ADB:Waldmüller, Georg Ferdinand

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Artikel „Waldmüller, Georg Ferdinand“ von Theodor Frimmel von Traisenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 716–720, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Waldm%C3%BCller,_Georg_Ferdinand&oldid=- (Version vom 23. August 2019, 18:25 Uhr UTC)
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Waldmüller: Georg Ferdinand W., Maler. Geboren am 14. oder 15. Januar 1793 zu Wien als Sohn wenig bemittelter Wirthsleute. Seine Mutter wollte ihn dem geistlichen Stande zuführen, was jedoch seinen künstlerischen Neigungen nicht entsprach. W. erzählt selbst: „Als ich noch Knabe war, äußerte sich in mir schon die Liebe zur Kunst, und obschon verworren und unklar, wie die Begriffe sich in so zartem Alter gestalten, schwebte mir als Ideal meiner Bestimmung eine Wirksamkeit in diesen Kreisen in den glänzendsten Farbenspielen einer jugendlichen Einbildungskraft vor.“ Jede freie Stunde während der drei Jahre, die er in den „Grammatikalklassen“ (bei den Piaristen in Wien) zubrachte, benützte er zum Zeichnen. An den Ferialtagen wurde die private Zeichenschule beim Blumenmaler Zintler besucht und das mit bestem Erfolg. Nun wollte er an die Akademie. Aber der Widerstand der Mutter ging so weit, daß dem Knaben der Lebensunterhalt entzogen wurde, um ihn zu nöthigen, den betretenen Künstlerweg zu verlassen. „Entschlossen, mit jeder Entbehrung, mit jedem Opfer auf dem Pfade der Kunst vorwärts zu schreiten, vertauschte ich das Gymnasium mit der Akademie“. Anfangs war freilich der Erwerb, der fürs Coloriren von Zuckerwerk verdient wurde, für den jungen Akademiker ein sehr geringer. Die raschen Fortschritte an der Kunstschule und der Erlös von Miniaturbildnissen halfen indeß bald weiter. Freunde riethen an, zum Landtage nach Preßburg zu gehen, wo es an Aufträgen nicht fehlen würde. W. befolgte den Rath. Er malte in Preßburg mehrere Miniaturporträte, welche Beifall fanden, ward mit dem Ban von Kroatien, Grafen Gyulai bekannt und erhielt von demselben den Antrag, als Zeichenmeister seiner Kinder bei ihm einzutreten. W., dessen eigene Erzählung [717] hier benützt wird, kam auf diese Weise als Zeichenlehrer nach Agram, das für ihn trotz des gänzlichen Mangels an künstlerischer Anregung bedeutungsvoll wurde, viel weniger für seine Kunst, als für seinen äußeren Lebensweg. Denn die Decorationsmalerei, zu der W. in Agram herangezogen wurde, widersprach eher der Richtung des Künstlers, die von vornherein eine saubere Durchbildung bis ins kleinste anstrebte, ganz entschieden und hat ihn wohl kaum wesentlich gefördert. Seine Verheirathung aber in Agram mit der Sängerin Katharina Weidner (geb. 1794, † 1850) war ein sehr folgenschwerer Schritt. Der Beruf seiner Frau zwang W. zu oftmaligem Ortswechsel, und da es zunächst nicht gelang, in Wien Posten zu fassen, wurde W. durch die Verbindung mit der Sängerin jahrelang von der Hauptstadt fern gehalten, von der er sich das Heil in der Malerei versprach. Zunächst fand die Weidner-Waldmüller nur Engagements in den Provinzstädten, unter anderen auch in Brünn, wo dem Künstlerpaare 1816 ein Sohn geboren wurde. Ferdinand W., der sich späterhin als Pianist einen Namen machte und