Aerndtelied

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Textdaten
Autor: unbekannt
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Titel: Aerndtelied
Untertitel:
aus: Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder gesammelt von Ludwig Achim von Arnim und Clemens Brentano. 2 Bände, hier Band 1, S. 51–52.
Herausgeber: Neu bearbeitet von Anton Birlinger und Wilhelm Crecelius
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Heinrich Killinger
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Erscheinungsort: Wiesbaden
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Erstausgabe: Heidelberg: Mohr und Zimmer, 1805/1808
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[51]
Aerndtelied.


Es ist ein Schnitter, heißt der Tod,
Hat Gewalt vom großen Gott.
Heut wetzt er das Messer,
Es schneidt schon viel besser,

5
bald wird er drein schneiden,

wir müssens nur leiden.
Hüt dich, schönes Blümelein!

Was heut noch grün und frisch da steht,
Wird morgen schon hinweggemäht:

10
Die edle Narcissel,

Die englische Schlüssel,
Der schön Hyazint,
Die türkische Bind.
Hüt dich, schönes Blümelein!

15
Viel hundert tausend ungezält,

Was noch unter die Sichel fällt:
Rot Rosen, weiß Lilien,
Beid wird er austilgen;
Ihr Kaiserkronen,

20
Man wird euch nicht schonen.

Hüt dich, schönes Blümelein!

Das himmelfarbe Ehrenpreis,
Die Tulipanen gelb und weiß,
Die silberne Glöckchen,

25
Die güldene Flöckchen,

Senkt alles zur Erden,
Was wird nur draus werden?
Hüt dich schönes Blümelein!

[52]
Ihr hübsch Lavendel, Rosmarein,
30
Ihr vielfärbige Röselein,

Ihr stolze Schwertlilien,
Ihr krause Basilien,
Ihr zarte Violen,
Man wird euch bald holen.

35
Hüt dich, schönes Blümelein!


Aus Seiden ist der Fingerhut,
Aus Sammet ist das Wolgemut,
Noch ist er so blind,
Nimmt, was er nur findt,

40
Kein Sammet, kein Seiden

Mag ihn vermeiden.
Hüt dich, schönes Blümelein!

Trotz! Tod, komm her, ich fürcht dich nicht,
Trotz! eil daher in einem Schnitt!

45
Werd ich auch verletzet,

So werd ich versetzet
In den himmlischen Garten,
Auf den alle wir warten.
Freu dich, du schönes Blümelein!

Katholisches Kirchenlied.

Anmerkungen (Wikisource)

Es handelt sich um ein endloses Lied, dessen Muster beliebig viele Fortsetzungen innerhalb der Klammer der ersten und der letzten Strophe erlaubt. Insbesondere Brentano griff zuweilen in die überkommenen Texte ein, konnte, ohne daß Goethe es merkte, Volkslieder echter ergänzen oder auffüllen, als sie gewesen waren. (Curt Hohoff, in: Clemens Brentano. Ausgewählte Werke. München o. J., S. 619; diese Ausgabe enthält übrigens eine weitere Variante des Liedes unter dem Titel: Der Tod.)

Im Anhang der o.g. Ausgabe von Birlinger/Crecelius findet sich unter Litteratur. Nachlese (S. 505–575) zu dem Lied folgende Anmerkung (S. 517–520), die eine weitere Variante des Liedes als „Quelle“ anführt: