Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section/H06

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Heft 5 des Voigtländischen Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 6 der Section Voigtländischer Kreis
Heft 7 des Voigtländischen Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Dröda
  2. Schwand
  3. Coschütz
  4. Freiberg


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Dröda.


Das Dorf Dröda liegt im Feilegrunde, einem hübschen mit Erlengebüsch bewachsenen Thale, welches von dem forellenreichen Erlenbache bewässert wird. Die Fluren Drödas rainen mit denen von Pirk, Plauschwitz, Bösenbrunn, Bobenneukirchen und Engelhardsgrün, wovon ersteres mit seinem neuen prachtvollen Schlosse am Ausgange des Grundes, da wo der Bach sich mit der Elster vereinigt, eine reizende Perspective bildet. Plauen und Hof sind von Dröda drei Stunden entfernt. Oelsnitz aber, die Ephoralstadt, ist nur anderthalb Stunden entlegen.

Dröda ist deutschen Ursprungs. Vor vierhundert Jahren befand sich auf der Stelle des jetzt so freundlichen Dorfes nur ein altes mit Mauern und Graben verwahrtes Schloss, daneben eine Mühle und wenige Wirtschaftsgebäude, umgeben von finstern Urwaldungen, Sümpfen und schilfigen Gründen, wohin sich nur selten ein menschlicher Fuss verirrte. Die wenigen Leute, welche auf dem Schlosse und in dessen Nähe hausten, lebten demnach in einer vollkommenen Einöde, und diesen Namen führte denn auch die Burg. Der Edelmann hiess der Herr der Oede, wodurch nach der Zeit der zusammengezogene Name „Dröda“ entstand. Als nun aber im Laufe des fünfzehnten Jahrhunderts die Urwaldungen unter der Axt des Feldbauers niedersanken, siedelten sich eine Anzahl Familien in der Nähe des Schlosses Dröda an, so dass bald ein stattliches Dörfchen und später auch eine Kirche vorhanden war. Die damals gegründeten Bauergüter wurden durch Vergrösserung der Familien in neuerer Zeit, bis auf einen einzigen ganzen Hof, in halbe, Viertels- und Achtelshöfe zerteilt, so dass gegenwärtig nur neun eigentliche Bauern zur Gemeinde gehören, während die übrigen Einwohner, siebenunddreissig an der Zahl, deren sämmtliche Anteile aus zwei zerschlagenen Bauergütern bestehen, nur Häusler sind. Diese Häusler, fast durchgängig Maurer oder Zimmerleute, finden in den nahen Städten während des Sommers reichliche Arbeit und guten Verdienst; im Winter aber sitzen sie mit ihren Frauen und Kindern in der wohlgeheizten Stube und arbeiten für die Fabrikherren. Die ganze Einwohnerschaft Dröda’s besteht aus etwa zweihundertsechszig Köpfen.

Das Rittergut zu Dröda besass in den frühesten Zeiten der Ritter Hans von Raschau, dessen Sohn, Marquard von Raschau, im Jahre 1403 von dem Junker Bernhard von Weischliz, dessen Familie die Weischholze genannt wurde, das Stammgut derselben, Weischlitz, für fünfhundert Gulden erkaufte, und auf demselben seinen Wohnsitz nahm. Dröda gehörte schon 1450 Apel von Tettau, der mit den Herren von Waldsburg, von Röder, von Sack, von Hermsgrün, von Posseck, von Geilsdorf, von Dölen und von der Heydie ein Bündniss gegen Heinrich II. Burggrafen von Meissen und Herrn zu Plauen schloss. Dieser Fürst hatte sich von seiner stolzen herrischen Gemahlin, Cordula von Lobdaburg aus dem Hause Elsterberg, verleiten lassen, seine Unterthanen mit neuen drückenden Abgaben zu belasten und eignete sich sogar unter den seltsamsten Vorwänden verschiedene Besitzungen zu, namentlich dadurch, dass er von seiner Lehensherrschaft den willkürlichsten Gebrauch machte. Nach diesem oberherrlichen Rechte stand dem Fürsten die Befugniss zu, das gelehnte Gut gegen Zurückzahlung des Lehnschillings an sich zu lösen oder es einem Andern zu übertragen. Der Lehnsbauer, welchen dieses Schicksal traf, musste seinen Hof nach stattgefundener Aufkündigung binnen vierzehn Tagen räumen und in Jahresfrist feilbieten, fand er aber in dieser Zeit keinen Käufer, so fiel das Besitzthum gegen Erstattung des Lehnschillings und einer kleinen Entschädigung an den Lehnsherrn zurück, der indessen alsdann auch noch Lehnsgebühren in Anspruch nahm. So lange Heinrich nur die Bauern auf diese Art beeinträchtigte, begnügte man sich mit einem leisen Murren, als er aber auch das Eigenthum des Adels angriff, deren Lehnsgüter einzuziehen begann und mit Gewalt an sich lösete, solche in Domainenvorwerke verwandelte und die Wirthschaftsgebäude zum Theil demolirte, indem Cordula der Ansicht war dass die Plätze derselben, als urbares Feld mehr einbringen würden als Gebäude, so erhob sich die gesammte Ritterschaft, an deren Spitze die schon erwähnten Edelleute standen. Zu dem missvergnügten Adel gesellte sich auch die Schwesterschaft des Klosters Kronschwitz, der Heinrich das Dorf Strassberg genommen und dieses ausserdem gegen ein Privilegium eines seiner Ahnherrn vom Jahre 1295 mit neuen Steuern belegt hatte, sowie auch die mächtige Stadt Plauen. Aber auch Burggraf Heinrich hatte seine Anhänger und so entstand eine allgemeine Verwirrung und Unsicherheit, dass endlich die Aufmerksamkeit des Königs Georg von Böhmen auf die Voigtländischen Unruhen gelenkt wurde. Auch der Churfürst von Sachsen nahm sich der Unterdrückten, namentlich der Nonnen zu [42] Kronschwitz an, und beide Herrscher luden die Partheien vor den Schöppenstuhl zu Magdeburg, wo ihre Sache rechtlich vertragen werden sollte.

