ADB:Wedel, Gustav Wilhelm Freiherr von

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Artikel „Wedel, Gustav Wilhelm Freiherr von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 406–408, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wedel,_Gustav_Wilhelm_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 5. April 2020, 23:51 Uhr UTC)
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Wedel: Gustav Wilhelm Freiherr v. W., später Graf W.-Jarlsberg, fürstbischöflich münsterscher General, demnächst königlich dänischer Generalfeldmarschall, wurde am 24. Juni 1641 als der Sohn von Jürgen Ernst v. W. auf Spiegel und Bütow in der Neumark, welcher als schwedischer General im dreißigjährigen Kriege gefochten hatte, zu jener Zeit aber von der Königin Christine mit einer Sendung an den Hof des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg beauftragt war, zu Königsberg in Preußen geboren und nahm zum ersten Male an einem Feldzuge theil, als er mit den Truppen, welche dieser Fürst im J. 1664 dem Kaiser zum Kampfe gegen die Türken zu Hilfe sandte, freiwillig nach Ungarn zog. Vermuthlich hat er am 1. August in der Schlacht bei Sanct Gotthard mitgefochten. Während des Feldzuges lernte Bernhard Christoph v. Galen, der kriegerische Bischof von Münster, ihn kennen und bald nachher trat W. in dessen Dienste. So kam es, daß dieser die Bekanntschaft einer reichen Erbin, Elisabeth v. Ehrentreiter[WS 1], machte, mit welcher er sich 1665 vermählte. Durch sie kam er in den Besitz der ostfriesischen, in der Nachbarschaft des Münsterlandes, unweit der Stadt Leer an der Leda gelegenen Herrlichkeit Loga und Logaberum nebst dem Schlosse zu Evenburg, welche noch gegenwärtig zum Majorate der Grafen W. in Ostfriesland gehören. In den Feldzügen von 1665 und 1666, an denen die bischöflichen Truppen in Holland theilnahmen, ist die von W., welcher damals noch in den niederen Graben diente, gespielte Rolle nicht nachzuweisen, 1672 aber befand sich dieser als Oberst über ein Regiment zu Fuß bei dem vereinten Kölnisch-Münsterschen Heere, welches in raschem Siegeslaufe fast ganz Holland eroberte, dann aber vor dem von Rabenhaupt (s. A. D. B. XXVII, 85) tapfer vertheidigten Gröningen umkehren mußte und auch das eben gewonnene Koeverden wieder verlor. Diese Feste wollte der Bischof um jeden Preis zurückgewinnen. Er betraute W. mit der Aufgabe; die Generalstaaten, ebenso entschlossen sie sich nicht wieder entreißen zu lassen, bestellten Rabenhaupt zum Commandanten. Im Monat Mai des nächsten Jahres begann [407] das Ringen um den Besitz. Auf gewöhnlichem Wege zum Zwecke zu gelangen, hatten die Belagerer bei der natürlichen Festigkeit des Ortes wenig Aussicht, sie versuchten daher denselben zu ersäufen. Die Vechte, welche die Festungsgräben speiste, wurde unterhalb Koeverden abgedämmt und die ganze Umgegend dadurch in ein Meer verwandelt, schon stand das Wasser in den Straßen und die Häuser begannen einzustürzen, als am 1. October die durch einen Sturmwind gegen den Damm gepeitschten Wogen diesen durchbrachen und alle Mühe der Münsterschen zu Schanden machten. – Am 22. April 1674 schloß der Bischof zu Köln[WS 2] Frieden und verpflichtete sich gleichzeitig 10 000 Mann zum Reichskriege gegen Frankreich, seinen bisherigen Verbündeten, zu stellen. Mit diesen, die Generallieutenant v. Post befehligte, zog der zum Generalmajor beförderte W. an den Oberrhein, aber der Feldzug verlief thatenlos, der mit dem Gange der Ereignisse unzufriedene Bischof berief seine Truppen ab, W., welcher an des im Herbst verstorbenen Post Stelle getreten war, führte dieselben zurück und beschäftigte sich zunächst damit, ihre Schlagfertigkeit herzustellen. Schon im Sommer 1675 wurden sie zu neuer Thätigkeit berufen. Als die Brandenburger den Sieg bei Fehrbellin erfochten hatten, vereinten der Große Kurfürst, die braunschweig-lüneburgischen Herzöge zu Celle und zu Wolfenbüttel und der Bischof sich mit König Christian V. von Dänemark um den Schweden die Herzogthümer Bremen und Verden abzunehmen. W. befehligte die zur Theilnahme am Feldzuge bestimmten 10 000 Mann münsterscher Truppen und wohnte mit denselben zuerst der Einschließung von Stade bei, wo er sich so aussetzte, daß Bernhard v. Galen ihm befahl, sich in Zukunft nicht in gleiche Gefahr zu begeben, darauf nöthigte er Karlsburg bei Lehe an der Weser zur Uebergabe. Am 12. Januar 1676 ging die Feste durch Capitulation in Wedel’s Gewalt über. Sodann war dieser wieder vor Stade thätig, dessen Belagerung mit der am 13. August erfolgten Uebergabe endete. Die Schweden verloren damit ihren letzten Besitz in den Herzogthümern, das Ziel der Verbündeten war erreicht und der Bischof sandte seine Truppen unter dem inzwischen zum Generallieutenant aufgerückten W., welcher jetzt als Oberst über drei Regimenter, eines zu Fuß, eines zu Pferde und ein Dragonerregiment genannt wird, sofort gegen die Franzosen. Die W. unterstellte Macht hatte auf Grund eines vom Bischofe mit der Krone Spanien abgeschlossenen Bündnißvertrages aus 6000 Mann zu Fuß, 3500 Mann zu Roß und 40 Stück Geschütz zu bestehen, den Oberbefehl führte der Marquis von Villa-Hermosa. Als W. im Spätherbst 1676 auf dem Kriegsschauplatze anlangte, waren die Feindseligkeiten zu Ende und der Feldzug von 1677 in den Niederlanden unter Wilhelm von Oranien, nachmals König Wilhelm III. von England, verlief ohne hervorragende Ereignisse; das Jahr 1678 aber versetzte W. in ganz andere Verhältnisse, indem der Bischof ihm das Commando über 11 000 Mann gab, welche er dem Könige von Dänemark zum Kriege gegen Schweden stellte. Der Schauplatz desselben war zunächst Schonen und Wedel’s erste Waffenthat die, daß er im Juni nach dreitägigem Bombardement Helsingborg durch Capitulation einnahm. Dann zog er unter dem Oberbefehlshaber, General v. Arnstorff, zum Entsatze des von den Schweden belagerten Christianstadt. Hätte dieser Wedel’s Rath befolgt, so wäre das Unternehmen wahrscheinlich geglückt, Arnstorff that es nicht, Christianstadt mußte sich am 3. August ergeben und König Christian V. übertrug nun W. den Oberbefehl über das gesammte Heer.

