ADB:Zeller, Cäcilie

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Artikel „Zeller, Cäcilie“ von Ludwig Julius Fränkel, Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 22–23, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zeller,_C%C3%A4cilie&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 15:17 Uhr UTC)
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Band 45 (1900), S. 22–23 (Quelle).
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Zeller: Cäcilie Z., religiöse Dichterin, wurde am 23. August 1800 als Tochter des Generallieutenants v. Elsner zu Halberstadt geboren. Sie heirathete den badischen Geschäftsträger v. Meyern (oder Maiern), nach dessen frühem Tode den Prediger Zeller in Stäfa bei Zürich. Nachdem ihr auch der zweite Gatte entrissen, lebte sie zurückgezogen zu Halle a. d. S., wo sie am. 24. März 1876 starb.

Cäcilie Zeller – unter diesem Namen allein wurde und ist sie bekannt – stand in einer durchwühlten und arg religionsfeindlichen Zeit fest auf dem Boden des Christenthums und zählt unter den wenigen deutschen Frauen, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit Phantasie und Feder das Evangelium entschieden vertraten, zu den hervorragendsten. Es erschienen von ihr anonym:. „Aus den Papieren einer Verborgenen“, zwei Theile (1847–48; I. Theil, 2., vermehrte Aufl. 1852; II. Theil, 2., verm. Aufl. 1856; neue Gesammtausgabe in ihrem Todesjahre 1876), „Lieder einer Verborgenen“, herausgegeben von Albert Knapp (1858) und „Für stille Morgenstunden“ (1867). v. Bethmann-Hollweg hat das erstgenannte Werk, die Quintessenz ihres Fühlens und Denkens, mit einem Vorwort begleitet. Theils in Briefen, Aphorismen, Tagebuchblättern, theils in metrischer Form spiegeln diese Blätter ihr reiches Innenleben. Die prosaischen Stücke bewegen sich in allen Fragen, die ein religiös gestimmtes Gemüth angehen, sie suchen in die Tiefe der Einsicht zu dringen und ringen nach deren Klarheit. Sie wurzeln in echter Gläubigkeit, sie forschen bei rastloser Selbsterziehung ohne dumpfe oder mystische Grübelei. Frei und anmuthig wirft sie, abhold engherzigem Druck, ihr Licht auch auf die irdischen Vorgänge – von wo sie, wie in der musterhaften „Liebesbitte“, zum Himmlischen aufsteigt – und stößt das Natürliche keineswegs ab. Nicht nur den positiv Frommen, denen sie eine unerschöpfliche Fundgrube darbietet, jedem trostbedürftigen und -suchenden Gemüthe gewährt die gleichsam in Zwiegespräch umschlagende Lectüre ihrer Gedanken und Reflexionen fesselnden Genuß. Insbesondere zeichnen ihre Lieder, die freilich der Prosa an Tiefe und Fülle stark nachstehen, mehr als die Hälfte ihrer Erzeugnisse, Innigkeit, Zartheit und wahres [23] Empfinden aus; zu erquicken, zu trösten in schweren Stunden äußerer Drangsal und seelischen Leids sind sie, die Frucht freudigster Hingabe an ehrliche Religionstreue, schön geeignet, zumal sie nichts von trockner Dogmatik pseudobiblischer Paraphrase wissen. Phrasen oder unfaßbare Allegorik kennen ihre knappen Abend- und Morgenlieder nirgends, darum und dafür aber treffen sie sangbare Töne. Sie ist mit ihres edlen Geistes Gaben zu Unrecht in Vergessenheit gerathen und verdiente sie, „die Verborgene“ einst geheißen nach dem Titel ihres Lebensbuches, der ihrem stillbeschaulichen Wesen so ganz entsprach, wieder erweckt zu werden. Und dies nicht bloß um des historischen Anspruchs willen, nein, auch als eine Stütze für gar manches Menschenkind, das draußen und in andrer Zuspruch kein Labsal findet für den brennenden Durst. So muß ein unparteiisches Urtheil lauten, das weder für Pietismus, noch für „innere Mission“ oder dergleichen Propaganda treiben will oder darf, ja, dem vielmehr alle Voraussetzungen fehlen, um solchen, von Cäcilie Zeller’s einsamer, freilich doch nicht weltverschlossener Art grundverschiedenen agitatorischen Tendenzen das Wort zu reden. Ihr Ziel weicht vielleicht nicht stark ab, ihr Weg ist ein ganz andrer. So mag sie manchen, der dem Tempel nicht nur, der der Gottheit entfremdet worden, zur Einkehr mahnen, wenn es bei ihm noth thut, ihn abseits von der breiten Heerstraße der sonntäglichen Kirchgänger zur sittlichen Neugeburt und Stärkung leiten. Protestantisch-confessionell wird sie nie.

Unter den Liedern[1] hebt H. Kurz hervor: „Gib du mir den sel’gen Sinn“ und „Die reifende Aehre“. Der XIV. Jahrgang der „Christoterpe. Ein Taschenbuch für christliche Leser auf das Jahr 1846“, herausgegeben von dem bekannten christlichen Dichter Albert Knapp, enthält S. 20–36 „Nachtviolen (Von der Verborgenen)“, d. h. zehn rein lyrische Poesien, die lauter religiöse Themata, in der Hälfte der Nummern an Neutestamentliches angelehnt, behandeln; in urechter Empfindung, sichtlich aus eigenem Seelenerlebnisse hervorgewachsen[WS 1], ohne Wortgetön und Versegeklingel: schön sind vor allem gelungen Nr. 3 (Freuden? Freuden bieten sie mir an?), Nr. 5 (Liegt es einst hinter mir, das Kampfgefild), Nr 10 (die Mutter am Weihnachtsabend).

Lebensdaten bei Brümmer, Lex. dtsch. Dichter u. Pros. bis zu Ende d. 18. Jhs., S. 604 f. – Hübsche Charakteristik bei K. Schütze, Deutschlands Dichter u. Schriftsteller (1862), S. 510 (nennt sie Caroline, Quedlinburg ihren Geburtsort), desgl. bei Heinr. Kurz, Gesch. d. dtsch. Litt. IV3, S. 62a; ausführliche mit großer Wärme K. Barthel (-Röpe), Vorlesgn. über die dtsch. Nationallitt. d. Neuzeit9 (1879), S. 939 f.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 22. Z. 17 v. u.: Die hier erwähnten „Lieder einer Verborgenen“ sind nicht von Frau Zeller, der sie auch anderwärts irrthümlicher Weise zugeschrieben werden, sondern von Meta Heußer-Schweizer (A. D. B. XII, 339). Vgl. Züricher Taschenbuch 1897, S. 66. [Bd. 45, S. 676 f.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: hervorvorgewachsen