Lange blieb der Prozess vor dem Schöppenstuhle anhängig. Böhmen und Sachsen aber waren bereits entschlossen, den Burggrafen zu verderben. Dieser hatte den Unwillen des Churfürsten durch einen Prozess um das Burggrafenthum Meissen und Ansprüche an Voigtsberg, Adorf, Mühldorf, Paussa und Auerbach erregt; der König von Böhmen aber beschuldigte Heinrich verschiedener Lehnsvergehen, namentlich dass er das Böhmische Lehnschloss Grässlas niedergebrannt und mit den missvergnügten Böhmischen Landständen und seinem, des Königs, Sohne strafbare Verbindungen unterhalten habe. Noch ehe der Rechtsstreit vor dem Magdeburger Schöppenstuhle entschieden war, und ohne dass man dem Burggrafen Gehör verstattete, wurde er daher 1465 wegen „Lehnsverbrechung und Majestätsverletzung“ seiner Güter verlustig und in die Acht erklärt, deren Vollstreckung man den Herzögen Ernst und Albrecht von Sachsen auftrug. Bald rückte denn auch ein Exekutionsheer nach dem Voigtlande und zog alle Besitzungen des Burggrafen ein, so dass Sachsen sich nunmehr im Besitz des ganzen Landstriches befand, welcher jetzt das königlich und grossherzoglich Sächsische und königlich Preussische Voigtland bildet. Umsonst nahm sich Papst Paul II. des unglücklichen Heinrichs an, indem er das Verfahren seiner Gegner für ungerecht erklärte und den Herzögen Ernst und Albrecht befahl, das entrissene Plauen zurückzugeben: es blieb bei dem Beschlusse, ja sogar die Böhmischen Güter, welche Heinrich bereits seinem Sohne abgetreten hatte, gingen verloren. Apel von Tettau, welcher sich durch seinen Eifer gegen den Burggrafen Heinrich ausgezeichnet hatte, wurde zum Amtmann auf dem Schlosse zu Plauen bestellt, die Burg Voigtsberg vertrauten die Fürsten dem Ritter Conrad von Metsch.

Nicht nur dass Burggraf Heinrich Land und Leute verlor, nach einer erst kürzlich aufgefundenen merkwürdigen Urkunde büsste er auch seine Freiheit ein. Diese Urkunde, welche im Eingange die Worte enthält: „als der alde vunn plawen itzt seines Gefangnuss vunn vuns entlediget“ enthält die Abtretung der Böhmischen Besitzung Petzschau, des Schlosses und der Stadt Plauen, der Schlösser Paussa, Linda, Königswart und Neuhartenstein zu Gunsten Sachsens, und ist ausgestellt am Tage Julianae Virginis 1476, woraus hervorgeht, dass Burggraf Heinrichs Gefangenschaft zehn Jahre währte. In der Urkunde wird ferner gesagt, dass wenn vom Tage der Ausstellung bis zu Michalis desselben Jahres auch Heinrichs Sohn die Entsagung und Verzichtleistung des Vaters unterzeichnen würde Churfürst Ernst alsdann sich gnädiglich verheissen wolle, aus Gnaden Petzschau, Königswarth und Neuhartenstein zurückzugeben. Die Worte der Urkunde sind; „wolden wir auch begeben dass er widder Vns und die Vnsern gehandelt vnndt dem gnanten alden vun plawen so er die zeit am leben sein solliche slos petzschau, königswart, nawenhartinstein, ader so er nicht am leben were dem gnannten vun plawen sinem sone widdergeben. Sagen wir das also zu mit kraft diss brives.“ Zugleich mussten Heinrich II. und sein Sohn auch versprechen: „auch dass er Vnsser feinde vnnd beschediger nicht schutze, noch die vff Vnsern schaden vffnemen vnnd halten vnnd ob er weicherley andir anspruche vnndt forderungen zu Vnns addir den Vnnsern gewunne, was denn Vnns antreffe das er sich des rechten vor den prelaten Grauen, Herrn und Ritterschaft aus dem allen er an tzal vff achte adir zehen personen, vnnd was Vnnser vnndertanen betreffe vor vnns vnnd vnnssern erben, Reten adir vor vnnsern geruchten an rechte begnugen lisse. Wo er denn kegen Vnns und den prelaten, Grauen Hrrn vnnd Ritterschaft die er vns den Vnns vnnd vnnssern landen, verwant dorzu erwelen vnnd von Vnns odir vnnsern geruchten wegen den vnnssern rechts genugtes als stets die rechte gebort widder feinden wird nicht gewegert werde, das er sich denn daruber keins widerwillens vnnd befehdigungen ken Vnns vnnd den vnnssern verlisse.“ – – Zum Schluss bemerken wir, dass die beiden Heinriche doch noch verschiedene gerechtfertigte Ansprüche an Voigtländische Allodialbesitzungen erhoben, die ihnen auch wohl zugestanden worden sind, da später Burggraf Heinrich IV. sich in deren Besitz befand. Sitz der Burggrafen wurde das Schloss Hartenstein.

Apel von Tettau hatte, wie schon bereits erwähnt, das alte finstere Waldschloss Dröda verlassen und seinen Wohnsitz auf dem erkauften Schlosse Weischlitz genommen, nach Heinrichs II. Aechtung aber die Hauptmannschaft auf der Burg zu Plauen, dem Hradschin, angetreten. Sein Tod erfolgte um das Jahr 1493 und einer seiner Söhne, Marquard von Tettau, wurde nicht nur Herr auf Dröda, sondern folgte auch dem Vater als Commandant des Schlosses zu Plauen. Er unterzeichnete im Jahre 1509 eine Urkunde über die Stiftung des Altars der heiligen Anna in der Stadtkirche zu Plauen, welchen unter Bestätigung des Churfürsten Friedrich des Weisen und seines Bruders, des Herzogs Johann, sowie des Bischofs Johann von Naumburg, des Comthurs der Balley Thüringen Conrads von Uttenroda und des Comthurs von Plauen, Augustin Thuchel, der auch Archidiakonus zu Dobenau war, Erasmus Weise, ein Priester gemeinschaftlich mit Margarethe Pestel, der Wittwe eines Plauenschen Bürgers, und deren Söhnen Georg, Hans, Heinrich und Andreas Pestel gründete. Sie legirten dazu ein Capital von fünfhundert Gülden nebst einem Hause zur Wohnung des Geistlichen, am Comthurhofe gelegen, das auf fünfzig Gulden werth war. Die Collatur über den neugestifteten Altar übte abwechselnd der Rath zu Plauen und der Comthur des deutschen Ordens daselbst, auch musste der Messner jedes Jahr zwei Gülden Abtragszins an den Orden entrichten. Die Urkunde unterzeichneten ausser Marquard von Tettau auch Heinz von Röder auf Leubnitz, Hans von Röder und Georg von Naundorf auf Pöhl.

Nach Marquard von Tettau gehörte Dröda dem Ritter Haubold Anshelm von Tettau, der auch Ottensgrün und Mechelgrün besass und im Jahre 1555 mit Tode abging. Die Familie Tettau gehörte bis zu dieser Zeit zu den angesehensten des Voigtlandes, doch kam dieses Geschlecht von jetzt an in seinen Vermögensverhältnissen zurück. In der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts besassen von den Tettaus noch Albrecht von Tettau das Gut Zobis, Christoph von Tettau das Gut Schillbach, Marquard von Tettau Ober- und Unlerlossa. Apel von Tettau Kauschwitz. Steinsdorf und Syra und die Brüder Hugo, Sigismund und Daniel von Tettau Obersyra. Letztere mussten ihre Güter 1594 wegen bedeutender Schulden verkaufen und zwar Obersyra für 12450 Gülden; Dröda aber hatte schon 1556 von Hans von Tettau Jobst Heinrich von Watzdorf der das Gut 1576 gegen Untersyrau an Hans Wilhelm von Tettau vertauschte, von welchem es, da er kinderlos starb, an einen Verwandten vererbt wurde, für 8300 Gülden erkauft. Der neue Besitzer von [43] Dröda war Christoph von Reitzenstein, der 1609 mit Tode abging und das Gut seinem Sohne Jobst Caspar von Reitzenstein hinterliess, welcher 1660 von dem Landesherrn für sein Gut die Schriftsässigkeit mit den Obergerichten erlangte. Georg von Reizenstein, des Vorigen Sohn erstach 1692 unweit des Auenteiches bei Kürbitz den Junker Ernst Dietrich von Feilitzsch im Duell. Um das Jahr 1720 gehörte Dröda einem Christoph von Reitzenstein, und nach ihm dem Oberstlieutenant der Sächsischen Reiterei von Reitzenstein, der das Gut an den Kaufmann Oertel aus Hof veräusserte. Dieser verkaufte Dröda an den Kaufmann Nikol Raidel aus Brix, dessen Tochter mit dem königlich Sächsischen Hauptmann Christoph Wilhelm Tropitzsch vermählt war, die nach des Vaters Tode dessen Erbin wurde. Der jetzige Besitzer von Dröda ist deren Sohn, Herr Christian August Tropitzsch.

In frühester Zeit war Dröda in die Kirche zu Planschwitz eingepfarrt, da aber zwischen beiden Dörfern ein Bach, der Triebelbach, fliesst, der oft hoch anschwillt, so war es den Drödaern häufig nicht möglich die Kirche zu besuchen, und mancher Sterbende schmachtete vergeblich nach den heiligen Sakramenten, weil der Priester nicht über den Bach gelangen konnte. Als nun aber endlich gar bei ihrer Heimfahrt von Planschwitz Gevattersleute das Kind verloren, das später todt im Schnee aufgefunden wurde, fassten die Drödaer den Entschluss sich auszupfarren, und führten solchen im Jahre 1506 auch wirklich aus. Nach einer Angabe im Voigtsberger Amtsbuche schenkten zwei Fräulein von Tettau zur Verbesserung der sehr geringen Pfarreinkünfte und zur Erleichterung der Gemeinde den noch jetzt kräftig anstehenden Wald von vierundzwanzig Ackern Land aus frommer Mildthätigkeit als geistliches Lehen. In Folge dieser Auspfarrung hat der Pastor zu Dröda noch jetzt jährlich dreissig Groschen an den Pfarrer zu Planschwitz und sechs Groschen an den dortigen Schullehrer zu entrichten. Bis zur Reformation gehörte die Kirche unter das Haus des Deutschen Ordens zu Plauen, dessen Comthur die Priester berief, ein Recht, das nach dem Verschwinden des Ordens auf den Oberpfarrer zu Plauen übergegangen ist, der es noch jetzt ausübt, obgleich Dröda zur Ephorie Oelsnitz gehört. Die beiden einzigen Kirchen der Umgegend, welche ihre Pfarrherren nicht von dem Orden erhielten, waren die zu Kürbitz und Leubnitz, welche schon damals selbstständige Geistliche hatten obgleich die Kirchen bei dem Orden zur Lehn gingen. Nach und nach kauften die meisten Rittergutsbesitzer von dem Superintendenten zu Plauen das Collaturrecht gegen einen jährlichen Zins an sich, so dass nur noch wenige Kirchen von ihm besetzt werden. Nach einem alten Register der Balley Thüringen, unter welcher die hiesigen Besitzungen des Ordens standen, gehörten ihm im Jahre 1509 die dreizehn Kirchenlehne: Theuma, Altensalz, Leubnitz, Taltitz, Würschnitz, Planschwitz, Geilsdorf, Rodersdorf, Kloschwitz, Pöhl, Roda, Kürbitz und Dröda. Von diesen Kirchen mussten an den Comthur zu Plauen als jährlichen Absens bezahlen: Theuma fünfzehn Gülden, Leubnitz und Geilsdorf jedes vierzehn Gülden, Kürbitz zwölf Gülden, Altensalz sechs Gülden und Taltitz ebensoviel.

Was die Schicksale Dröda’s anbetrifft, so hatte es alle die Drangsale zu erleiden, welche die Kriege der letzten drei Jahrhunderte über unser Vaterland brachten, namentlich aber zeichnete sich durch seine Schrecken der dreissigjährige Krieg aus, welcher ausser entmenschten Soldatenhorden auch noch entsetzliche Seuchen ins Land brachte. Hauptsächlich in den Jahren 1632 und 1633 wurde Dröda von vielfachem Elend heimgesucht, plündernde Soldatenhaufen und die Furcht vor schrecklichen Misshandlungen hielten die unglücklichen Landleute in steter Aufregung, die durch das Pestjahr 1633 fast zur Verzweiflung stieg. Auch der letzte Französische Krieg hat dem Orte vielfachen Schaden gebracht.

An herrlichen Aussichten fehlt es auf den beiden Berghöhen, von denen Dröda eingeschlossen ist, nicht, namentlich gewährt der vordere Hirschberg wie die Zöberner Höhe eine prächtige Fernsicht weit über Plauen und seine Umgebung nach Norden zu bis in den Reussischen Vordergrund. Und wiederum rückwärts kann man vom weissen Berge aus, liebliche Waldparthieen von der Baierischen und Preussischen Grenze in reicher Mannichfaltigkeit erkennen.

O. M.     




Schwand.