schon in früher Jugend unter der Anleitung des Vaters malen lernte. Man kennt von seiner Hand Bildnisse, die in der Art der frühen Bilder des älteren W. gehalten sind. Die Ehe mit der Sängerin war jedoch keine glückliche, „da sie durchaus nicht harmonisch war“, wie der Künstler selbst sich darüber äußerte. Als ein Engagement in Wien erreicht war, lebten die Eheleute zwar noch einige Zeit zusammen (bis mindestens 1822 oder 1823), später aber ging jeder Theil seine eigenen Wege. Von den mancherlei Verbindungen, die W. nun anküpfte, führte die mit Anna Bayer zu einer zweiten Ehe, die nach dem Tode der ersten Frau geschlossen wurde. Das Engagement seiner ersten Gemahlin in der Residenz war für W. von Wichtigkeit: er hatte ja in seiner Kunst so ziemlich noch Alles zu lernen. In Wien strebte der Künstler, sich zunächst dadurch zu vervollkommnen, daß er nach alten Meistern copirte. Er copirte gut und fand Beifall und Abnehmer. In der kaiserlichen Galerie wurde unter anderen Ribera’s Christus unter den Schriftgelehrten, in der Esterhazygalerie (seither nach Pest übertragen) Ribera’s Martyrium des heiligen Andreas copirt. Auch in der Dresdener Galerie war W. als Copist thätig. Wie sehr er sich in die Weise älterer Künstler einzuleben vermochte, beweist auch ein Bildchen mit einem Hieronymus in der Höhle, das W. auf Grundlage eines gänzlich verdorbenen Werkes der Utrechter Schule ganz im Geiste der Maler aus der Poelenburggruppe ergänzte und vollendete (Sammlung Kropf Strache in Dornbach). Waldmüller’s Copien nach Ruisdael sind vorzüglich. In seinen reifen Jahren war W. gegen jene Copistenthätigkeit seiner Jugend ungerecht. Kaum, daß er es eingestand, wie sie ihn zu einem gewandten Techniker gemacht habe. Seinen Schülern widerrieth er das Nachbilden alter Meister entschieden. Er war, etwa in der Zeit zwischen 1819 und 1831 nach und nach zur Erkenntniß gelangt, daß ein gewissenhaftes Studium der Natur für den bildenden Künstler von weit größerer Bedeutung ist, als das Nachahmen dessen, was Andere gemacht haben. Man kennt datirte Landschaftsstudien und Bildnisse aus der angedeuteten Periode, die einen beginnenden Naturalismus und eine stets wachsende Technik erkennen lassen. Zu den frühesten erhaltenen selbständigen Arbeiten gehört ein kleines Holzbild: „Gmunden mit dem Traunsee“ von 1819, das ehedem in der berühmten Galerie Gsell zu finden war, ferner ein kleines Bildniß einer alten Dame aus dem Jahre 1822 (kaiserliche Galerie). Beides Oelbilder. In den Aquarellen seiner Frühzeit erkennt man ebenfalls den gewissenhaften, hochbegabten, aber noch unfreien tüftelnden Künstler. Das sittenbildartig aufgefaßte Porträt eines jungen dunkelblonden Mädchens, neben dem zwei Kinder mit einem Lamme spielen, aus dem Jahre 1823, im Besitz des Erzherzogs Karl Ludwig, gibt hiefür ein gutes Beispiel. Den zukünftigen Genremaler verräth auch ein liebevoll durchgebildetes [718] kleines Oelbild aus demselben Jahre, das einen „Arbeiter mit seinem Sohne beim Abendbrot“ darstellt (Auction Krzisch). Als Bildnißmaler hatte W. schon damals einen gewissen Ruf. Er malte das Bildnis des Leipziger Buchhändlers Gottfried Härtel und um dieselbe Zeit das des großen Beethoven (beide im Besitze des Hauses Breitkopf und Härtel in Leipzig).

