ADB:Wunsch, Marie

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Wunsch, Marie“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 130–131, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wunsch,_Marie&oldid=- (Version vom 21. September 2019, 09:43 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Wundt
Band 55 (1910), S. 130–131 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Mai 2015, suchen)
GND-Nummer 138468125
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|55|130|131|Wunsch, Marie|Hyacinth Holland|ADB:Wunsch, Marie}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=138468125}}    

Wunsch: Marie (Mizi) W., Genremalerin, geboren am 17. Juli 1862 in Gersthof (Weinhaus) bei Wien (Tochter des 1870 verstorbenen Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Wunsch), † am 29. März 1898 zu Meran, nahm als kleines Mädchen an dem durch Professor Taubinger ihren Schwestern ertheilten Unterricht im Zeichnen Theil, wobei sich schon ihre scharfe Beobachtungsgabe, ihr geradezu phänomenales Formengedächtniß kundgab. Dessen ungeachtet wurde ihr Talent nicht weiter gefördert, obwohl sie immer, mit dem Stift in der Hand, alle Eindrücke und Wahrnehmungen festhielt; erst 1880 fand sie in der Vorbereitungsschule des österreichischen Museums Aufnahme bei Professor Minnigerode, Hrachowaner und in Rieser’s Atelier, von wo sie nach zweijährigem Studium, ihrer zarten Constitution wegen, mit der Mutter nach [131] Abbazzia zog, immer durch Zeichnen und Malen sich selbst fördernd, bis sie nach Venedig übersiedelnd, nach vielen Umständlichkeiten an der Akademie und schließlich bei Eugen v. Blaas[WS 1] die ersehnte gründliche Weiterbildung erhielt. Daselbst malte sie ihr eigenes Bildniß, welches in gelungenster Weise die Signatur dieser Schule trägt. Dann aber begründete sie, erst in Venedig, dann in Meran, ihr selbständiges Atelier, aus welchem eine Reihe immer neuer Compositionen hervorging, die dem Kinderleben entnommen, durch ihren schalkhaften Humor und die frischeste Unmittelbarkeit ihrem Namen eine größere Zahl von Freunden und Verehrern gewannen, welche von der unaufhaltsam zunehmenden Krankheit der Malerin nicht die leiseste Ahnung hatten. Nun erschienen die in Zeichnung und coloristischer Wirkung höchst vollendet durchgearbeiteten Bilder: „Auf der Lauer“, wo ein Facchino-haftes angeschlängeltes Jüngelchen eine kleine, aus großer Düte Kirschen verspeisende Donna mit glühenden Aeuglein belauscht; die jauchzende Lustigkeit der „Schaukel“, die Einladung eines kindlichen Marinaro zur „Entführung der Helena“, das lamentable Trio mit der „gestörten Freundschaft“, der neue „Apfel des Paris“, die siegesbewußten und zaghaften „Kartenspieler“, „Ameise und Grille“, das erste „Tänzchen“, der auf der Schiefertafel rechnende, den „Ernst des Lebens“ empfindende Archimed und die „Aller Anfang ist schwer“ betitelte Knabenstrickschule; dazu die „Audifax und Hadumoth“-Scene aus Scheffel’s „Ekkehart“, dann last not least „Das Geheimniß“, welches auf der Münchener Kunstausstellung 1894 den Clou bildete und von der Künstlerin noch fünf Mal, immer in wechselndem Format und mit neuer psychischer Wendung, copirt werden mußte – ein Thema, welches in Photographie, Holzschnitt, Kupferstich, Farbendruck, sogar als plastische Gruppe in Gips, Porzellan und Metallguß vervielfältigt, noch immer durch theilnehmendes Interesse zugkräftig sich erwies und wie ein freudiger Stern ihr sinkendes Leben versöhnend überstrahlte. Dazu eine Menge kleinere, selbstredende Charakterköpfe und Figuren, die dann nebst allen ihren nachgelassenen Studien in zwei großen Serien in Postkartenform durch Ackermann’s Lichtdruck-Reproduction in Hunderttausenden von Exemplaren in die Welt gingen. Solche Erfolge verschönten den frühen Abend ihres nur zu kurzen Lebens. Ihre Hauptwerke wurden jeweilig durch die „Illustrirte Zeitung“, „Ueber Land und Meer“, in „Gartenlaube“ und „Daheim“, in Velhagen & Klasing’s „Monatsheften“ u. s. w. in Xylographie und Farbendruck bekannt und populär – alles gesunde Schöpfungen, ohne Süßigkeit und Sentimentalität, im echten, wahren Volksliederton, treu und echt unser Kinderleben in Lust und Ernst und Scherz abspiegelnd, wahre Hauskost ohne Zuckertand oder ungesunde Zuthat.

Von ihren Werken verzeichnet Fr. von Bötticher 1901 (II, 1041 ff.) 63 Nummern. – Vgl. Moriz Necker im „Scheffel-Jahrbuch“ 1904, woselbst auch ein Brief ihrer Schwester Jos. Wunsch mit den einzigen bisher bekannt gewordenen biographischen Notizen. – Die Lexikographen haben seither ihren Namen unbegreiflicherweise übersehen und nachträglich noch eine Schuld abzutragen. – Zu Agatha’s „Tochter des Kosaken“ (Leipzig bei Geibel u. Brockhaus) hat Marie Wunsch 58 Illustrationen gezeichnet.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Eugen Blaas (1843–1931), älterer Sohn des Malers Karl v. Blaas, lehrte in Venedig