Schwand ist eines der grössten Dörfer des Voigtlandes und liegt am Abhange eines Berges. Bei seiner sehr regelmässigen Bauart gleicht der Ort in der Ferne einem Städtchen wozu die hübschen, zum Theil sogar stattlichen Gebäude nicht wenig beitragen. Ungefähr eine Stunde westlich von Schwand zieht sich die Dresden-Plauen-Hofer Chaussee hin, welche freilich seit Entstehung der Sächsisch-Bairischen Eisenbahn unendlich viel von ihrer frühern Frequenz verloren hat. Die nächsten Städte, Plauen, Oelsnitz, Hof, Gefell und Tanna sind sämmtlich von Schwand drei Stunden entlegen, doch tragen sie nicht wenig zur Gewerbsthätigkeit der Einwohnerschaft bei, die aus ungefähr fünfhundert Köpfen besteht. Schwand, dessen gesammte Fluren einen Flächeninhalt von 1193 Ackern 295 Quadratruthen betragen, zählt im Ganzen 80 Feuerstätten, und zwar 35 Güter und und 43 Häuslerwohnungen, welche trotz der verschiedenen Unterthanenverhältnisse ihrer Besitzer nur zu einer Gemeinde gehören. Die Bewohner Schwands sind grösstentheils Maurer und Zimmerleute, die im Sommer in den nahen Städten Arbeit finden, ja selbst zu gleichem Zweck nach Leipzig, Dresden und Berlin wandern, mit dem beginnenden [44] Winter aber in die Heimath zurückkehren, um ihre Ersparnisse der Familie zu bringen. Die Frauen beschäftigen sich hauptsächlich mit Weissnähen, und so kommt es, dass Handarbeiter und Dienstboten hier nur schwer zu erlangen sind und sehr gut gelohnt werden müssen. Der grössere Theil des Dorfes steht unter dem hiesigen Rittergute, der andere Theil unter dem Rittergute Geilsdorf; zwei Häuser gehören zu Chröstau, Kirche, Pfarre und Schule nebst zwei Bauergütern aber in das Justizamt Plauen. – Schwand ist ein uralter Ort. Die Sorben, welche nach den Nariskern das Voigtland bewohnten und den grössten Theil der hiesigen Ortschaften, darunter auch Schwand, gründeten, waren ein Stamm des grossen Slavenvolkes, welches zwischen dem sechsten und zehnten Jahrhundert fast das halbe Europa bevölkerte. Sie gehörten zu dem Stamme der Russen oder Reussen und bildeten unter diesen den Zweigstamm der Tzschoren- oder Tzschorbe-Rewczen oder Schwarzrussen, welchen Namen die Deutschen in Sorben verwandelten. Beweis davon liefern die alten sorbischen Ansiedlungen Reussa (Rewcza) und Rewczig (Reussig) bei Plauen, Rewstw (Reust) im Ronneburgischen, der Retzschbach bei Saalburg und das Dorf Röppisch, sowie auch der Name Greiz, ursprünglich Grewz oder Grouz nichts anderes als Reussengau bedeuten soll. Die Sorben waren ein für damalige Zeiten sehr cultivirtes Volk, das sich nicht nur mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte, sondern auch Künste und Handel pflegte, wofür die in jener Zeit stattfindende Entstehung der Stadt Zwickau spricht, deren sorbischer Name einen Markt- oder Handelsplatz bedeutet. Besonders geschickt waren die Sorben in der Anfertigung vortrefflicher Leinwand, auch kannten sie die Malerei, Bildhauerei und Giesskunst, wovon viele ausgegrabene Alterthümer zeugen. Sie verstanden ebenso die Kunst Münzen zu prägen, trieben Bergbau und gewannen durch Waschen Goldkörner (aus der Göltzsch, auch besassen sie ein Salzwerk bei dem Dorfe Altensalz. Ein solches Volk konnte natürlich nicht, wie die Narisker, ein Nomadenleben führen, und da ihm ein geselliges Beisammenleben nothwendig war, so entstanden auf der Stelle finsterer Waldungen und schilfbedeckter Niederungen eine Unzahl kleiner Dörfer und Höfe, die fast durchgängig, zum Theil als bedeutende Städte und Rittergüter, dem Namen nach jetzt noch vorhanden sind.

Die Religion der Sorben trug den allgemeinen Charakter des Heidenthums indem sie die göttliche Vorsehung unter dem Bilde einer despotischen Regierung vorstellte. Wohl glaubten die Sorben an einen einzigen Gott, der Himmel und Erde beherrsche, aber neben ihm verehrten sie auch noch eine Anzahl untergeordneter göttlicher Wesen, die aus dem grossen Gott, dem Urprincipe alles Lebens, gleichsam als dessen Söhne, Töchter und Enkel hervorgegangen wären je nach ihrem Range dem Urwesen näher oder entfernter ständen, und seinen Befehlen nachkommen müssten. Allen diesen Göttern bauten sie Tempel oder weihten ihnen Haine wo zu öffentlicher Anbetung und Verehrung sie sich zu versammeln pflegten. Dem Allvater der Götter und Menschen nannten die Sorben Swantowith und ihm verdankt das Dorf Schwand seinen Namen. Hier stand einst im dunklen Haine der Tempel des allgewaltigen Gottes, hier beteten Tausende zu dem mächtigen Wesen in dessen Händen das Geschick der Völker lag, hier sassen die Götter zu Gericht und opferten in heiliger Stille dem Bilde des grossen Gottes. – So blieb es bis zum zehnten Jahrhundert, wo das Banner mit dem Kreuze über die Grenze des Voigtlandes herüberflatterte und das harmlose Sorbenvolk mit Feuer und Schwert zur Annahme des Christenthums gezwungen wurde. Unter der Axt christlicher Kriegsleute stürzten die tausendjährigen Bäume zusammen, deren Aeste das Bild Swantowiths dem Ungeweihten verbargen, die Altäre mit den Bildsäulen der Götter loderten in Flammen auf und mit Thränen des Grimmes und der Wehmuth schleppte der besiegte Sorbe, getrieben von der Peitsche seiner Ueberwinder, Holz und Steine nach der Stätte, die seinem Volke seit Jahrhunderten heilig war, um dort dem von ihm unbekannten und gehassten Gekreuzigten einen Tempel zu bauen. Mit Swantowith, der auch Thor, Jodwt und Zdwt genannt wurde, sanken auch sein Feind und Widersacher Tzschornebog oder der schwarze Gott nebst den vornehmsten Untergöttern Radegast, Flyns, auch Feiltzsch genannt, Triglaf, Zuttibur, Prove der Gott des Ackerbaues, Porevit der Schützer des Handels und Gewerbsfleises und Liko der freundlich lächelnde Gott der Liebe.

Wer das erste Schloss zu Schwand erbaute ist nicht bekannt, jedenfalls that es ein Edelmann des siegreichen Heeres, dem der Kaiser als Lohn für bewiesene Tapferkeit einen Distrikt des eroberten Landes mit einer Anzahl Sorbischer Sklaven schenkte, deren erste Arbeit darin bestand, dem Grundherrn eine feste Burg zu bauen, damit er sie um desto besser im Zaume halten konnte. Gar hart aber war das Loos der unglücklichen Sorben, die als sogenannte „Hörige“ dem Edelmann als Eigenthum zugezählt wurden, jedoch waren viele Sorbische Häuptlinge so klug gewesen beim Herannahen des Feindes mit diesem gemeinschaftliche Sache zu machen und bei der Besiegung des eignen Volkes hülfreiche Hand zu leisten, wofür man sie im Besitz ihres Eigenthums liess und ihnen nach Annahme des Christenthums gleiche Rechte mit den Edlen deutscher Abkunft bewilligte. Die Hörigen waren vollständig der Willkühr ihrer Herren preisgegeben, die nicht nur das eigne Feld von den Unglücklichen bestellen und aberndten liessen, sondern auch einen Theil des Ertrags der ihnen überlassenen Aecker oder sonstigen landwirthschaftlichen Producte beanspruchten, und dabei über Leib und Leben der armen Leute gebieten konnten. So war es sehr natürlich dass die Sorben verschiedene Male sich mit Gewalt von den angelegten Fesseln befreien wollten, aber alle Anstrengungen blieben vergeblich, und die misslungenen Befreiungsversuche verschlimmertni ihr Sklaventhum nur um so mehr. Erst als einige Generationen abgestorben waren, vergassen die Sorben die einstige Macht ihrer Väter und fügten sich dergestalt Deutscher Sitte, dass ihre Nationalität gar bald im Deutschthum völlig unterging.

