ADB:Traut, Wolf

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Artikel „Traut, Wolf“ von Paul Johannes Rée in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 515–516, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Traut,_Wolf&oldid=- (Version vom 23. Februar 2020, 11:54 Uhr UTC)
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Traut: Wolf T., Maler und Zeichner für den Holzschnitt in Nürnberg, geboren um 1490, † 1520, Sohn des Malers Hans T., der vielleicht identisch ist mit einem Hans von Speier, da mehrfach erwähnt ist, daß die Trauts aus Speier stammen. Der 1407 und 1438 in den Bürgerverzeichnissen Nürnbergs aufgeführte Hans von Speier war vielleicht der Großvater des Wolf T. Der Vater, der 1488 erblindet sein soll und nach 1505 gestorben ist, wird 1477 und 1489 in den Bürgerbüchern genannt. Ferner wissen wir von ihm, daß er im Verein mit Hans Beuerlein das Augustinerkloster mit Fresken ausstattete „und darin viel erbare Herren conterfeyet“. Die Erlanger Universitätsbibliothek besitzt von ihm eine aus Dürer’s Besitz stammende Handzeichnung eines heil. Sebastian mit einem Vermerk von Dürer’s Hand „Dz hatt Hans Trawt zw Nornmerhkg gemacht“.

Das Geburtsjahr des Wolf T. steht nicht urkundlich fest, doch wird berichtet, daß er mit Hermann Vischer, dem ältesten Sohn Peter Vischer’s, eng befreundet war „als wären sie Brüder gewesen“. Das läßt auf Gleichaltrigkeit der beiden schließen und macht es wahrscheinlich, daß die Geburt des Meisters in die Zeit um 1490 fiel. Ueber seine künstlerische Erziehung ist nichts bekannt, seine künstlerische Art, die in Formen- und Farbengebung Alterthümliches mit Neuem verbindet und bei deutscher Grundlage leise italienisirende Anklänge zeigt, läßt vermuthen, daß er bei Wolgemut lernte und dann den Einfluß Dürer’s und Hans von Kulmbach’s erfahren hat. Als Maler lernen wir ihn nur aus einem Altarwerk kennen, das, mit seinem Monogramm (ein aus der Mitte des W aufsteigendes T) und der Jahreszahl 1514 versehen, aus der Kirche von Artelshofen bei Hersbruck in das Münchener Nationalmuseum gelangt ist. Es zeigt im Mittelfelde die heilige Sippe und auf den festen und beweglichen Flügeln Gestalten von Heiligen und ist aller Wahrscheinlichkeit nach identisch mit dem von Neudörfer erwähnten Altar, den Cunz Horn für die von ihm erbaute St. Annacapelle bei der Lorenzkirche von T. ausführen ließ. Zwar gibt Neudörfer für die Entstehung dieses Altarwerkes das Jahr 1502 an, doch ist, abgesehen davon, daß T. damals etwa 12 Jahr alt war, diese Angabe deshalb als irrige zu betrachten, weil die St. Annacapelle erst 1511 erbaut worden ist. – Ein 1512 für die Familie Murr ausgeführtes Epitaph mit der Darstellung des jüngsten Gerichtes in der Jakobskirche in Nürnberg ist durch mehrfache Uebermalung verdorben. Als Zeichner für den Holzschnitt war er für die Illustration verschiedener Druckwerke thätig. Um 1512 illustrirte er mit 54, z. Th. mit 1511 und 1512 bezeichneten Holzschnitten die 1512 bei Hieronymus Hölzel in Nürnberg gedruckte „Legend des heyligen Vatters Francisci“. Aus dem Jahre 1512 stammt der, vier einen Garten pflegende junge Mädchen darstellende Titelholzschnitt von Strabi Fuldensis Monachi … hortulus nuper apud Heluetios in S. Galli monasterio repertus (gedr. in Nürnberg bei Joh. Weyssenburger). 1514 stattete er das von Jodocus Gutknecht in Nürnberg gedruckte Missale Pataviense mit zwei Holzschnitten: St. Stephanus zwischen zwei Bischöfen und Christus am Kreuze zwischen Maria und Johannes sowie mit großen und kleinen Initialen aus. Einen Holzschnitt mit dem Abschiede Christi von seiner Mutter schuf er 1516, einen andern mit der Darstellung des heiligen Augustinus im Gespräche mit einem Kinde, das sich bemüht, mit einem Löffel das Meer auszuschöpfen, im Jahre 1518 und in den Jahren 1518–1520 war er für die Illustration des 1520 erschienenen Hallischen Heiligthumsbuches thätig, dessen 86 Holzschnitte ihn als gewandten Figuren- und Ornamentenzeichner kennzeichnen. [516] Auf dem Sockel der Petrusstatuette (S. 27 der Hirth’schen Neuausgabe des Heiligthumsbuches vom Jahre 1889 als XIII. Bändchen des Liebhaberbibliothek) befindet sich sein Monogramm.

Joh. Neudörfer, Nachrichten von Künstlern etc. 1547 herausgegeben von Lochner 1875. – R. Stiaßny, Zwei neue Altdeutsche. Allgem. Kunstchronik Wien, XI. Bd. 1887, S. 815 ff. – Georg Hagen, Wolf Traut und der Artelshofer Altar. Kunstchronik, Leipzig 1889, S. 579 ff. – Wilhelm Schmidt, Wolf Traut. Repertorium f. Kunstwissensch. XII, 1889, S. 300 ff. – Henry Thode, Die Malerschule von Nürnberg im XIV. und XV. Jahrhundert. 1891.