Da starb am 19. September der Bischof. Der Nachfolger desselben, Ferdinand v. Fürstenberg, rief seine Truppen in das eigene Land zurück, aber der König weigerte sich, sie zu entlassen und diese, die dem Könige den Eid geleistet hatten, blieben. So kam W., der zum Feldmarschalllieutenant ernannt worden war, in dänische Dienste. Am Feldzuge von 1679 nahm er nicht theil und bald [408] machten der mit Schweden wie mit Frankreich abgeschlossene Friede sowie ein mit der Stadt Hamburg, gegen die gleichfalls Feindseligkeiten geplant waren, getroffenes Abkommen die ferneren kriegerischen Aussichten zu nichte. W. aber blieb in Kopenhagen an der Spitze des dänischen Kriegswesens bis der König ihn am 2. Juli 1692 zum Gouverneur der Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst ernannte, daneben war er General en chef der norwegischen Armee. Zum Feldmarschall war er schon früher ernannt. Im Felde hat er noch einmal dänische Truppen commandirt, als er 1693 den Auftrag erhielt, an der Spitze von 5000 Mann die Befestigung von Ratzeburg durch den Herzog von Celle zu hindern; er bombardirte die Stadt und erreichte seinen Zweck. Am 21. December 1717 ist er im Schlosse zu Oldenburg gestorben. Er hinterließ ein sehr bedeutendes Vermögen, zu welchem auch die von ihm erworbene Lehnsgrafschaft Jarlsberg bei Christiania, noch heute im Besitze seiner Nachkommen, gehörte. Zwei seiner Söhne wurden die Stifter der in Ostfriesland und in Norwegen angesessenen Mitglieder des Geschlechtes.

Geschichte der Grafen v. Wedel zu Gödens und Evenburg in Ostfriesland. Als Manuscript gedruckt. Hannover 1850.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gemeint ist: Marie von Ehrentreuter (1633–1702), Tochter des Kommandanten in Leerort Eberhard von Ehrentreuter (1596–1664) siehe: Gustav Wilhelm von Wedel
  2. Gemeint ist der Bischof von Münster; Bischof von Köln war zu der Zeit Maximilian Heinrich, der später auch Fürstbischof von Münster wurde (1683)