Der erste Besitzer von Schwand, welchen eine Urkunde nennt, ist Conrad von Geilsdorf, dem auch Tirbel und Pirk gehörte, welcher im Jahre 1373 den Verkaufsbrief Heinrichs des Rothen von Plauen über Hof an den Burggrafen Friedrich von Nürnberg als Zeuge unterschrieb. Heinrich von Geilsdorf besass das Gut im Jahre 1402 und Kunz von Geilsdorf 1438. Jahn von Geilsdorf auf Schwand gehörte zu den Edelleuten, welche sich wegen der Willkührherrschaft des Burggrafen zu Meissen und Herrn zu Plauen, Heinrichs II. gegen diesen auflehnten, und seinen Sturz befördern halfen. John von Geilsdorf starb um das Jahr 1480 und sein Sohn Johann von Geilsdorf besass Schwand noch 1510, wo er eine zwischen Veit von Röder und Ludwig [45] von Sparneck abgeschlossene Verkaufsurkunde über eine Waldung unterzeichnete. Das Jahr seines Todes ist unbekannt, er war indessen der letzte Herr von Geilsdorf auf Schwand, das er seinem Vetter, Urban von Feilitzsch, und zwar noch während seiner Lebenszeit überliess. Dieser Urban von Feilitzsch vermählte sich mit Catharine von der Planitz und starb erst 1580 hundert Jahre alt auf seinem Schlosse Kürbitz. Nach ihm besass Schwand Christoph von Feilitzsch, Urbans Sohn, vermählt mit Marie von Zedtwitz auf Neuberg und gestorben am 25. April 1606. Von seinen vier Söhnen erhielt Schwand Hans Sigismund von Feilitzsch, gestorben 1632, und nach ihm kam das Gut an Urban Caspar von Feilitzsch, seinen Neffen der 1689 mit Tode abging. Ernst Christoph von Feilitzsch lieh im Jahre 1706 seinem Bruder Daniel 12000 Gulden widerkäuflich auf das Gut Schwand. Dieser war der letzte Feilitzsch auf Schwand, nach ihm gehörte das Gut dem Grafen Johann Ernst von Tettenbach, Freiherrn und Bannerherrn zu Gannewitz, der auch Geilsdorf, Tirbel und Pirk besass 1783 starb und die Voigtländische Linie der Grafen von Tettenbach beschloss, nachdem sein einziger Sohn und Enkel sich aus dem Lande gewendet hatten. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts kam Schwand, das 1755 schriftsässig wurde, an die Familie von Beulwitz, 1769 gehörte es dem Kammerjunker Heinrich Erdmann von Beulwitz, später dem Lieutenant Ferdinand Carl Wilhelm von Beulwitz. Der jetzige Besitzer ist Herr Oberlieutenant Philipp von Beulwitz.

Die Kirche zu Schwand soll in frühester Zeit eine Kapelle der unweit entfernten jetzt zum Rittergute Geilsdorf gehörigen Wallfahrtskirche Burgstein gewesen sein, deren Ruinen, ihrer schönen altgothischen Bauart und herrlichen Lage wegen sehr häufig besucht werden. Die Kirche zum Burgstein kommt bereits im fünfzehnten Jahrhundert vor, nirgends aber geschieht einer in ihrer Nähe gestandenen Burg Erwähnung, weshalb diese Behauptung in den Bereich der Volkssagen gehört. In einem Lehnbriefe vom Churfürsten Friedrich und Herzog Johann (1515) an Nikol Sack auf Geilsdorf, wird des Burgsteins nur als eines Kirchlehns mit seinen Gütern gedacht, er war der Maria gewidmet und ein Filial von Krebes. Im Jahre 1489 hatte der Bischof von Bamberg die Absicht den Burgstein zur Pfarrkirche zu erheben und dem Herrn von Sack auf Geilsdorf das Patronat darüber zu verleihen, auf Bitten des Pfarrers zu Krebes, Hans Seitzens, aber und durch Mitwirkung der fürstlichen Brüder Friedrich und Sigismund von Brandenburg-Culmbach unterblieb es. Später jedoch kam der Burgstein dennoch von Krebes ab und als Filial nach Geilsdorf, wie solches die Visitationsacten von 1546 beweisen, wo es von der Pfarre zu Geilsdorf heisst: „sie hat einzukommen zweiunddreissig Gulden von der Kirche zu Burgstein“. Ferner wird in den Acten gesagt: „Und da diesem Pfarrer von dem Markgräflichen Pfaffenscheffel keine Hilf geschieht, so soll die Pfarre abgehen. Gutenfürst gegen Misslareuth, Krebes und Kemnitz vererbet, verkeuft oder ausgethan, und dem Pfarrer zu Schwand die Nutzung davon gegeben werden. Dagegen soll derselbe Pfarrer zu Schwand ein Pferdlein halten und dieselben Dörfer mit allem Gottesrecht versorgen. So ist auch mit Heintzen von Feilitzsch (auf Kemnitz) verschafft, dass er dieser Pfarr die wüste Herberg und den alten Hoff zu Kemnitz die ehevor zu der Pfarr Krebes gehört, unverhindert folgen lassen wollte.

Für obige Behauptung, dass die Kirche zu Schwand vormals eine Kapelle gewesen sei, spricht die Bauart derselben, indem der vordere Theil, in welchem sich Kanzel, Altar und Chor befinden, vom Schiffe der Kirche durch einen gewölbten Bogen getrennt ist, und auch der Baustyl des letztern deutlich wahrnehmen lässt, dass die einstige Capelle durch einen Anbau, wahrscheinlich bei Einführung der Reformation, vergrössert ward. Das Innere des Gotteshauses ist zwar für die zahlreiche Gemeinde ziemlich beschränkt, jedoch freundlich und hell. Der Altar ist mit alten Holzschnitzereien geziert, wobei ein Marienbild mit dem Christuskinde, daneben zwei Bischöfe mit Hirtenstäben, und darunter Christus mit den zwölf Aposteln. Vor dem Altar befinden sich einige Grüfte, worin vormalige Rittergutsbesitzer und deren Angehörige begraben liegen, doch sind die Steinplatten, welche sie decken, dergestalt abgetreten, dass man keine Inschrift erkennen kann; nur einer ist wohlerhalten, unter dem ein Herr von Feilitzsch ruht. Das Erbbegräbniss der Familie Beulwitz befindet sich unter der herrschaftlichen Capelle.

