An Margaretha von Brabant

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Textdaten
Autor: Dante Alighieri
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Titel: An Margaretha von Brabant
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aus: Epistolae aus:

Dante Alighieri’s prosaische Schriften mit Ausnahme der Vita Nova, Zweiter Theil. – S. 193–198

Herausgeber: Karl Ludwig Kannegießer
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Entstehungsdatum: 1311
Erscheinungsdatum: 1845
Verlag: F. A. Brockhaus
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: Karl Ludwig Kannegießer
Originaltitel: An Margaretha von Brabant
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: {{{KURZBESCHREIBUNG}}}
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[193]


VIII, IX, X. An Margaretha von Brabant, Gemahlin des Kaisers Heinrich VII., im Namen der Gräfin Katharina von Battisolle.

(1311.)


Ueber diese drei kürzesten unter den neuaufgefundenen Briefen Dante’s sagt Witte: „Sie sind nicht mit Dante’s [194] Namen bezeichnet, sondern in dem der Gräfin C.[1] (die Handschrift enthält blos den Anfangsbuchstaben) von Battisolle an Heinrich VII. Gemahlin, die Kaiserin Margaretha (von Brabant) gerichtet. Unter ihnen ist wieder der letzte und offenbar jüngste von Poppi im oberen Arnothal den 18. Mai 1311 datirt. Der erste könnte vielleicht noch aus dem Sommer 1310 herrühren, wo Heinrich’s Boten nach verschiedenen Richtungen Italien durchzogen und die Entfremdeten zu gewinnen, die Wohlgesinnten aber zu ermuthigen strebten. Der Inhalt beschränkt sich auf gerührten Dank für die besondere Gnade, mit der die Fürstin von ihres Gemahls und ihrem eigenen Ergehen Nachricht ertheilt hat. Der zweite Brief spricht in lebhaften Ausdrücken die theilnehmende Freude der Briefstellerin über die glücklichen Erfolge aus, welche die Kaiserin ihr gemeldet (vielleicht die Ereignisse in Asti, Nov. 1310), und endlich der dritte enthält fernere Versicherungen der Theilnahme an den glücklichen Fortschritten, und der Ergebenheit, denen sich, auf ausdrückliches Verlangen der Fürstin, kurze Mittheilungen über das Befinden der Schreibenden, ihres Mannes und ihrer Kinder anschließen.[2] – So sehen wir denn Margarethen, des Kaisers treue Gefährtin in des Zuges Mühen und Gefahren, auch schon von ferne klug bemüht, der Sache ihres Gemahls durch ein huldreiches Wort zur rechten Stunde selbst unter dem guelfischen Abel Anhänger zu gewinnen. Die Briefstellerin nennt sich in diesen Schreiben „Pfalzgräfin von Toskana,“ ein Titel, den sich sämmtliche Grafen Guidi der verschiedenen Linien beilegten. Vermuthlich haben wir in ihr die Gemahlin des [195] Guido, also die Mutter des „Fegefeuer VI, 17“ genannten Federigo Novello zu erkennen. Daß aber Dante der eigentliche Verfasser sei, wird aus mehren, in seinen lateinischen Schriften häufig wiederkehrenden Worten und Wendungen und aus dem Umstande wahrscheinlich, daß der Dichter eben um diese Zeit sich im obern Arnothal bei den Grafen Guidi aufgehalten. Dabei aber, wie Troya thut, eine Gefangenschaft Dante’s im Thurme von Porciano anzunehmen, dazu dürfte nicht der mindeste Anlaß sein.“


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1. Der durchlauchtigsten und Gütigsten Frau Margaretha, nach göttlichem Walten Kaiserin der Römer und allezeit Mehrerin des Reichs, entbietet ihre treueste C. von Battisolle, von Gottes Gnaden und kaiserlicher Herablassung Pfalzgräfin von Tuscien, mit eifrigster Empfehlung sich selbst sammt bereitwilligstem Dienste in tiefster Beflissenheit.


Als Euer Durchlaucht briefliche Zeilen sich den Augen der Schreiberin dieses und Glückwünscherin darboten, erfuhr meine lautere Treue, wie sehr sich das Herz treuer Untergebener bei den glücklichen Ereignissen ihrer Gebieter mitfreue. Denn aus dem Inhalte derselben entnahm ich mit voller Herzenserquickung, wie heilbringend die Rechte des allerhöchsten Königes die Wünsche des Cäsars und der Augusta erfüllte. Nachdem ich nun den Grad meiner Treue erprobt habe, wage ich auch mich dem Geschäft der Bittstellerin zu unterziehen, und rufe in das Ohr Eurer Hoheit die demüthigste Bitte und das inständigste Anliegen, daß Ihr geruhet, mit dem Auge des Geistes die einstweilige Probe meiner lauteren Treue zu betrachten. Aber weil einige der königlichen Ausdrücke mich aufzufordern schienen, sobald sich Gelegenheit der Botschaft darböte, Eurer Königlichen Hoheit etwas mit [196] Vorwahl von der Beschaffenheit meiner Lage mitzutheilen, so will ich, obgleich ein Schein von Anmaßlichkeit es verbietet, auf Antrieb der Tugend des Gehorsams dennoch gehorchen. Höre denn, da sie es befiehlt, die gütige und milde Majestät der Römer, daß zur Zeit der Absendung gegenwärtiger Zeilen mein vielgeliebter Gemahl und ich durch die Gabe Gottes uns wohl befanden im Genuß der Gesundheit unsrer Kinder und über das gewohnte Maß um so froher, je glücklichere Zeiten die Zeichen der neu sich erhebenden Herrschaft versprachen.