In die große Oeffentlichkeit trat W. erst 1824. Damals stellte er einen „Tabakpfeifenhändler im Caffeehause“ in Wien aus, der nach einer Stimme in Hormayr’s Archiv von 1824, „dem Besten seiner Art an die Seite zu setzen“ war. 1825 (nach Hormayr’s Arch. v. 1828) fällt eine Reise Waldmüller’s nach Italien, vermuthlich die erste unter den vielen, die er überhaupt unternommen hat. Sie führte den Künstler bis Rom und zweifellos auch nach Venedig, wie ein datirtes Bildchen von 1826 aus der Lagunenstadt beweist (Obstverkäufer. Auction Terzer. Wien). In Rom scheint W. schon damals die Farnesinafresken copirt zu haben. Die unendlich sorgsam durchgeführten Copien, die sich bei Eugen Felix in Wien erhalten haben, verrathen wenigstens den frühen Stil unseres Künstlers. 1826 war W. in Dresden, wo er nach Ruisdael und Correggio copirte. Im folgenden Jahre beschäftigten ihn in Wien einige Bildnisse für den Hof und Apothekerschilde. 1829 begegnen wir W. schon wieder in Italien, wo er nun in der freien Natur Studien malte. Ein Oelgemälde mit den antiken Theaterresten von Taormina (Wien, Samml. J. M. Kohn, neuestens b. Fürst Liechtenstein) zeigt schon bewußten klaren Naturalismus, der nunmehr immer mächtiger Waldmüller’s Kunstschaffen beherrschte und besonders in den zahlreichen Studien aus den Bergen des Salzkammergutes und der Wiener Voralpen hervortritt. Diese Gegenden waren es vorzüglich, in denen wir uns den Künstler im Freien malend vorzustellen haben. Dort auch fand er die meisten Vorbilder für seine ungezählten Sittenbilder, die sich so oft mit den Leiden und Freuden des österreichischen Bauernstandes beschäftigt haben. Zwischendurch malte W. noch immer Porträte (damals war er nur als Bildnißmaler bekannt), auch solche für den österreichischen Hof und den Hochadel. 1830 hatte man unseren Künstler zum ersten Custos an der Gemäldesammlung der Wiener Akademie gemacht, unglücklicher Weise zu einer Zeit, als er den Werth guter alter Vorbilder schon zu unterschätzen anfing. Das Restauriren der Gemälde überließ er (nach Eitelberger’s Mittheilung) jungen Akademikern, und alles Copiren widerstrebte ihm. Der so mühsam errungene eigene Stil, den er sich durchs Naturstudium erworben hatte, machte ihn stolz und einseitig. Doch folgte er seinen Ueberzeugungen einstweilen noch ohne sonderliche Schrullen, und 1833 wurde er Professor, 1835 gar „ordentlicher akademischer Rath“ an der Wiener Akademie, nachdem einige seiner Sittenbilder, z. B. „der erste Schritt“ und einige gelungene Bildnisse in den weitesten Kreisen Aufsehen erregt hatten. In der nun folgenden Periode seines Schaffens entstanden ganze Reihen von fein empfundenen unendlich gemüthvollen Bildern, die man vielleicht nur dann ganz versteht und würdigt, wenn man gute Menschen, deren Blüthezeit in den Wiener Vormärz fällt, kennen gelernt hat. Wer nach dem modernen Denken und Fühlen urtheilt, wird leicht eine falsche Sentimentalität in Waldmüller’s Bildern entdecken wollen, die aber thatsächlich ihnen nicht zur Last gelegt werden darf. Es sind wahre Ausdrücke für das Gefühlsleben der Landleute, auch wenn uns heute einzelne Modelle allzu sauber gewaschen erscheinen mögen. W. ist eine Art Berthold Auerbach, ein Rosegger der Malerei, ein feiner Beobachter der Kinderseele und der Sitten des Landvolkes, sowie der freien Natur. Viele der Waldmüllerschen Sittenbilder sind in den weitesten Kreisen bekannt worden, sei es