ADB:Walja

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Artikel „Walja, König der Westgothen“ von Felix Dahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 730–731, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walja&oldid=- (Version vom 14. November 2019, 18:48 Uhr UTC)
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Walja, König der Westgothen, a. 413–419, der Nachfolger des Sigrich (s. A. D. B. XXXIV, 301), der sehr feindlich gegen die Römer in seinem (spanischen) Reich aufgetreten war. W. verbesserte sofort die Behandlung der römischen Kaisertochter Placidia, der Wittwe Athaulf’s (s. A. D. B. I, 630), führte aber die Kämpfe gegen die römischen sowie gegen die vandalischen (asdingischen und silingischen), alanischen und suebischen Besatzungen der Städte fort, von Barcelona westlich an der Südküste Spaniens bis nach Cadix vordringend. Gleichwol nahm er in dem vielumstrittnen Lande den alten Plan Alarich’s I. (s. A. D. B. I, 173) wieder auf, nach Afrika überzusetzen: trennte jetzt doch nur die schmale Meerenge von jenem gepriesenen Kornlande; Stürme und der Mangel an Schiffen brachten ihn davon ab. Als nun aber Constantius, der Feldherr des Kaisers Honorius, seine Absichten auf die Hand von dessen Schwester Placidia erneuerte und mit einem Heere die Pyrenäen überschritt, war W. sehr bereit, seinen Frieden mit dem Kaiser zu machen. Placidia ward nun aus einem Hinderniß der Versöhnung – Constantius hatte sie Athaulf nicht lassen wollen – eine Beförderung des Verständnisses. W. erhielt für ihre Auslieferung 600 000 Scheffel Weizen für sein darbendes, in unstätem Fechten und Umherziehen vom Ackerbau abgehaltenes Volk und übernahm die Verpflichtung, im Dienste des Kaisers die andern in der Halbinsel eingedrungenen Barbaren zu bekämpfen; nun traten die Westgothen in die Stellung von Bundesvölkern, die 412–415 jenen andern Barbaren vom Kaiser eingeräumt worden war; ihre Siege von 416–418 gelten als Siege des Kaisers, W. sendet gefangene Vandalenkönige an Honorius, der sie zu Rom im Triumph aufführt. Gegen die schwächern Nachbarn – Silingen und Alanen – erfocht W. manche Vortheile, auch die stärkeren Asdingen drückte er in die gallicischen Gebirge zurück.

Aber schon Ende 418 zog das Volk aus Spanien wieder völlig ab und erhielt durch Vertrag die römische Provinz Aquitanica secunda mit den Städten noch einiger Nachbarlandschaften, das später Septimanien genannte Gebiet (s. die Umgrenzung und die Aufzählung der wichtigsten Städte „Könige der Germanen“ V, 68 f.), in Spanien behielten sie damals nicht Landschaften, abgesehen von [731] ihren im Dienste der Römer in einzelnen römischen Städten verbleibenden Besatzungen.

Die Anregung zu der Rückwanderung ging wol von den Römern aus: man wollte die Westgothen in der entlegenen Halbinsel nicht allzu mächtig werden lassen, aber auch W. mochte das fruchtbare Land an der Garonne dem durch lange Kämpfe stark mitgenommenen Spanien vorziehen und der Gebirgskrieg gegen die nun zusammengeschlossene vandalische und suebische Macht bot mehr Gefahren denn verlockende Aussichten. Schon im J. 419 starb W., seine Tochter ward die Mutter des Kaisermachers Rikimer; sein Nachfolger Theoderich I. war ihm nicht verwandt.

Quellen und Literatur: Könige der Germanen V. Würzburg 1870.