ADB:Wrangel, Karl Freiherr von

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Artikel „Wrangel, Karl Freiherr von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 124–125, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wrangel,_Karl_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 15:39 Uhr UTC)
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Wrangel: Karl Freiherr von W., königlich preußischer General der Infanterie, am 28. September 1812 zu Königsberg i. Pr. geboren, in den Cadettenhäusern Culm und Berlin erzogen, kam am 13. August 1830 als Secondlieutenant in das 1. Garderegiment zu Fuß, besuchte von 1837 bis 1840 die Allgemeine Kriegsschule (jetzt Kriegsakademie), mußte im December 1841 eines Ehrenhandels wegen den Dienst verlassen, wurde, nachdem er von einer in einem sich daran schließenden Zweikampfe erhaltenen schweren Wunde geheilt war, auf Verwendung des nachmaligen Kaisers Wilhelm I. im März 1843 im 1. Infanterieregimente wieder angestellt und im nächsten Jahre zur Trigonometrischen Abtheilung des Generalstabes nach Berlin commandirt. Von hier ging er, 1846 Premierlieutenant geworden, mit seinem Oheim, dem Generallieutenant v. W., als dieser im April 1848 den Oberbefehl der zum Kriege gegen Dänemark bestimmten deutschen Truppen erhalten hatte, nach den Elbherzogthümern, wurde hier als Hauptmann dem schleswig-holsteinschen Generalstabe überwiesen und nahm in diesem, im Stabe des Commandeurs der Avantgarden-Brigade, Obersten v. Zastrow (s. A. D. B. XLIV, 717), an den Feldzügen von 1848 und 1849 Theil, bis er im Mai des letzteren Jahres das Commando eines Bataillons erhielt. Vorher hatte er sich den Beinamen des „Trommlers von Kolding“ erworben, den eine Zeitung ihm beilegte und mit dem er sich gern bezeichnen hörte, als er später zum zweiten Male nach Schleswig gekommen war. Der Vorfall, welchem er diesen Namen verdankte, hatte sich am 29. April 1849 bei einem Straßenkampfe in der Stadt Kolding zugetragen. Sie war von den Schleswig-Holsteinern besetzt, die vor den andringenden Dänen wichen und die W. dadurch zum Stehen brachte, daß er einem Tambour die Trommel entriß und auf ihr den Sturmschritt schlug. Als im April 1850 Preußen seine Officiere abrief, kehrte W. in die Trigonometrische Abtheilung zurück, wurde, nach vorübergehender Verwendung im Truppengeneralstabe, Dirigent der Topographischen Abtheilung und kehrte erst bei der Mobilmachung des Jahres 1859 als Oberstlieutenant in den Frontdienst zurück. Inzwischen war er in Angelegenheiten der Landesaufnahme nach Warschau commandirt gewesen und hatte den obengenannten General v. W. 1852 zu Manövern in Rußland, 1859 anläßlich der Thronbesteigung des Königs Karl XV. von Schweden nach Stockholm begleitet. Jetzt trat er an die Spitze eines Landwehrregiments, aus welchem bald darauf das 8. Pommersche Infanterieregiment Nr. 61 in Stolp wurde. Diese Stellung vertauschte er 1864 mit der an der Spitze der 26. Infanteriebrigade zu Münster i. W., mit der er 1866 in das Feld rückte.

Sie gehörte der Division des Generals v. Goeben an und nahm am Mainfeldzuge Theil. Im Treffen bei Dermbach kam er am 4. Juli zum ersten Male ins Gefecht, welches er bei Wiesenthal selbständig gegen die bairische Division Hartmann führte. Dann folgten die Kämpfe bei Kissingen und Winkels am 10., bei Laufach am 13., bei Aschaffenburg am 14., bei Tauberbischofsheim am 24., bei Gerchsheim am 25., bis es am 26. vor Würzburg zur Waffenruhe kam. W. hatte an allen diesen Gefechten thätigen und mehrfach, bei selbständigen Verwendungen, hervorragenden Antheil gehabt. Die Verleihung des Ordens pour le mérite brachte die Anerkennung seiner Leistungen zu sichtbarem Ausdrucke. Dann kehrte er nach Münster zurück.

[125] Die Mobilmachung zum Kriege gegen Frankreich traf ihn in einer anderen Stellung. Im Sommer 1867 war er zum Commandeur der 18. Division in Flensburg ernannt und im Frühjahr 1868 zum Generallieutenant befördert. Seine Division wurde für den Krieg mit der hessen-darmstädtischen zum IX. Armeeeorps vereinigt, welches General v. Manstein (s. A. D. B. XX, 248) befehligte. Am 14. August griff W. in der Schlacht bei Colombey-Nouilly auf eigene Verantwortung kräftig ein, am 16. entsandte er in gleicher Weise eines seiner Infanterieregimenter auf die Walstatt von Mars-la-Tour, am 18. hatte er in der Schlacht bei Gravelotte-St. Privat bei Verneville einen schweren, durch große Verluste gekennzeichneten Stand; dann gehörte das Armeecorps zu den Metz einschließenden Truppen. Hier kam die Division am 1. September in der Schlacht bei Noisseville zum Gefechte. Von der Mosel ging es an die Loire, wo die Division am 4. December bei der Einnahme von Orleans hervorragend betheiligt war. „Die Ehre des Tages gebührt der Division Wrangel“ telegraphirte der Oberbefehlshaber, Prinz Friedrich Karl von Preußen, nach Versailles. Da W. das Eiserne Kreuz 1. Classe schon besaß, erhielt er das Eichenlaub zum Orden pour le mérite. Der Rest des Monats brachte der Division keine Kämpfe, aber anstrengende Märsche, der Januar, nach einer Weihnachtsruhe in Orleans, den Zug nach Le Mans, wobei die Division am 11. zur Mitwirkung bei der Einnahme der Stadt berufen war. Nach Friedensschluß blieb W. bis zum Juni 1872 an der Spitze seiner Division in Flensburg, dann wurde er Gouverneur von Posen und am 12. December 1876 schied er als General der Infanterie aus dem Dienste.

Er zog sich nunmehr auf das im Kreise Rothenburg in der Oberlausitz gelegene Gut seines Schwiegersohnes, eines Freiherrn v. Liliencron, zurück und ist dort am 28. November 1899, allmählich schwächer werdend, gestorben. Im Jahre 1903 wurde seinem Andenken in Flensburg ein Standbild gesetzt.

Sein Lebensbild hat eine Enkeltochter, A. v. Liliencron, veröffentlicht (Gotha 1903).