durch graphische Nachbildungen, sei es durch Wiederholungen von der Hand des Künstlers selbst. Der Wiener „Verein zur Beförderung der bildenden Künste“ ließ sogleich für seine erste Verloosung (1832) ein Waldmüller’sches Gemälde stechen und hat auch weiterhin mehrere Bilder Waldmüller’s für Prämienblätter [719] nachbilden lassen. Zahlreiche Sammler bewarben sich um die Werke des Künstlers, so daß er viele seiner beliebtesten Gegenstände mehrmals zur Darstellung brachte, bald mit derselben Composition, bald in ganz neuer oder wesentlich abgeänderter Anordnung, so „das überraschte Liebespaar“ (1837, 1846, 1850, 1857), „den Bettelknaben“, „die Christbescheerung“, „das Nicolausfest“, „die Aufnahme des Binderlehrlings“ und viele andere. Nicht wenige seiner Bilder aus der besten Zeit sind in öffentliche Sammlungen übergegangen; ich nenne: „die Schulkinder nach der Prämienvertheilung“ (ein Bild, das aus der Wagener’schen Sammlung in die Nationalgalerie nach Berlin gekommen ist), „das Christfest der Bauernfamilie“ von 1844 (kam aus der Sammlung Oetzelt in die Wiener Galerie), „das Abendgebet“ von 1846 (ins Provinzialmuseum zu Hannover), die in Nacheiferung Danhauser’s gemalte „Klostersuppe“ in die Galerie der Wiener Akademie. Die „Johannesandacht“ ziert seit kurzer Zeit als Geschenk des Fürsten Liechtenstein das Museum der Stadt Wien. Eins der feinstempfundenen Bilder aus der besten Zeit des Künstlers, vielleicht der Höhepunkt seines Schaffens überhaupt, ist „die Rast im Walde“ von 1843 (bis 1885 in der Sammlung Trenkler in Wien, später in Schwechat bei Frau Kathi Dreher), ein mäßig großes Bild, das ein junges, noch halb kindliches Bauernmädchen darstellt, wie es im Laubwalde ausruht und (so scheint es) dem Gesang eines Vogels lauscht. Landschaft und Figur stehen in feinstem künstlerischen Gleichgewicht. W. hat hier in seiner harten bestimmten Malweise eine ganz verwandte Stimmung zum Ausdruck gebracht, wie sie später Jules Breton mit breitem Pinsel in seinem „chant de l’alouette“ so reizend auszudrücken verstand. W. ist der Millet und Mauve seiner Zeit. Demselben glücklichen Jahre wie „die Rast im Walde“ von 1843 entstammen noch andere treffliche Werke, wie „die Hochzeit in Perchtoldsdorf“ und „das Erwachen zu neuem Leben“, das W. selbst auf den Stein gezeichnet hat. Ins nächste Jahr, 1844, fällt ein anderes Hauptbild, „die Johannesandacht“, das von J. Klaus gestochen ist. Mittendurch wurden auch noch immer Bildnisse und Landschaften gemalt, ab und zu ein Stillleben, selten eine religiöse Darstellung, wie z. B. eine kleine Auferstehung (bis vor kurzem beim Rector Lollok im Pazmaneum zu Wien) und eine große Kreuzabnahme (1877 im Besitze der Frau Ampler in Linz). Mit seinen biblischen Bildern hatte W. wenig Erfolg, wie er denn selbst auch wenig Neigung zu religiösen Gebräuchen hatte. W. war ein Mann von freier Denkungsart, der jede geoffenbarte Religion verschmähte und im Alter, als sich das Bedürfniß einer religiösen Anlehnung einstellte, eine Art Sonnencult betrieb. Im Leben wie in der Kunst war W. eine feste unerschütterliche Natur, nicht gerade nachgiebig, eher ein wenig streitsüchtig. Damit hängt es wohl zusammen, daß er die unleugbaren Mängel des Unterrichtes an der Wiener Akademie sehr scharf kritisirte und die ganze veraltete Anstalt reformiren wollte. Der Entwurf einer Umgestaltung wurde 1846 von ihm den Professoren vorgelegt, aber von diesen