Die Collatur über Kirche und Schule zu Schwand übt das Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts aus. Seit den frühesten Zeiten stand die Parochie unter der Ephorie Plauen: denn zu den Kirchenlehen, welche der Orden der Deutschherren in der Nähe dieser Stadt besass, gehörte auch das zu Schwand. Trotzdem aber geht aus dem Kirchenbuche hervor, dass mehrere Pfarrherren und Schulmeister zu Schwand ihre Vokationen vom Superintendenten der Ephorie ausgestellt erhielten, was sich vielleicht nach einer im Voigtsberger Amtsbuche befindlichen Nachricht erklären lässt, in welcher es heisst: die Stifter der Pfarre zu Oelsnitz sind gewesen der lange Voigt und Herr zu Voigtsberg. Diese Pfarre geht bei meinem gnädigsten Herrn zu Lehn, hat fürdes diese der Pfarre Gerechtigkeit Lehn zu leihen, nämlich die Pfarre zu Marieney, die Pfarre zu Arnoldsgrün im Amte Voigtsberg und die Pfarre zu Schwand im Amte Plauen gelegen. – Das Vermögen der Kirche ist sehr gering und die Pfarrholzkasse enthält 120 Thaler, deren Zinsen der Pfarrer bezieht, auch empfängt er aus dem Kirchenärar 9 Thaler 16 Groschen 3 Pfennige als Besoldung. Das Pfarramt gehört zu den geringstbesoldeten des Landes, da es kaum 300 Thaler einträgt, wobei die Nutzung des Pfarrgutes, das achtzehn Acker Flächenraum enthält, hinzugerechnet ist. Der Pfarrwald hält zwei Acker und liefert dem Pastor zwei Klaftern weiches Scheitholz mit Abraum und Stöcken als Deputat. Die Parochie und der Schulbezirk bestehen aus dem Dorfe Schwand, fünf Häusern des in dem wildromantischen Thale des Ruderitzbaches gelegenen Dorfes Ruderitz und dem sogenannten Berghause. Die Schule besuchen ungefähr hundert Kinder.

Zum Schluss erwähnen wir noch den etwa fünf Minuten von Schwand entlegenen Wachthübel, eine Höhe, die ihren Namen im Hussitenkriege empfing. Hier spähten die Einwohner der nahen Ortschaften nach anrückenden feindlichen Schwärmen um ihnen durch Flucht in die Wälder zu entgehen oder wenn die Zahl der Feinde es gestattete ihnen mit gewaffneter Hand entgegen zu treten. So gefährlich ein solcher Angriff auch immer war, und obgleich oft die traurigsten Folgen für das Dorf daraus entstanden, trieben Wuth und Rache die Landleute doch sehr oft zu derartigen Verzweiflungskämpfen. So überfiel im Jahre 1430 eine Streifpatrouille der Hussiten das Dorf Möschwitz, die Einwohner aber hatten bald erkannt, dass dieselbe sehr schwach sei, deshalb griffen sie mit ihren schleunigst herbeigerufenen Nachbarn [46] aus Pöhl und Helmsgrün zu den Waffen und überfielen die blutdürstigen plünderungssüchtigen Gäste in dem Augenblicke, wo sie in das Rittergut eindrangen. Die Hussiten wehrten sich mit der Tapferkeit alter eisenfester Soldaten, aber ehe eine halbe Stunde vergangen war, lagen sie sämmtlich todt darniedergestreckt und wurden in einem nahen Busche verscharrt. Obgleich das Hussitenheer nur zwei Stunden entfernt lagerte blieb dieser Act der Nothwehr doch ungerächt und die Bauern durften sich ihres Sieges freuen.

Auch im dreissigjährigen Kriege diente der Wachthübel als Beobachtungspunkt und scheint sogar zu militärischen Zwecken benutzt worden zu sein, indem man auf seinem Rücken noch Spuren eines Erdaufwurfs, wahrscheinlich einer Verschanzung, bemerkt. Uebrigens geniesst man von hier eine herrliche Fernsicht, wobei das alte Schloss Voigtsberg, die Städte Oelsnitz, Schöneck und andere vorzüglich in die Augen fallen; am Horizonte aber erheben sich die Höhen des Fichtelgebirges. –


O. M.     




Coschütz.

Nahe bei Elsterberg liegt das Rittergut Coschütz, welches fast lediglich aus herrschaftlichen Gebäuden besteht, bei dem sich acht Häuser mit etwa sechszig Einwohnern befinden. Es gehören dazu die Ganstmühle, eine Schäferei, eine Ziegelei und Antheile der Dörfer Losa, Brockau und Kleingera mit zusammen ungefähr dreihundertfünfzig Unterthanen.

Coschütz dankt seine Entstehung den Sorben, und ist somit ein uralter Ort. Der Name bedeutet soviel als „Niederlassung des Wanderers“. In den ersten Jahrhunderten nach der Unterjochung des Slavenvolkes hauste auf Coschütz das adlige Geschlecht derer von Coziz, die später auch in den Schönburgischen Landen ansässig waren und bei den Grafen in hohem Ansehen standen, doch gehörte das Gut im vierzehnten Jahrhundert den Herren von Elsterberg, die es bis zum sogenannten „Voigtländischen Kriege“ besassen. Die drei Sächsischen Fürsten Friedrich der Strenge, Wilhelm und Balthasar, welche damals die Meissnisch-Thüringischen Länder gemeinschaftlich beherrschten, hatten zugleich mit Kaiser Karl IV. Ansprüche an die Voigte von Plauen, namentlich die Reuss-Plauensche Linie, erhoben, die grössten Theils gänzlich unerwiesen und ungerecht waren, da man hier aber eine treffliche Gelegenheit fand die emporstrebenden Voigte zu demüthigen, so traf der Kaiser mit Markgraf Friedrich dem Strengen auf der Lausitzer Grenze persönlich zusammen, um über die Mittel zur Unterdrückung der Reusse zu berathen. Es wurden alte vergessene Dinge hervorgesucht, von denen man wusste, dass die Reusse ausser Stande waren, darüber Aufschlüsse zu geben, namentlich in Bezug auf die ehemalige Vormundschaft und Regentschaft Heinrichs des Kleinen in Meissen und Thüringen. Heinrich der Kleine war todt und sein Sohn Friedrich sollte über des Vaters Thun Aufschlüsse geben, man wusste indessen recht gut, dass ihm dieses unmöglich war, und die kaiserlichen und markgräflichen Quittungen, welche er vorzeigte, erklärte man für ungültig. Meissen schuldete dem Reuss seit 1332 eine Summe von 2500 Schock Groschen, wofür ihm die Schlösser Auma, Triptis und Ziegenrück verpfändet waren, jetzt verlangten die Markgrafen die Schlösser zurück und stellten auch noch lehnsherrliche Ansprüche auf die Reussischen Besitzungen, welche sie, wie die der Herren auf Elsterberg, Weida und Gera von sich abhängig machen wollten.

