ADB:Tossanus, Paul

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Artikel „Tossanus, Paul“ von Friedrich Wilhelm Cuno in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 474–475, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Tossanus,_Paul&oldid=2869827 (Version vom 25. März 2017, 08:21 Uhr UTC)
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Tossanus: Paul T., des vorgenannten Sohn, reformirter Theologe, hervorragend als Herausgeber eines Bibelwerkes, sowie als wissenschaftlicher Exeget, geboren am 27. September 1572 zu Montargis, † 1634 zu Heidelberg. Seine Studien machte er zu Heidelberg, Altdorf, Genf und Leiden. Hierauf wurde er zum Rector nach Deventer berufen und drei Jahre später in derselben Eigenschaft nach Amsterdam. Eine Reise nach England, auf dessen berühmten Hochschulen Oxford und Cambridge er seine Kenntnisse erweiterte, gereichte ihm zu großer Förderung in seinen theologischen Grundsätzen. Nachdem er sich noch im März 1599 die Doctorwürde in der Theologie zu Basel erworben, nahm er 1600 einen Ruf an die wallonische Gemeinde zu Frankenthal an. Von da kam T. 1608 als Pastor der Klosterkirche und Mitglied des Kirchenrathes nach Heidelberg. Im J. 1618 ist er nebst Abraham Scultetus (s. A. D. B. XXXIII, 492) und Heinrich Alting (s. A. D. B. I, 367) als pfälzischer Abgeordneter auf der ökumenischen Synode der Reformirten zu Dordrecht, wo er sich als ein besonders strenger Gegner der Arminianer hervorthut. Seit 1613 ist er in Heidelberg auch als Professor der Dogmatik an der Universität thätig. Die Zerstörung der pfälzischen Residenzstadt durch Tilly im September 1622 zwang ihn zur Flucht. Er fand hierauf mit Johann Philipp Pareus einen neuen Wirkungskreis in Hanau, wo sie die Regentin Katharina Belgica, welche für ihren minderjährigen Sohn, den Grafen Philipp Moritz, die Regierung führte, an die von ihrem verstorbenen Gemahle, dem Grafen Philipp Ludwig II. im J. 1607 gestiftete Hohelandesschule, die sie in neuen Aufschwung zu bringen suchte, berief. T. stand hier, soweit das in jenen unruhigen Zeiten nur möglich war, in einem gesegneten Wirkungskreise als Professor der Theologie bis zum Jahre 1631, wo er nach Heidelberg zurückkehrte und bis zu seinem Tode als Mitglied des kurpfälzischen Kirchenrathes thätig war.

Es ist keine sehr große Anzahl von Schriften, welche T. zum Verfasser haben. Aber was er geschrieben, ist werthvoll, theilweise noch für unsere Zeit, mit Ausnahme der polemischen Schriften. Vor allem ist seine oben erwähnte lateinische Biographie seines Vaters zu nennen, sodann sein Bibelwerk, welches er im J. 1617 zu Heidelberg in Folio herausgab. Dasselbe gibt die Version Luther’s mit trefflichen Erklärungen des Herausgebers und wörtlicher Uebersetzung aller Stellen, die Luther nicht richtig übersetzt hat. Dieses Werk erfreute sich unter den Reformirten Deutschlands lange einer großen Beliebtheit, wie die vielen Auflagen beweisen, welche es erlebt hat. In den Baseler Editionen erschien es vermehrt mit Zusätzen aus den Anmerkungen des Deodati und der holländischen Staatenbibel. Auch in Marburg und Frankfurt wurde es wieder aufgelegt. Die letzte Ausgabe war die von dem preußischen Hofprediger Hermann Pförtner zu Minden im J. 1716 daselbst veranstaltete. Auch durch sonstige Werke förderte T. das Bibelstudium, wie durch seinen „Syllabus dictionum hebraicarum quae universo sepher tehillim continentur“ (Basil. 1615), sowie einen Index zu dem lateinischen Bibelwerke des Tremellius und Junius. Auch sein 1624 zu Hanau erschienener „Index locorum communium et propriorum nominum in totis Bibliis“ [475] ist hierher zu rechnen. Die classische Philologie hat er gefördert durch seine „Phraseologia Terentiana“ (Oppenh. 1613). Besonderen Dank schuldet ihm aber die Nachwelt, daß er den vortrefflichen handschriftlichen Nachlaß seines Vaters veröffentlicht hat.

Pfälzisches Memorabile XIV. – La france protestante. – Revius, Daventria illustrata. – Zeitschrift f. Geschichte des Oberrheins. N. Folge. IV, 3. – Festschrift zur Feier des 200jährigen Jubil. des Gymnas. zu Hanau von Dr. Piderit. Hanau 1865. – Geschichtsblätter des deutschen Hugenotten-Vereins. Zehnt III, Heft 3. – Cuno, Franc. Junius.
Cuno.