Abgesandte aus der Feste Poppi am 16. Mai im ersten Jahre des heilbringenden Zuges des Cäsar Heinrich nach Italien.


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2. Der Ruhmreichsten und Gnädigsten Frau, Frau Margaretha, nach göttlichem Walten Königin der Römer und allezeit Mehrerin des Reiches, legt C. von Battisolle, durch Gottes und begleitender Hochherrlichkeit Gnade Pfalzgräfin von Tuscien, die Pflicht ihrer eben so schuldigen als ergebenen Unterwürfigkeit zu Füßen.


Der vielwillkommene Brief Eurer Königlichen Leutseligkeit wurde eben so sehr von meinen Augen freudig erblickt, als von meinen Händen geziemendermaßen ehrfurchtsvoll empfangen; und als die Mittheilungen durch den Scharfblick des Geistes hindurchdringend sich versüßten, erglomm die Seele der Leserin von der Glut der Ergebenheit so sehr, daß niemals Vergessenheit den Sieg davon tragen und nie das Gedächtniß ohne Freude dessen gedenken kann. Denn was und wie bin ich, daß des tapfersten Cäsars Gattin sich herabläßt, mir von ihres Gatten und ihrem eigenen (gebe Gott dauerhaften) Wohlergehn zu erzählen? Dem solcher Ehre Gewicht forderten weder die Verdienste der Glückwünscherin, noch ihre eigene Würde, noch ziemte es so sehr hinabzubeugen [197] menschlicher Rangstufen Gipfel, von wannen, wie aus einem lebendigen Quell, heiligen Bürgerthums Beispiele für die Niederen sich ergießen müssen. Würdigen Dank abzustatten steht nun nicht in des Menschen Macht, aber nicht misziemt es dem Menschen, glaube ich, Gott um Ergänzung seines Unvermögens anzuflehen. So werde denn fortan des gestirnten Reiches Fürstenhof mit gerechten und frommen Bitten bestürmt und so erflehe es die Gemüthsbewegung des Bittenden, daß der ewige Regierer der Welt Belohnungen, die so große Herablassung ausgleichen, erstatte und zum Wahrzeichen des Cäsar und der Augusta die Rechte seiner mitwirkenden Gnade ausstrecke, daß Er, der dem Reiche der römischen Oberhoheit barbarische Nationen und Bürger zum Schutz der Sterblichen unterwarf, die Genossenschaft der bethörten Zeit unter den Triumphen und der Glorie seines Heinrich zur Besserung umbilde.


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3. Der gnädigsten und gütigsten Frau, Frau Margaretha, durch himmlischen Erbarmens Anschaun Königin der Römer und allezeit Mehrerin des Reichs, entbietet ihre ergebenste C. von Battisolle, durch Gottes und kaiserliche Gnadenfülle Pfalzgräfin von Tuscien, mit unterthäniger Kniebeugung die schuldige Pflicht der Ehrfurcht.


Des Königlichen Briefes gnadenreiche Beweise habe ich nach Vermögen mit Verehrung empfangen und dienstbeflissen eingesehen. Aber als ich die gesegneten Erfolge Eures beglückten Zuges mir traulich mitgetheilt sah, welch eine Freude da die Seele der Empfängerin ergriff, will ich lieber dem Stillschweigen, gleichsam als besserm Boten anvertrauen, denn Worte genügen der Darstellung nicht, wo die Seele selbst wie trunken erliegt. Daher ergänze die Fassungskraft Eurer Königlichen Hoheit, [198] was das Unvermögen der Schreiberin nicht deutlich zu machen versteht. Aber wie unausprechlich lieb und angenehm die Mittheilungen des Briefes auch waren, so vermehrt eine umfassendere Hoffnung noch die Ursachen der Freude und erfüllt zugleich gerechte Wünsche. Ich hoffe nämlich im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, welche, wie ich gewiß bin, niemals getäuscht oder gehemmt werden kann, und welche für das menschliche Bürgerthum durch einen ausgezeichneten Fürsten sorgte, daß die glücklichern Anfänge Eures Reiches immer gesegneter fortschreiten werden. So also ob Gegenwart und Zukunft frohlockend, kehre ich unverweilt zur Gnade der Augusta zurück und flehe mit zeitgemäßem Anliegen, daß Ihr geruhet, mich unter den sichern Schatten Eurer Hoheit zu nehmen, dergestalt, daß ich vor der Glut der Afterrede eines Jeglichen stets geschützt bin und zu sein scheine.



  1. Torri hat C. und nennt sie Catherina.
  2. Torri, dem ich folge, hat die Briefe anders geordnet als Witte. Die Nachrichten über das Befinden der Briefstellerin und ihrer Familie sind in dem ersten und der Dank für die Nachrichten von des Kaisers und der Kaiserin Wohlbefinden im zweiten der nachfolgenden Briefe enthalten.