ADB:Walther, Balthasar

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Artikel „Walther, Balthasar“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 96–97, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walther,_Balthasar&oldid=- (Version vom 12. November 2019, 08:38 Uhr UTC)
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Walther: Balthasar W. (Gualther), lutherischer Geistlicher, † als braunschweiger Superintendent 1640. Balthasar[WS 1] W. wurde am 1. Mai 1586 in Allendorf in Thüringen geboren, wo sein Vater Pastor war. Nachdem er seine Eltern früh verloren hatte, erhielt er seine Vorbildung von 1600–1602 auf der Schule zu Frankenhausen, von 1603 an auf dem Gymnasium zu Gotha und bezog 1606 die Universität zu Jena. Noch in demselben Jahre wurde er dort Magister. 1607 begab er sich auf die eben gestiftete Universität Gießen, kehrte aber 1608 von da nach Jena zurück und lag bis 1610 hier den Studien ob. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wittenberg erhielt er 1610 eine Anstellung an der Universität Jena als Professor der griechischen Sprache, wozu ihm 1612 auch noch die Professur der hebräischen übertragen wurde. In dieser Stellung ist er Rector der Universität und auch Decan der philosophischen Facultät geworden. Eine Berufung in die Superintendentur zu Gotha führte ihn aus dem Universitätsleben in das geistliche Amt. Fünfzehn Jahre wirkte er an dieser Stelle mit Fleiß und Sorgfalt; da gelangte 1636 an ihn ein Ruf als Superintendent nach Braunschweig. Noch besaß damals diese Stadt ihre hohe Selbständigkeit auch in Kirchensachen, so daß die Stellung ihres Superintendenten an der Spitze des geistlichen Stadtministeriums eine sehr einflußreiche war und daher auch auf W. ihre Anziehungskraft nicht verfehlte. Trat er doch [97] in die Reihe der ausgezeichneten Männer, die seit Martin Chemnitz Zierden der Braunschweiger Kirche gewesen waren! In der „Brüderkirche“ hielt er am 17. Juli 1636 seine Antrittspredigt daselbst. Leider war ihm hier keine lange Wirksamkeit vergönnt. Nachdem ihn schon 1639 eine schwere Krankheit befallen hatte, wurde er am 1. Pfingsttage während der Vormittagspredigt vom Schlage getroffen, daß er die Sprache verlor und von der Kanzel herunter nach Hause getragen werden mußte. Das Siechthum, welches darauf folgte, trug der Leidende mit großer Geduld, bis ihn der Tod am 15. November von seinem Leiden erlöste. W. hatte sein Leben auf 54 Jahre, 6 Monate und 15 Tage gebracht. In der St. Martinskirche wurde er am 20. November beigesetzt, wobei sein Coadjutor D. Jacob Weller (aus dem berühmten Geschlechte der Molsdorf) ihm die Grabrede hielt. – „Seine guten Gaben und anständigen Sitten (schreibt Rehtmeyer, s. unten) haben viele vornehme und berühmte Leute in gedruckten Carminibus gerühmet.“ Sein Bild befindet sich in der Martinskirche zu Braunschweig, die Unterschrift desselben gibt Rehtmeyer (s. unten) S. 539 wieder. – Was Walther’s Familienverhältnisse betrifft, so hatte er sich mit Barbara Hoffmann, Tochter des Bürgermeisters von Friedrichsroda, 1613 verheirathet und aus dieser Ehe acht Kinder gehabt. Nachdem ihm diese Frau 1628 gestorben war, ging er 1629 eine zweite Ehe mit einer verwittweten Frau Elisabeth Purgold ein, welche ihn überlebt hat. Sein Wirken fiel in die Zeit des dreißigjährigen Krieges und hat wol deshalb keine lange dauernden Spuren hinterlassen.

Vgl. D. Jac. Welleri Concio funebris in obitum Gualtheri. Brunsw. 1640. – Freheri Theatrum vir. clar. p. 489. – Ph. Jul. Rehtmeyer, Der Stadt Braunschweig Kirchenhistorie vierter Theil. Braunschweig 1715 (4°), 7 Kap., S. 504–539. Da Rehtmeyer nicht bloß die beiden vorgenannten Schriften, sondern auch die Acten des Braunschweiger Raths Archivs benutzt hat, so sind seine Angaben den später in Zedler’s Universal-Lexikon gegebenen, da wo diese von ihnen abweichen, entschieden vorzuziehen. Bei Zedler, Univ.-Lex., Bd. 52 (1747), Sp. 1827 wird nämlich noch berichtet, daß W. von 1633–1636 Superintendent in Würzburg gewesen sei, auch daß er ein lateinisches geistliches Lied „Mihi sacellum coelicum“, „Mir ist ein geistlichs Kirchelein“ u. s. w. gedichtet habe. Auch finde man seinen Namen in dem Verzeichniß derer, welche die Weimarische Bibel ausgearbeitet haben; er solle die ersten sechzig Psalmen commentirt haben, während ihm andere die Commentirung des Zacharias und Maleachi zuschreiben. Dort werden dafür citirt Olearii Liederschatz, Th. IV, S. 15. Wetzel’s Lieder-Dichter, Th. III S. 355. Mylii Bibliotheca Anonymorum et Pseudonymorum, p. 155. Tentzel, Monatliche Gespräche des Jahres 1693, S. 815. Eyringius in vita Ernesti Pii. Calovius in Bibliis illustratis, p. 13. Unschuldige Nachrichten 1704, S. 402; 1708, S. 103. – Die Braunschweiger Zustände in der Zeit von 1634–1640 siehe bei Joh. Beste, Gesch. d. braunschw. Landeskirche (1889), S. 230 ff.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Bathasar