Friedrich von Plauen sah kein anderes Mittel seinem Untergange vorzubeugen, als den mächtigen Feinden mit Waffengewalt entgegenzutreten, und das war es, was man wünschte, denn nun trat auch der Kaiser offen gegen den Reuss auf mit der Beschuldigung dass er den Adel aufhetze und feindlich gegen das Oberhaupt des Reiches gesinnt sei. Ohne sie vor ein Reichsgericht zu stellen, erklärte Karl die Plauen beider Linien und ihre treuen Anhänger, die von Elsterberg, in die Acht, und bald zog ein Böhmisches Heer in Verbindung mit den Söldnern der Reichsstädte Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen heran, befehligt von den Markgrafen von Meissen. Die Reusse von Gera und Weida erklärten jetzt schleunig ihre Neutralität und bald sah sich Friedrich mit dem Plauen älterer Linie und dem von Elsterberg, dem mächtigen Feinde gegenüber allein. In kurzer Zeit waren alle Güter der Verbündeten im Besitze der Markgrafen. Ein Haufe Böhmischer und Reichsstädtischer Kriegsleute belagerte unter der Anführung eines Grafen von Hohenstein das Schloss Elsterberg, welches der junge Busso von Elsterberg mit einer tapfern Besatzung ritterlich vertheidigte. Erst nach langer Gegenwehr wurde die Burg erstürmt, Busso nebst zwölf Edelleuten gefangen und nach dem Marktplatze des Städtchen Elsterberg geführt, wo man ihnen, als der Acht Verfallenen, ohne Weiteres die Köpfe abschlug. Das Schloss brannte man nieder. In Folge der vielfachen Greuelthaten, welche das Exekutionsheer verübte, ergaben sich auch bald die übrigen Reussischen Städte und Schlösser, darunter Voigtsberg mit Oelsnitz. Nach langen Verhandlungen wurde die Fehde durch einen Frieden geendigt der zur völligen Zufriedenheit des Kaisers und der Markgrafen ausfiel, indem er dem ritterlichen Reuss den grössten Theil seiner Besitzungen und Hoheitsrechte kostete.

Mit den übrigen Elsterbergischen Besitzungen fiel nach der Hinrichtung des Ritters Busso auch Coschütz als offnes Lehn an Meissen, doch finden wir, nachdem das Schloss Elsterberg sich wieder aus der Asche erhoben hatte, bald darauf abermals einen Sprössling des Hauses Lobdaburg in deren Besitz. [47] Die Lobdaburger besassen die Güter noch bis 1440, wo sie als offne Lehen von dem Landesherrn Heinrich von Bünau überlassen wurden, dessen Sohn, Günther, Christgrün, Thürnhof, Coschütz und Kummerhof besass. Günther von Bünau stand beim Herzog Heinrich von Sachsen in hohen Gnaden und begleitete 1498 diesen Fürsten nach dem gelobten Lande, wo er die Würde eines Ritters vom heiligen Grabe empfing. Sein Sohn, Günther von Bünau, war Domprobst zu Merseburg;, später Bischof zu Samland und Administrator des Bünauischen Tempelhofes zu Droysigk. Von ihm rührt ein Geschlechtsstipendium für Studirende von 1200 Gulden her. Sein Tod erfolgte um das Jahr 1533. Nach ihm gehörte Elsterberg mit Coschütz Heinrich von Bünau, der noch 1578 lebte und damals auch Steinsdorf und Kleingera besass. Er war vermählt mit Anna von Warnsdorf, die ihm zwei Töchter und einen Sohn gebar, welcher letztere oft in Coschütz wohnte, sich mit Genova von Schlegel aus Gnetzsche vermählte und als churfürstlich Sächsischer Appellationsrath starb. Von seinen beiden Kindern vermählte sich Dorothea mit August von Kötteritz auf Kroptewitz, der einzige Sohn aber, Rudolph von Bünau, Herr auf Elsterberg, Kummerberg, Thürnhof und Coschütz, war Appellationsrath, Hauptmann und Obersteuereinnehmer des Voigtländischen Kreises, vermählt mit Agnes Pflugk aus Frauenhain, die ihm nur einen Sohn, Heinrich, schenkte, der im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts Elsterberg und Coschütz an den Obersten Carolus Bose auf Netzschkau abtrat. Der Oberst Bose war unbedingt einer der reichsten Sächsischen Edelleute, denn er besass nicht weniger als neunundzwanzig Rittergüter, ein grosses Haus in Dresden und eins zu Zwickau. Sein Tod erfolgte zu Zwickau am 12. Januar 1657 nachdem er am vorhergegangenen Tage dem Sarge seines Sohnes, Johann Carl Bose, gefolgt war, und ihn auf dem Rückwege ein Schlagfluss getroffen hatte. Bei dem Leichenbegängnisse des hochangesehenen Mannes waren auch Abgesandte des Churfürsten und der Churfürstin anwesend und Fürst Heinrich Reuss V., Herr zu Plauen und Greiz, befand sich persönlich im Trauerzuge. Um das Jahr 1660 gehörte Coschütz einem Neffen des vorigen Besitzers, dem kaiserlich Oesterreichischen Major. Julius Cäsar von Bose, vermählt mit Ursula von Schönfels aus Ruppersgrün, dessen Tochter Juliane am 10. November 1653 Heinrich von Bünau auf Nimritz ehelig beigelegt wurde. Jetzt gehört das Gut Coschütz schon seit langen Jahren der Familie Adler aus der es zur Zeit Herr Christian Ferdinand Adler besitzt.

Im Jahre 1500 entstand zwischen Heinrich Reuss zu Greiz und Günther von Bünau auf Elsterberg und Coschütz ein Rechtsstreit, worauf ersterer Anspruch an Coschütz zu haben vermeinte, und beim Ritterdinge zu Dohna klagbar wurde. Der Schöppenstuhl aber sprach zu Recht, dass Coschütz Günthers Eigenthum bleiben solle, und der Reuss musste sich zufrieden geben[.] Coschütz ist mit Brockau, Christgrün, Wipplas, Feldwiese, Pfannenstiel, Rückisch, Görschnitz, Kleingera, Reuth, Lohsa, Nosswitz, Sachswitz, Reimersgrün, Scholas, Thürnhof und einigen einzelnen Häusern in die Kirche zu Elsterberg eingepfarrt. Mit den beiden Filialen Hohndorf und Steinsdorf zählt die Parochie ohne die dazu gehörigen Greizer Unterthanen etwa 4500 Personen, welchen drei Geistliche vorgesetzt sind, von denen zwei, Diakone, abwechselnd den Gottesdienst in den Filialen zu besorgen haben. Bis zum Jahre 1492 bezogen die hiesigen Geistlichen einen festen Gehalt aus dem Augustinerkloster zu Altenburg, so dass angenommen werden kann, dasselbe habe auch die Anstellung der Priester zu besorgen gehabt. Die Voigte von Plauen überliessen 1225 ihr Patronatsrecht den Herren von Lobdaburg, um dadurch Erlaubniss zur Errichtung einer eignen Pfarre in Greiz zu erlangen, ein Beweis, dass Greiz ursprünglich ein Filial von Elsterberg war. Bei den Bränden, welche in den Jahren 1816 und 1818 die Stadt Elsterberg heimsuchten, blieb die Kirche verschont. – Nahe bei Coschütz liegt der durch seine herrliche Aussicht berühmte Kühberg.

