ADB:Treuer, Gottlieb Samuel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Treuer, Gottlieb Samuel“ von Paul Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 582–583, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Treuer,_Gottlieb_Samuel&oldid=- (Version vom 3. April 2020, 17:29 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Treuer, Wilhelm
Band 38 (1894), S. 582–583 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gottlieb Samuel Treuer in der Wikipedia
GND-Nummer 117415871
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|38|582|583|Treuer, Gottlieb Samuel|Paul Zimmermann|ADB:Treuer, Gottlieb Samuel}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117415871}}    

Treuer: Gottlieb Samuel T., Historiker und Jurist, wurde am 24. December 1683 in Jakobsdorf bei Frankfurt a. O. geboren, wo sein Vater Gottlieb T. das Amt eines Predigers versah; seine Mutter Barbara Sabina war die Tochter eines Predigers Balthasar Lampertus und in erster Ehe an Treuer’s Vorgänger in Jakobsdorf, Pastor Höhne, verheirathet gewesen; sie starb am 6. December 1708. Der Vater kam 1687 als Domprediger nach Magdeburg, wo der Sohn zuerst die Schule besuchte, und später (1. Januar 1707) als Oberhofprediger nach Wolfenbüttel, wo er am 29. October 1729 gestorben ist. Im J. 1700 bezog T. die Universität Leipzig, wo er anfangs neben der Weltweisheit Theologie, dann die Rechte studirte. Schon im ersten Jahre seines Studiums wurde er Baccalaureus, 1702 Magister und 1707 Assessor der philosophischen Facultät. Noch in demselben Jahre wurde er als Professor an die Ritterakademie in Wolfenbüttel berufen, wo er Gottesgelehrtheit, Philosophie und Geschichte vortrug und sich durch seine Beredtsamkeit, zumal bei dem Herzoge Anton Ulrich äußerst beliebt machte. Im April 1712 empfahl ihn daher die Wolfenbüttler Regierung der hannoverschen wegen seiner Gelehrsamkeit und seines Lehrtalents zu einer Helmstedter Professur. Im Jahre darauf machte er mit einem jungen Herrn v. Wersebe eine Reise durch Holland und Frankreich, und unterm 20. November 1713 wurde er dann zum Professor in Helmstedt ernannt; Anfang 1714 trat er seine neue Stellung an. Er bekam die Lehrfächer der Moral und der Politik, ersteres an F. A. Hackmann’s, letzteres an J. Chr. Böhmer’s Stelle. Er mußte hier die Politik nach Aristoteles, außerdem ius naturale et gentium nach Grotius, Pufendorf und Conring und naturam et constitutionem Reipublicae seu imperii Romano Germanici vortragen. 1723 bewarb er sich auch um die Professur der Beredtsamkeit, doch wurde er hiermit abgewiesen, da man fürchtete, daß er sich zu sehr zersplittern würde. Trotzdem erhielt er unterm 1. September 1728 nach Polycarp Leyser’s Tode († 7. April 1728) die Professur der Geschichte, wofür er jedoch das Lehrfach des ius publicum abtreten mußte, das zwischen der philosophischen und juristischen Facultät schwankte und ihm schon mit dem Professor jur. Goebel Weiterungen zugezogen hatte. Sein Ruf als Lehrer wie als Gelehrter war so bedeutend, daß ihm 1730 von Halle und von Wittenberg aus ehrenvolle Anerbietungen gemacht wurden. Um ihn in Helmstedt, wo man seine Thätigkeit sehr schätzte, zu halten, wurde ihm jetzt am 29. December 1730 unter Beibehaltung seiner philosophischen Professur auch ein Sitz in der juristischen Facultät gegeben und die professio iuris publici wieder übertragen; am 31. Januar 1731 erhielt er die juristische Doctorwürde und unterm 18. November 1731 den Hofrathstitel. Als bald darauf die Universität Göttingen gegründet wurde, gewann ihn die hannoversche Regierung für die neue Hochschule. Ungern wurde ihm unterm 24. Juli 1734 für Helmstedt der Abschied ertheilt; Michaelis des Jahres traf er in Göttingen ein. Er wurde hier wieder Professor des Staatsrechts, der Moral und der Politik und gehörte als solcher auch wieder der juristischen und philosophischen Facultät an. Nach Professor Brunnquell’s Tode († am 21. Mai 1735) leitete er die Angelegenheiten der Universität als königlicher Commissar. Bei der feierlichen Eröffnung der Hochschule im J. 1737 war er Decan der philosophischen Facultät, deren Statuten von ihm entworfen waren. Die erste Disputation, die in Göttingen gehalten wurde, geschah unter seinem Vorsitze. Er wirkte als beliebter Lehrer bis zu seinem Tode, der am 25. Februar 1743 erfolgte; in der Universitätskirche wurde er beerdigt. Es hieß, daß mit ihm die „hohe Schule einer ihrer größten Zierden beraubt worden sei“. Geßner hielt ihm eine Gedächtnißrede. Wie seine Gelehrsamkeit, so wurde auch sein Charakter und seine Lebensführung gerühmt, sein munteres, freundliches, leutseliges Wesen. Letzteres [583] kam auch in dem Spruche Seneca’s zum Ausdrucke, den er als Stammbuchvers einzuschreiben liebte: Hoc ante omnia fac, disce gaudere. Er war Mitglied der Berliner Societät der Wissenschaften und der Göttinger Deutschen Gesellschaft. Seine wissenschaftliche Thätigkeit ist sehr vielseitig, die Zahl seiner Schriften, die sich in den Göttinger Zeitungen von gelehrten Sachen, 1743, S. 180–84 und an den unten angegebenen Stellen verzeichnet finden, sehr bedeutend. Sie behandeln verschiedene Gebiete der Jurisprudenz und der Geschichte, aber auch Philosophie und Theologie; ein großer Theil sind Gelegenheitsschriften. Bleibenden Werth hat vor allem seine gründliche, aber schwerfällige „Geschlechts-Historie der von Münchhausen“ (Göttingen 1741) behauptet. Von seinem „Thesaurus antiquitatum Germanicarum“, an dem er lange Jahre mit großem Fleiße gesammelt hatte, stand bei seinem Tode die Drucklegung des ersten Bandes bevor; sie ist in der Folge nun ganz unterblieben. Schon 1730 hatte er durch die „Delineatio Thesauri ant. Germ.“ auf das Werk hingewiesen. Wie er erst in Helmstedt von 1722–1728 15 Semester hindurch „Annales Academiae Juliae“ herausgegeben hatte, so hat er später von 1741 bis zu seinem Tode auch die „Göttinger Gelehrten Zeitungen“ redigirt. – Verheirathet war T. seit 1715 mit Sophie Luise Griesebach, einer Tochter des Amtmanns Paul Heinrich Griesebach in Friedland. Ihn überlebten zwei Söhne und eine Tochter, die wenige Wochen nach des Vaters Tode gestorben ist.

Vgl. Gesneri biographia acad. Gotting. Vol. I, S. 93–113. – Schmersahl, Nachrichten von jüngstverstorb. Gelehrten II, 703–33, wo sich auch die ältere Litteratur über ihn verzeichnet findet. – Pütter, Vers. e. akad. Gel.-Geschichte Gött. I, 47 ff. – (Hollmann), Fragment e. Gesch. d. Univers. Gött. (Gött. 1787.) – Rößler, Gründung d. Univers. Gött. (Gött. 1855.) – Herzogl. Landeshauptarchiv in Wolfenbüttel.