ADB:Teniers, David der Jüngere

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Artikel „Teniers, David, der Jüngere“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 563–565, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Teniers,_David_der_J%C3%BCngere&oldid=- (Version vom 19. September 2019, 18:55 Uhr UTC)
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Teniers: David T., der Jüngere und Sohn des Vorigen, war also zum Schluß des Jahres 1610 geboren. Sein Vater hat ihn für die Kunst erzogen, später hatte Rubens Einfluß auf seine Erziehung und schließlich soll Adrian Brouwer auf ihn eingewirkt haben. Die Ehe, die unser Künstler 1637 mit Anna, der Tochter des Jan Brueghel geschlossen hat, scheint auf die Richtung seiner Kunst vielfach gewirkt zu haben. Vorerst hat er das Bildniß dieser Frau mehrmals gemalt und er scheint diese Gemälde mit besonderer Liebe geschaffen zu haben, wie z. B. in dem berühmten Bilde in Paris, das „La dévote de Teniers“ genannt wird, und in dem Familienbilde, wo der Maler im Kreise seiner Familie vor dem Schlosse sitzt und die Baßgeige spielt. Der Künstler hat das Bild seiner Frau auch sonst bei anderen Darstellungen und Scenen benützt, wenn er zuweilen Hexenküchen malte, erscheint die Frau als junge Hexe, in seinen Versuchungen des h. Anton als verführerische Versucherin dargestellt. Nachdem sich der Künstler auf solche Art in die Darstellung seiner Frau und seiner Kinder, übrigens auch seiner selbst vertieft hatte, so fand er auch Zeit [564] und Gelegenheit, andere Persönlichkeiten zu porträtiren. Neunzehn Jahre lebte Anna in glücklicher Ehe mit T.; im J. 1656 wurde sie begraben und der Wittwer schritt im October desselben Jahres aus Sorge für seine unmündigen Kinder zu einer zweiten Ehe mit Isabella de Fren, die aus einer vornehmen Familie stammte und aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Durch diese Familie und deren hohe Bekannte gelangte die Kunstfertigkeit des Malers zu hohem Ruf. So ernannte ihn Erzherzog Leopold Wilhelm, der Generalgouverneur der Provinzen, zu seinem Hofmaler, und um bei der Errichtung seiner berühmten Galerie sich seiner zu bedienen, zog er ihn mit nach Brüssel. Die Gemälde dieser Familie sollten von verschiedenen Meistern gestochen werden und waren bis zum Jahre 1650 von T. in seinen Zeichnungen den Stechern vorgearbeitet. Im J. 1660 ist diese Arbeit in Antwerpen unter dem Titel: Theatrum pictorum Davidis Teniers herausgekommen. Es war das erste Werk, das als Galeriewerk erschien. Das Verdienst des T. ist bei dieser Thätigkeit um so höher, als er als Galeriedirector thätig erschien. Das ist besonders rühmlich, da seine Malereien als sogenannte „Pastiches“ erscheinen, vorzügliche Gemälde berühmter Künstler in kleineren Nachbildungen, die dem Meister einen hohen Ruf in der Welt einbrachten. Der Künstler hatte sich großen Ruf auch sonst bei vornehmen Persönlichkeiten erworben. So schätzte ihn Don Juan d’Austria, der Nachfolger des Erzherzog Leopold Wilhelm als Gouverneur, der T. als Hofmaler beibehielt und der von dem Meister auch in der Kunst unterrichtet wurde. Ein zweiter Gönner des Künstlers war Wilhelm II. von Oranien, der große Freund der Kunst Anton von Triest, der Bischof von Gent, die Königin Christine von Schweden u. a. mehr. Im J. 1644 wurde der Künstler zum Vorsteher der Lucasgilde in Antwerpen gewählt und ihm ist daselbst die Errichtung einer Akademie der schönen Künste zu verdanken, deren Gründung von Philipp IV. bestätigt wurde. Es erklärt sich, daß T., wie Houbraken schreibt, in seiner Stellung und seinen Kunstwerken viele Bewunderer und Freunde gefunden hat. Der Meister hat neben vielen Bildnissen auch unzählige Bilder geschaffen, deren Erfindungen reizend waren und die geheimsten Züge des Seelenlebens verriethen. Er malte Alchymisten und Chirurgen, denen er Barbiere und Wundärzte zugesellte, in sehr vielen Fällen, als ob er die Thätigkeit der Gelehrten darstellen wollte. Dann wandte er sich der Bauernwelt zu, und die Bauern sind rauchend und zechend oder beim Kartenspiel, im Freien oder in der Schenke dargestellt worden. Vielfach sind die Personen dieser Genrebilder auch für Scenen der Bauernbelustigungen, Hochzeiten, Musik und Tanzfeste, Märkte verwendet worden; Landschaften wurden natürlich oft mit der Darstellung der Figuren vereinigt. Wenn der Meister Quacksalber und Hexenküchen vorführte, so ging seine Absicht dahin, nicht den Ernst, sondern den Witz walten zu lassen. Die Anzahl der gemalten Bilder ist unerschöpflich. Der Meister war im Stande, im Laufe eines Tages ein Bild auszuführen und damit seine Freunde zu befriedigen. So erklärt es sich, daß in den Privatsammlungen und Museen Bilder von T. überall vorkommen. Diese Sehnsucht nach dem Meister, dieses Lob seiner Gemälde erklärt es, daß die Kupferstecher nicht aufgehört haben, Blätter nach allen gefundenen Gemälden zu stechen und zu radiren. Die Anzahl derselben ist nicht so leicht zu überblicken und zu zählen. Schließlich ist zu bedenken, daß der Meister nicht allein unzählige Bilder vollendet hat, sondern auch mit der Stecherei beschäftigt war, indem er, wie man glaubt, an 50 Radirungen herausgab. Wenn diese Annahme auch zweifelhaft ist, so werden doch mehrere der vorhandenen Blätter ihm angehören. Wir müssen aber annehmen, daß nur reine Aetzdrücke, d. h. Radirungen ohne hinzutretende Grabstichelarbeiten ihm zuzuschreiben [565] sind, die das Monogramm des Künstlers an sich tragen oder die volle Bezeichnung des Künstlers mit „fecit“, wie z. B. das schöne Hauptblatt des finnländischen Tanzes im Hofe einer Schenke; es ist das zu den Tönen eines Dudelsacks tanzende Bauernpaar. Andere selbst ähnliche Radirungen sind dem Coryn Boel oder Fr. Wyngaerde, meist nach der Erfindung des Meisters zuzuschreiben. Das Sterbejahr des Künstlers ist von Houbraken nicht angegeben; in verschiedenen Werken finden wir die Jahre 1690 oder 1680, 1696 als Sterbejahr bezeichnet; nach Angabe des Historikers von Brüssel, Alphons Wouters, starb T. am 5. April 1695 und wurde zu Perck an der Seite seiner Gattin begraben.

Siehe: Houbraken. – Immerzeel. – Kramm. – Dohme (in Kunst und Künstler). – Nagler (Lexicon).