ADB:Ulrich III. von Nußdorf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Ulrich von Nußdorf, Bischof von Passau“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 231–233, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ulrich_III._von_Nu%C3%9Fdorf&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2020, 23:32 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 39 (1895), S. 231–233 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Ulrich von Nußdorf in der Wikipedia
GND-Nummer 137656890
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|39|231|233|Ulrich von Nußdorf, Bischof von Passau|Franz von Krones|ADB:Ulrich III. von Nußdorf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=137656890}}    

Ulrich von Nußdorf, Bischof von Passau (1452–1480). Im J. 1451 starb der Passauer Bischof Leonhard und das Domcapitel beeilte sich den Doctor beider Rechte U. v. N. zu seinem Nachfolger zu erwählen. Gegen diese Wahl erklärte sich jedoch Kaiser Friedrich III. im Einvernehmen mit dem römischen Stuhle, während für den Erwählten das Domcapitel, das Land Oesterreich als Passauer Sprengelgebiet und der bairische Hof eintraten. Und so währte es an fünf Jahre, bevor Kaiser und Papst den Erwählten bestätigten. Dann aber zeigt sich Bischof U. in der wachsenden Gnade beim Kaiser und spielt seit 1460 [232] eine hervorragende Rolle in den österreichischen Wirren und in den verwickelten Angelegenheiten Deutschlands. Als Bischof U. in der Fehde des unbotmäßigen Gerh. Fronauer mit dem Kaiser um die Burgherrschaft Ort zum Schiedsmann erkoren wurde und Fronauer dem auch vom Bischofe gefällten Schiedspruche sich fügen sollte, vergalt er dies mit dem Ueberfalle der Passauer Besitzung Trübensee an der Donau und mit der Plünderung anderer bischöflicher Güter. Als dann in Oesterreich 1461 angesichts des habsburgischen Bruderzwistes der Abfall vom Kaiser um sich griff, stellten sich Jene, welche nicht Partei nehmen wollten, gewissermaßen als Neutrale, unter den Schutz des Bischofs. Bei den Friedensverhandlungen des Jahres 1463 waren neben den bairischen Herzogen auch die Bischöfe von Passau und Freising thätig. Besonders zeigt sich dies am Tulner Tage, als der päpstliche Legat vermittelte und Amnestie für alle Jene ausbedungen wurde, die sich 1461 unter den Schutz Bischof Ulrich’s gestellt hatten. Auch in dem Tiroler Kirchenstreite Herzog Sigismund’s mit dem Brixner Bischof Nikolaus Chreffz von Kues (Cusanus) war B. U. als Mann des Friedens thätig. Als nämlich den 26. Juli 1461 die Vermittler, und zwar der Cardinalbischof Peter von Augsburg, sein Decan Leonhard Goßler und Herzog Ludwig von Baiern sich in Landshut einfanden, erschien an Stelle des vom Papste Pius II. begehrten Bischofs Johann III. von Eichstädt, U. v. P., der dem Cardinalbischof willkommener war, da man ihn als Vertrauensmann Herzog Ludwig’s vorzog und auf gutem Fuße mit Herzog Sigismund von Tirol wußte. Ueberdies galt er als eine milde, kluge und weltläufige Persönlichkeit. Aber die von den hier Versammelten den Anwälten des Tiroler Herzogs vorgelegten Friedensbedingungen des Papstes wurden als unannehmbar abgelehnt, und so kam es vorläufig zu einem Compromisse und zur Bestellung eines Schiedsgerichtes, dem auch Bischof U. zugewiesen erscheint.

Bei der Huldigung der Wiener an den Kaiser 1464, finden wir unsern Bischof U. als Vollmachtsträger Friedrich’s III. bestellt und weiterhin als „Kanzler“ verwendet, 1467 (Nov.) schloß am Regensburger Tage Kaiser Friedrich eine engere Verbindung mit dem Bischof U. v. P. und seinen Amtsbrüdern, den von Regensburg und Freising, der auch schwäbisch-bairische Reichsstädte beigezogen wurden. Als dann der Krieg mit dem „hussitischen“ Böhmen ausbrach, sehen wir 1469 die Besitzungen der Passauer Kirche von böhmischen Streifscharen heimgesucht. Anderseits erscheint der Bischof in jenem Bündniß, welches Herzog Ludwig der Reiche von Baiern 1475 zur Sicherung seiner Stellung veranlaßte und eine Annäherung an den Kaiser bezweckte. Jedoch tritt U. jetzt immer mehr in den Hintergrund, und seine Thätigkeit als Kirchenfürst verknüpft sich 1477 mit der letzten großen Judenverfolgung im altbairischen Land. Man bezichtigte die Passauer Juden, sie hätten von einem gewissen Christian Eißgreißhamer, einem Christen 8 Stück Hostien erkauft, von denen sie zu gottschänderischen Zwecken zwei nach Prag, zwei nach Salzburg und ebenso viele nach W. Neustadt ihren Glaubensgenossen schickten, die übrigen zwei jedoch zurückbehielten, durchstachen, so daß Blut aus dem Leibe des Herrn tropfte, und hierauf, unter neuen Wundererscheinungen verbrannten. Nach Einvernehmen von Zeugen, ehemaligen, Christen gewordenen, Juden und Anwendung der Folter bei den Beschuldigten, verurtheilte das bischöfliche Gericht die „Hauptschuldigen“ zu qualvollem Tode, und alle Juden, vierzig Familien ausgenommen, die sich taufen ließen, wurden von Bischof U. aus Passau verbannt. – Letzterer starb 1480 am 2. September.

Erhard, Geschichte von Passau I. Bd. – Bachmann, Deutsche Reichsgeschichte im Zeitalter Kaiser Friedrich’s III. u. Max I., 1. u. 2. Bd. – [233] Riezler, Geschichte Baierns, III. Bd. – Alb. Jäger, der Streit des Cardinals Nicolaus v. Cusa mit dem Herzoge Sigmund von Oesterreich, II. Bd.