zurückgewiesen. Nun ließ er die Schrift „Das Bedürfniß eines zweckmäßigen Unterrichts in der Malerei und plastischen Kunst, angedeutet nach eigenen Erfahrungen“ in Druck erscheinen. Schon 1847 gab er eine zweite Auflage, deren Einleitung auch eine Selbstbiographie Waldmüller’s enthielt. Die Waldmüller’sche Schrift führte zu förmlichen Auftritten in der Wiener Akademie. Auch eine litterarische Fehde mit Eitelberger entwickelte sich, die mit einer umfangreichen Broschüre Eitelberger’s einen vorläufigen Abschluß fand, aber noch lange nachwirkte (1857 erschien eine umfangreiche, wenig gelungene Gegenschrift Waldmüller’s unter dem Titel „Andeutungen zur Belebung der vaterländischen bildenden Kunst“) und schließlich dazu führte, daß W. im J. 1857 pensionirt wurde. Er that nun eine Privatschule auf, in der noch manche Schüler zu tüchtigen Malern herangebildet wurden, u. A. Eugen Felix. Waldmüller’s Ruf hat viele Schüler angezogen, unter denen vielleicht der nachmalige russische Hofmaler Zichy das [720] meiste Aufsehen erregt hat. Mallitsch und Friedrich Friedländer schlossen sich in einigen ihrer frühen Arbeiten enge an Meister W. an. Anton Ebert, Rosalie Amon, W. Koller, Carl Frizzi, Cd. Rietschl, Leopold Löffler haben alle länger oder kürzer Waldmüller’s Unterweisung genossen. Canon war nur ganz kurze Zeit bei ihm. Zweifellos ist durch unseren Künstler eine Zeit lang auch sein Schwager, Jos. Weidner, beeinflußt worden, wenngleich es sicher ist, daß beide nach der Trennung Waldmüller’s von seiner ersten Frau nicht mehr in gutem Einvernehmen gestanden haben. Weidner’s Bilder erhielten bei den Akademieausstellungen, bei denen W. ein großes Wort zu reden hatte, schlechte Plätze. Der Lebensabend Waldmüller’s war kein freudiger. Eine Ausstellung, die er 1856 in Wien veranstaltet hatte, ergab einen geradewegs niederschmetternden Mißerfolg, der durch Erfolge in London nur zum Theil ausgeglichen wurde. Die knappe Pension war zwar durch die Gnade des Monarchen dem greisen Künstler im J. 1864 oder 1865 erhöht worden, aber Kummer und Sorge blleben dennoch nicht aus, so emsig der Künstler auch noch bis in die letzte Stunde den Pinsel führte. Hand und Auge hatten zweifellos nicht mehr die alte Sicherheit, und verzeichnete Figuren gehörten auf den Bildern der letzten Jahre nicht zu den Seltenheiten. Indeß verräth sogar noch eines seiner letzten, vielleicht das letzte, unvollendet gebliebene Bild „Palmsonntag“ den Meister in der Erfindung (Sammlung Baron Klein von Wiesenberg bis 1883). Der Tod ereilte den Künstler bei der Arbeit am 23. August 1865.

W. ist ohne Zweifel die bedeutendste Erscheinung unter den Wiener Malern des Vormärz, ja er gehört unter die kräftigsten Talente der damaligen deutschen Malerei überhaupt. Er ist Vorläufer der modernsten Freilichtmalerei. Nach langen Versuchen durch fortgesetztes Naturstudium war er auf diese Richtung gerathen. Waldmüller’s Sittenbilder beanspruchen nicht nur ein allgemein menschliches Interesse, sondern auch eine culturgeschichtliche Bedeutung ganz abgesehen von ihrem hohen Kunstwerth.

Benützte Quellen: neben den Künstlerlexika, den Nachschlagebüchern für moderne Kunst, zahlreichen Ausstellungskatalogen und Galerieverzeichnissen, Zeitschriften und Zeitungen, hauptsächlich die Mittheilungen von Zeitgenossen, insbesondere von Schülern Waldmüller’s, sowie die Ueberlieferungen, die in den „Graph. Künsten“ Bd. X festgehalten sind.