogs Heinrich von Mecklenburg, an den sich Swawe’s Wittenberger Freunde wandten, und des Dr. Valentin v. Stojentin (vgl. Corp. Ref. VII, S. 986. Kantzow hrsg. von Böhmer S. 160). Alsbald ging er in seine Heimathsstadt Stolp und begann in seinem Hause am Markte einigen Freunden der neuen Lehre und namentlich den Lehrern der Schule den Römerbrief zu erklären (Chytraeus, Saxonia I, S. 734). Wohl infolge der in Stolp ausbrechenden Unruhen verließ S. im Frühjahr 1524 die Stadt und ging nach Greifswald, wo er am 12. April in die Matrikel der Universität eingetragen wurde. Bald wirkte er hier als Lehrer und trug seinen Zuhörern die „Anfangsgründe der reineren Lehre“ vor. An Hermann Bonnus und Georg Normann, sowie den Stralsundern Johann Aepinus und Anton Gerson fand er gleichgesinnte Freunde, mit denen er in regem Verkehr und eifrigem Austausch der Gedanken stand (Balt. Studien, N. F. VI, S. 55, 57). Aus dieser Zeit vielleicht stammt ein von S. verfaßtes lateinisches Gedicht auf den Herzog Bogislav X. († am 5. October 1523), das handschriftlich erhalten ist (vgl. O. Heinemann, Johannes Bugenhagen’s Pomerania, S. VII f.).

[645] Lange ist er nicht in Greifswald thätig gewesen. Der Verfall der Hochschule veranlaßte ihn 1526, dem Rufe des Königs Friedrich I. von Dänemark nach Schleswig-Holstein zu folgen und dort das Amt eines Erziehers seines zweiten Sohnes, des Herzogs Johann (geboren 1521), zu übernehmen. Vielleicht hatte Herzog Christian, des Königs ältester Sohn, der den Reichstag in Worms besuchte und Umgang mit evangelisch gesinnten Männern hatte, S. dort kennen gelernt und seinen Vater auf ihn aufmerksam gemacht. Mit Eifer nahm er sich in Sonderburg seines Amtes an und scheint einen nicht geringen Einfluß auf seinen Zögling gewonnen zu haben, an den er noch 1537 einen Brief voll ernster Ermahnungen richtete. Daneben aber veranlaßte der König den humanistisch fein gebildeten Mann schon 1526, lateinische Schriften gegen den vertriebenen König Christian II. zu verfassen, und zog ihn mehr und mehr in den dänischen Staatsdienst, so daß an seine Stelle als Erzieher des Herzogs Johann etwa 1528 Hermann Bonnus trat. Von nun an ist er im Auftrage des Königs Friedrich und seines Nachfolgers, Christian III., oft als Gesandter ins Ausland gegangen zu Verhandlungen mit auswärtigen Mächten, so z. B. 1527, 1531, 1537, 1538, 1541 nach Frankreich, oder 1531, 1534 nach England. Bei den Verhandlungen mit dem Schmalkaldischen Bunde (1532, 1535, 1538), mit Kaiser Karl V. (1547) u. a. ist er wiederholt thätig gewesen und erwarb sich die Zufriedenheit seiner Könige. 1530/31 und 1543/44 bekleidete er das Rectorat der Universität Kopenhagen, ohne daß er Professor an der Hochschule war. 1535 erhielt er das Decanat in Roeskilde und war nach den Universitätsstatuten von 1539 als Inhaber dieser Pfründe einer der Conservatoren der Universität. Mit verschiedenen Gütern und einem Hofe in Kopenhagen wurde er belehnt. Im J. 1536 versuchte Herzog Philipp I. von Pommern S. in seinen Dienst zu ziehen, aber König Christian III. versagte ihm die Erlaubniß, in sein Heimathsland zu gehen. Eine Zeit lang scheint er seinem Secretär wegen dieses Wunsches gezürnt zu haben, bald aber beschäftigte er ihn wieder als königlichen Rath oder Orator bei diplomatischen Verhandlungen. S. war ein gebildeter Mann, so daß Melanchthon ihn dem Könige als wohl geeignet zur Abfassung einer Geschichte der Reformation in Dänemark empfahl. Mit Bugenhagen stand er in Briefwechsel. Als einer der ruhmwürdigsten Deutschen, die im 16. Jahrhundert im dänischen Staatsdienste standen, wird er in Dänemark gerühmt. „Ueber seine hervorragende Tüchtigkeit herrscht kein Zweifel.“ Er starb am 16. März 1552.

B. C. Sandvig, Peter Svave til Giordslöv, kong Christian III. raad og kammersecretair. Hans liv og levnet efter en gammelt handskrift med anmärkninger og tilläg. Kjøbenhavn 1777. – Pommersches Archiv V (1785), S. 29–37. – H. F. Rørdam, Kjøbenhavns Universitets historie I, S. 409–415. – D. Schäfer, Geschichte von Dänemark IV, S. 199, 209, 448 ff., 455.