M.     




Freiberg ob./Thls.
bei Adorf.

Freiberg liegt im Amte Voigtsberg, unfern der Elster, eine kleine halbe Stunde von Adorf. Der Ort raint mit Ebersreut, Bergen, Weidigt und Adorf, und enthält zwei Rittergüter, von denen das eine, Freiberg obern Theils, ausser einem Theile des Dorfes auch einen Antheil von Göttengrün, Freiberg unteren Theils aber nebst seinem Ortsantheile die Hassenmühle und Muldenmühle, sowie Antheile von Oberbergen und Rebensreuth besitzt. Die Einwohnerschaft besteht aus ungefähr vierhundertfunfzig Köpfen.

Im funfzehnten Jahrhundert gehörte Freiberg der adligen Familie von Gössnitz, die vormals gemeinschaftlich mit denen von Thoss die Rittergüter Hagdorf und Haindorf besass, aus welchen nachher die Stadt Adorf entstand. Als im Jahre 1466 Churfürst Ernst die Städte Plauen, Oelsnitz und Adorf belagerte und eroberte ging durch Bosheit einiger Soldaten der adlige Sitz zu Freiberg in Flammen auf. Das hiesige Schloss war im Jahre 1547 eine Zeit lang der Zufluchtsort des berüchtigten Grafen Heinrichs des Verleugnten, Sohnes Burggrafs Heinrich IV., der durch sein abentheuerliches Leben viel Aufsehen und langwierige Streitigkeiten erregte. Heinrich IV. hatte nämlich öffentlich erklärt, dass dieser für seinen eheligen Sohn gehaltene Jüngling nicht das Kind seiner Gemahlin Barbara von Anhalt, sondern einer Geliebten, Margarethe [48] Pigkler, sei; Heinrich der Verleugnete aber klagte über ihm widerfahrenes Unrecht und so kam es nach des Vaters Tode zu einem merkwürdigen Prozesse zwischen ihm und seinem jüngeren Bruder Heinrich V., der jedoch zum Nachtheile des Klägers entschieden wurde. – Ueber dieser geheimnissvollen Geschichte ruht ein undurchdringlicher Schleier. Als Heinrich der Verleugnete, welcher zu Schleussingen am Hofe des Grafen von Henneberg erzogen wurde, zum Jüngling herangewachsen war, liess ihn der Vater nach dem Schlosse Neuhartenstein holen, um ihn von dem Geheimnisse seiner unehelichen Geburt zu unterrichten, wobei Margarethe Pigkler sich als des überraschten Jünglings Mutter zu erkennen gab. Burggraf Heinrich nannte ihn bei dieser Gelegenheit einen Bastard, der nie an Erbfolge denken dürfe, doch versprach er ihm anständigen Unterhalt, und schickte ihn nach Schleusingen zurück. Da nun aber der Burggraf des verstossenen Sohnes in seinem Testamente gänzlich vergass, und auch seine Wittwe auf dem Sterbebette einigen Edelleuten feierlich erklärte, dass nur der jüngere Heinrich (V.) ihr leiblicher Sohn und Erbe sei, so trieb die Verzweiflung den Bastard zu einem wilden abentheuerlichen Leben. Er zog namentlich im Hennebergischen, Franken und an der Böhmischen Grenze umher, und nährte sich vom Stegreif, wobei ihn einige handfeste geharnischte Knechte unterstützten. Zu seinen besondern Freunden gehörten die Voigtländischen Edelleute Hans von Gösnitz, Fritz von der Heydte, Caspar von Kauffungen und Dietrich Draxdorf. Nach langem Herumstreichen wurde der Bastard gefangen, auf die Folter gebracht und als Wegelagerer und Landfriedensbrecher zum Tode verurtheilt, welches Urtheil jedoch der Kaiser in lebenslängliches Gefängniss umwandelte. Der arme Heinrich, wie er allgemein genannt wurde, erhielt in Wien ein kleines Quartier, wo man ihn mit dem nöthigen Lebensunterhalte versah und zur Aufsicht ihm einen Mann mit seinem Weibe beigab, denen vorgeschrieben war, den Gefangenen täglich vier bis fünf Schüsseln und guten Landwein vorzusetzen, wofür Heinrich V. wöchentlich fünf Thaler bezahlte. Ueber die weiteren Schicksale des Bastards fehlen alle Nachrichten, Heinrich V. aber starb im Getümmel des Krieges mit dem folternden Bewusstsein, durch seinen Hochmuth den Untergang seines Hauses angebahnt zu haben.

Bis zum siebzehnten Jahrhundert bildeten beide Rittergüter zu Freiberg nur ein solches; die Trennung erfolgte um das Jahr 1660. Das obere Gut besass zu Anfange des vorigen Jahrhunderts der kaiserlich Oesterreichische Rittmeister von Pegau, bis 1779 aber der Oberstlieutenant von Hayn. Das untere Gut gehörte 1738 dem Landkammerrath von Schwarzenfels und seit 1765 dessen Sohne, Rittmeister in königlich Würtembergischen Diensten. Zu Anfang dieses Jahrhunderts gehörten beide Rittergüter der Familie von Gössnitz. Der Besitzer von Freiberg obern Theils ist zur Zeit Herr R. W. von Petrikowsky.

Freiberg ist mit Rebersreuth, Gottengrün, Jugelsburg, Rentengrün, Siebenbrunn, Schönlind, Hermsgrün und dem obern und untern Hammer zu Leubetha in die Kirche zu Adorf eingepfarrt. Dieselbe wurde im Jahre 1511 erbaut, und ging im Laufe der Zeit einmal ganz, das andere Mal nur theilweise durch Feuer zu Grunde. Das gegenwärtige Gotteshaus entstand 1782 und der Thurm 1788. Es ist ein helles, geschmackvolles Gebäude mit trefflichen Gipsverzierungen und einer sehr guten Orgel von Trampeli. Das Vermögen der Kirche beträgt 600 Thaler.

H.     





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