ADB:Windmaier, Anton

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Artikel „Windmaier, Anton“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 97, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Windmaier,_Anton&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 08:16 Uhr UTC)
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Windmaier: Anton W., Landschaftsmaler, geboren am 4. April 1840 zu Pfarrkirchen (Niederbaiern), † am 13. Januar 1896 in München, liefert den Beweis, daß ein Genie auch aus den widerstrebendsten Verhältnissen sich siegreich durchzuarbeiten vermag. Der Knabe lernte seit 1850 das Tischlerhandwerk, ging zur Zimmermalerei über und stand bis 1862 zu München in Condition, verwendete aber jeden freien Augenblick zu landschaftlichen Studien, wozu ihm die Schätze der Kunststadt und der umgebenden Natur Vorbilder in Fülle boten. Als W., ein echter Autodidakt, 1870 seine ersten Bilder in den Kunstverein zu bringen wagte, fand er nicht allein ermunternden Beifall, sondern auch bereitwillige Käufer. Bald darauf erschienen die „Kinder am Eis“ und ein „Winterabend“ (1872), womit W. sich noch an Stademann anlehnte, in der Folge aber rasch mit einer „Winterlandschaft“ seine eigene Art zu sehen und zu fühlen bekundete. Nebenbei copirte er auch alte Meister, erwählte aber für sich die Herbst- und Winterstimmung, immer mit den geringsten, doch virtuos beherrschten Mitteln die überraschendste Wirkung erreichend. Wie Adalbert Stifter, weiß er die lauterste Poesie sommerlicher Buchenwälder mit äsenden oder in spiegelklaren Wassern stehenden Rehen ebenso zu schildern, wie unter der schweren, winterlich starrenden Schneelast. Er ist gleich heimathberechtigt in den feuchten Moorgegenden von Erding, Dachau und Haimhausen, wie am norddeutschen Küstenland, mit den unter Schneedecken verschlafen träumenden, einsamen Höfen, stillverschneiten Dörfern und Windmühlen. Er schätzt auch den Reiz schwerbeladener Erntewagen, bleifarbiger Strichregen mit blinkenden Tümpeln; knarrenden Winterfrost und plötzlich einfallendes Thauwetter. Sein Grundelement bildet der in eisstarrenden Winternächten gluthroth vollausstrahlende Mond. Nebenbei tummeln sich zur Abwechslung wohl auch städtische Schlittschuhläufer oder bäuerliches Holzschlittenfuhrwerk. Da ist W. unerschöpflich, immer neu mit diesem Mondnachtzauber: echten Perlen wahrer Kunst. Die verhältnißmäßig kurze Zeit seines Schaffens bewahrte ihn vor Einseitigkeit und Manier. Leider brachten die letzten Jahre herbe Erfahrungen. Der auf beiden Seiten gelähmte Künstler lag zwanzig Monate krank darnieder; sein Trost war, daß die linke Hand nicht den Dienst versagte; dagegen schwand das Licht eines Auges. Trotzdem blieb er muthig wie in den besten Lebenstagen, obwohl die Sorge an seine Werkstätte pochte. Bedürfnisse kannte er keine; sein einziges Vergnügen hatte sich früher zeitweise auf Scheibenschießen beschränkt, wobei er treffsicher auch Preise errang. Sein letztes größeres Gemälde „Frühling“ wurde für die Galerie des Münchener Kunstvereins erworben.

Ein gleichnamiger Sohn, Anton W., geboren 1870, trat rühmlich in die Fußtapfen des Vaters, brachte auch ganz eigenartige, sehr beachtenswerthe Leistungen (Singer 1906, VI, 286).

Vgl. Nekrolog in der Allgem. Zeitung, 15. Januar 1896. – Rechenschaftsbericht des Münchener Kunstvereins f. 1895, S. 84. – Bettelheim, Jahrbuch 1897. I, 55. – Fr. v. Bötticher, 1901. II, 1024. – Singer, 1901. V,106.