ADB:Winiewski, Franz

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Artikel „Winiewski, Franz“ von Paul Bahlmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 422–423, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Winiewski,_Franz&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 16:26 Uhr UTC)
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Wieniewski:[1] Franz W., geboren zu Thorn am 8. October 1802, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studirte von 1821–24 aus der Universität zu Berlin unter A. Boeckh und F. A. Wolf Philologie; nach beendigtem [423] Studium dort in das Seminar für höhere Lehranstalten eingetreten, unterrichtete er gleichzeitig an dem königl. Friedrich-Wilhelms-Gymnasium bis er im Herbst 1825 als honorirter Privatdocent für Philologie und Geschichte an die Akademie zu Münster gesandt wurde, deren philosophische Facultät ihren Lehrkörper bis in die neuere Zeit vorwiegend aus Gymnasiallehrern zu ergänzen pflegte. Hier schrieb er seine Boeckh gewidmeten „Commentarii historici et chronologici in Demosthenis orationem de corona“, die 1829 erschienen und ihm die Ernennung zum außerordentlichen Professor und zum Bibliothekar der damals noch dem Provinzialschulcollegium unterstellten Paulinischen Bibliothek eintrugen. Demnächst in Gießen zum Doctor der Philosophie promovirt, wurde er 1838 zum ordentlichen Professor der classischen Philologie und 1853 nach dem Austritte Nadermann’s zum zweiten, 1868 nach Deycks’ Tode zum ersten Director des philologischen Seminars befördert. Von 1834–71 gehörte W. der wissenschaftlichen Prüfungscommission an, erhielt 1855 den Rothen Adler-Orden 4. Cl., 1864 den Charakter als Geheimer Regierungsrath, 1867 den Titel Oberbibliothekar. Außer seinem Commentar zu des Demosthenes Kranzrede, der sein Hauptwerk geblieben ist, hat W. nur noch eine umfangreichere Schrift, ein „Systematisches Verzeichniß der in den Programmen der preuß. Gymnasien und Progymnasien von 1825–41 enthaltenen Abhandlungen, Reden und Gedichte“ 1844 in seiner Eigenschaft als Bibliothekar im Auftrage des Provinzialschulcollegiums veröffentlicht, in dem er die bereits 1840/41 erschienenen Zusammenstellungen von J. v. Gruber und Reiche berichtigte und vervollständigte. Seine sonstige schriftstellerische Thätigkeit beschränkte sich auf zahlreiche kleine lateinische Abhandlungen in den münsterischen Lectionskatalogen – von denen 17 Erläuterungen etc. griechischer und lateinischer Autoren (1827–73) und drei Gedächtnißreden auf seine Collegen W. Esser († 1854), Fr. J. Clemens († 1862) und F. Deycks († 1867) sind –, sowie auf drei Beiträge zum Museum des rheinisch-westfälischen Schulmänner-Vereins (1841/48) bezw. zum katholischen Monatsblatt (1849). Trotzdem verfügte W. nicht über allzuviel freie Zeit, da er seit 1849 dem Stadtverordnetencollegium als Mitglied, seit 1867 sogar als Vorsteher, und seit 1851 auch noch dem Curatorium der Realschule und der Provinzialgewerbeschule, deren beider Gründung er angeregt und auf das wirksamste gefördert hatte, bis zu seinem Tode angehörte. Als er am Abend des 4. Juni 1874 plötzlich inmitten seiner Freunde infolge eines Schlagflusses verschied, trat die Hochschätzung und Verehrung, deren sich der Senior der Akademie seiner hervorragenden Charaktereigenschaften halber in weitesten Kreisen erfreute, deutlich zu Tage, und bei seinem Begräbnis (7. Juni) bildete eine ungewöhnlich zahlreiche Menschenmenge bis zum Kirchhofe Spalier.

Vgl. E. Raßmann, Nachrichten … münsterl. Schriftsteller I, 380 f. u. II, 250. – Westfälischer Merkur, 1874, Nr. 152 u. 155. – 23. Jahresbericht der Realschule etc. zu Münster, 1874, S. 26f.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 422. Z. 3. v. u. l.: Winiewski. [Bd. 45, S. 676]