ADB:Ueltzen, Hermann Wilhelm Franz

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Artikel „Ueltzen, Hermann Wilhelm Franz“ von Heinrich Pröhle in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 271–272, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ueltzen,_Hermann_Wilhelm_Franz&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 08:43 Uhr UTC)
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Ueltzen: Hermann Wilhelm Franz U., geboren zu Celle am 29. Septbr. 1759, † am 5. (nicht 8.) April 1808. Seine Vorbildung erhielt er auf der Lateinschule seiner Vaterstadt. Als Sohn eines wenig bemittelten Proviantverwalters zog er mit der Currende umher. Schon unter den Currendanern erwarb er sich durch seine Improvisationen den Ruhm eines witzigen und poetischen Kopfes und erregte durch seine raschen Fortschritte die Aufmerksamkeit des Generalsuperintendenten Joh. Friedr. Jacobi (s. A. D. B. XIII, 586), der ihm hebräischen Unterricht ertheilte und auf der Schule wie nachmals auf der Universität zu Göttingen, wohin er 1777 ging, Stipendien verschaffte. In Göttingen hörte er besonders Heine, Feder, Miller, Walch u. a. Nachdem er seine Studien 1780 beendet hatte, lebte er 21/2 Jahre als Hauslehrer in Bremen, wo er Mitglied der „Teutschen Gesellschaft“ wurde. Hier hielt er auch die poetische Vorlesung „Die Anbetung Gottes“, gedruckt 1782. Ostern 1783 ging er als Hauslehrer nach Oldenburg, wo er sich sowohl durch seine damals schon verbreiteten Dichtungen als durch seine Improvisationen und seine gesellige Feinheit die Herzen so sehr gewann, daß er, ihm selbst überraschend, zum Erzieher der Prinzen Peter und Paul gewählt ward. Unglücklicherweise hatte er aber gerade Tags vorher wegen eines „eigenthümlichen Umstandes“ (die Sache ist unaufgeklärt) Oldenburg verlassen, jedenfalls nicht vor dem 10. Juni 1787. Er ging zunächst nach Bremen, bestand dann im October 1788 das hannoversche Amtsexamen, wurde am 6. December dort ordinirt und in Loccum als Hospes verwandt, erhielt aber schon 1789 die ihm vom Legationsrath v. Spörcken schon früher in Aussicht gestellte Pfarre in Langlingen bei Celle. Hier verheirathete er sich 1790 mit Wilhelmine Meene aus Bremen, wo er von Patron und Gemeinde hoch geschätzt bis zu seinem frühen Tode wirkte, den er sich durch eine falsche Dosis selbst verordneter Medicin zuzog. Schon in Göttingen trat er mit der Schrift „Ueber Briefe überhaupt und über Briefstil insbesondere“ an die Oeffentlichkeit, schrieb auch für die „Göttingischen Nebenstunden“. Zwölf Predigten wurden 1783 gedruckt. Von Oldenburg aus lieferte er Beiträge zum Dieterichschen Musenalmanach, zum „Deutschen Museum“, dessen Herausgeber Boie er vielleicht in Göttingen kennen gelernt hatte, zu den „Blättern vermischten Inhalts“ und zu dem Bremenser „Taschenbuch für Jünglinge“. Unter seinen Beiträgen zum Musenalmanach befindet sich das Lied, welches besonders volksthümlich geworden und als „Jean Pauls Lieblingslied“ bekannt ist. Es ist das „Ihr“ überschriebene Lied „Namen nennen Dich nicht“, welches zuerst anonym gedruckt, von den Zeitgenossen bald einem Medicinalrath in Trier, bald Klopstock und selbst Jean Paul zugeschrieben wurde. Auch ein zweites Liedchen ward sehr bekannt, das Lied von der Ruhe, welches ebenfalls schon der Oldenburger Zeit angehören dürfte. Es wurde von Daniel Gerstenberg, von Winter und sogar von Beethoven (Opus 32, Nr. 3[WS 1]) componirt. Die umfangreiche Sammlung seiner Gedichte erschien 1795 und 1796 auf Subscription, der Frau v. Spörcken gewidmet. [272] Der Inhalt der Sammlung fordert bald zum Vergleich mit Miller, bald mit Schiller und Tiedge heraus. Einige Lieder sind auf die Melodien bekannter Kirchenlieder gedichtet, nicht schlechter als manche andere, die damals in der Klopstockschen Periode Eingang in die Gesangbücher fanden. Ein religiöser Zug geht durch die ganze Sammlung, findet aber nur in „Namen nennen Dich nicht“ einen plastischen und im Liedchen von der Ruhe einen ergreifenden Ausdruck. – Als Geistlicher huldigte U. einer freieren Richtung. 1791 richtete er abwechselnd mit der bis dahin üblichen Privatbeichte alle vier Wochen eine allgemeine Beichte ein. 1807 erschienen noch die Mannigfaltigkeiten von B. Beneke und U. Der Mitherausgeber war wol derselbe, der früher den „Philosophen in der Lüneburger Heide“ geschrieben hatte. Jacobi bezeichnete U. und Beneke als die größten Kanzelredner von Kur-Hannover.

Kurze Selbstbiographie, den auf der Pfarre zu Langlingen von Ueltzen niedergelegten Nachrichten über seinen Amtsvorgänger angehängt. Vgl. H. v. F. volksthümliche Lieder, 2. Aufl. S. 107 und 86.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Druckfehler, gemeint ist op. 52 Nr. 3