ADB:Wehme, Zacharias

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Artikel „Wehme, Zacharias“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 359–360, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wehme,_Zacharias&oldid=- (Version vom 24. September 2019, 09:22 Uhr UTC)
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Wehme *): Zacharias W. (auch Wehm und Wehem genannt), Maler, wurde um das Jahr 1558, nach einer anderen Angabe um 1550 in Dresden als Sohn des kursächsischen Hoftischlers und Büchsenmachers Hans W. geboren. Nach dem Tode seines Vaters sandte ihn der Kurfürst August, der sich des mittellosen Knaben annahm, zu Lukas Cranach dem Jüngeren nach Wittenberg, bei dem er sich zum Maler ausbilden sollte. Er blieb bei ihm volle zehn Jahre und wurde sofort nach seiner Rückkehr nach Dresden im J. 1581 gegen ein wöchentliches Kostgeld von einem Gulden für den Hof beschäftigt. Er mußte für den Kurfürsten Wappen, Bibeln und andere Bücher illuminiren. Eine Probe dieser seiner Thätigkeit hat sich in dem im Besitze der kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden befindlichen „Türkenbuch“ Wehme’s (Manuscript J 2a) erhalten. Es ist eine in künstlerischer Hinsicht höchst mittelmäßige Copie nach einem verschollenen Original, das der Kriegspräsident Freiherr David Ungnad zu Sonneck dem Kurfürsten zum Abmalen geliehen hatte, und besteht aus acht großen Tafeln, auf denen in naivster Weise allerhand türkische Gebräuche und Vorkommnisse an dem Hofe des Sultans dargestellt sind. Auch nachdem er sich als Porträtmaler ausgezeichnet hatte, muß der Künstler, der weder unter dem Kurfürst August, noch unter seinem Nachfolger Christian I. in seinen äußeren Verhältnissen recht vorwärts kam, und erst ein Jahr vor seinem Tode zum Hofmaler vorrückte, ziemlich untergeordnete Arbeiten leisten, zu denen die Wandmalereien am Stallhof und am Schlosse zu Dresden, sowie die Malerarbeiten am Schlosse zu Colditz gehörten. Auch lieferte er eine Anzahl von Jagdstücken, Scenen aus der biblischen Geschichte und Landschaften. Das Beste aber, was er hervorzubringen im Stande war, gab er in seinen Bildnissen, von denen seine Erben im ganzen 54 große und kleine, fertige und unfertige im J. 1608 an die kurfürstliche Kunstkammer ablieferten. Erhalten haben sich von ihnen nur das Bildniß des Kuradministrators Herzog Friedrich Wilhelm von 1597, das sich im Koselthurm des Schlosses Stolpen befand, und nunmehr in einem Corridor des neuen Theils des Dresdener Schlosses aufgehängt ist, das schon im J. 1586 entstandene des gepanzerten Kurfürsten August, das bis zum Jahre 1886 in [360] der kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden aufbewahrt wurde und seitdem an die Dresdener Galerie abgegeben worden ist, ferner zwei Porträts des Kurfürsten Christian I. vom Jahre 1591 im Schlosse zu Dresden und vom Jahre 1601 im Lutherhause zu Wittenberg und endlich dasjenige Christian’s II. vom Jahre 1602 im Schlosse zu Wermsdorf. W. starb plötzlich zu Dresden in der Nacht vom 5. zum 6. Januar 1606.

G. K. Nagler, Neues allgem. Künstler-Lexikon, 21. Bd. München 1851, S. 217. – Archiv für die zeichnenden Künste. Leipzig 1855. 1. Jahrg., S. 101–104. – Andreas Andresen[WS 1], Der Deutsche Peintre-Graveur, 3. Bd. Leipzig 1872, S. 334–338. – Kunst-Chronik. Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst. 19. Jahrg. Leipzig 1884, Sp. 197 bis 199. – Neues Archiv für Sächsische Geschichte, 11. Bd. Dresden 1890, S. 275–280. – Gustav Otto Müller, Vergessene und halbvergessene Dresdener Künstler des vorigen Jahrhunderts. Dresden 1895, S. 134. – Karl Woermann, Katalog der königl. Gemäldegalerie zu Dresden. Große Ausgabe. 7. Aufl. Dresden 1908, S. 638. – Große Kunstausstellung Dresden 1908. Sonderausstellung: Kunst und Cultur unter den Sächsischen Kurfürsten. Officieller Führer. Dresden o. J., S. 16.

[359] *) Zu S. 7.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Andreas Andresen (1830–1871), Kunsthistoriker, Konservator am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, später Leiter des Auktionshauses von Rudolf Weigel (siehe unter Johann August Gottlob Weigel) in Leipzig.