An die Hofnung

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Autor: Gottfried August Bürger
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Titel: An die Hofnung
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 43–50
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1770
Erscheinungsdatum: 1778
Verlag: Johann Christian Dieterich
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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An die Hofnung.
Im August 1770.


     Wolthätigste der Feen!
Du, mit dem weichen Sin,
Vom Himmel ausersehen,
Zur Menschentrösterin!

5
Schön, wie die Morgenstunde,

Mit rosigem Gesicht,
Und mit dem Purpurmunde,
Der Honigrede spricht!

     Du, die mich oft erheitert,

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Vernim, o Hofnung, mich!

Mein freies Herz erweitert
Zu Lobgesängen sich.
Sie lodern mit dem Feuer
Des frommen Danks empor.

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O neig auf meine Leier

Dein algefällig Ohr!

     Als, mit dem goldnen Alter,
Der Unschuld Glük entwich,
Da sandten die Erhalter

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Gequälter Menschen dich:

Daß du das Unglük schwächtest,
Des Lasters Riesensohn,
Und Freuden wiederbrächtest,
Die mit der Unschuld flohn.

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     Nun wandelt im Geleite

Dir ewig Ruhe nach.
Im Aufruhr und im Streite
Mit grausem Ungemach,
Ertheilest du dem Müden,

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Eh gar sein Mut erschlaft,

Erquickung oder Frieden,
Und neue Heldenkraft.

     Du scheuchest von dem Krieger
Das Grauen der Gefar,

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Und tröstest arme Pflüger,

Im dürren Mangeljahr.
Aus Wind und lauem Regen,
Aus Sonnenschein und Thau,
Verkündest du den Segen

40
Der zartbesprosten Au.


     Von deinem Flügel düftet
Ein Balsam für den Schmerz.
Bei seinem Weben lüftet
Sich das beklomne Herz.

45
Dein Odem hauchet Kräfte

Verwelktem Elend ein;
Erstorbne kalte Säfte
Belebt dein milder Schein.

     Du bist es, die dem Kranken

50
Die Todesqualen stilt;

Mit wonnigen Gedanken
Von Zukunft ihn erfült;
In seinen lezten Träumen
Das Paradies ihm zeigt,

55
Und unter grünen Bäumen

Die Lebensschale reicht.

     Die du den armen Sklaven
Im dunkeln Schacht erfreust;
Von unverdienten Strafen

60
Erlösung prophezeist;

Dem im Tyrhenermeere
Die Last des Ruders hebst,
Und über der Galeere,
Wie Frühlingswehen, schwebst;

65
     O Göttin! Deine Stimme

Tönt der Verzweifelung,
In ihrem tauben Grimme,
Noch oft Beruhigung.
Dein holder Blik entwinket[1]

70
Sie gieriger Gefar.

Der Todesbecher sinket,
Der schon am Munde war. –

     Und ach! – Verschmähte Liebe
Bräch’ ihren Wanderstab

75
Getrost entzwei, und grübe

Sich vor der Zeit ihr Grab.
Doch du hebst ihr im Leiden
Das schlaffe Haupt empor,
Und spiegelst ihr die Freuden

80
Erhelter Zukunft vor.

     Das hat mein Herz erfahren! –
Schon lange wäre wol
Von meinen Trauerjahren
Die kleine Summe vol.

85
Dem Kummer hingegeben,

Brach mir bereits der Blik.
Du loktest mich ins Leben
Mit Schmeichelei zurük. –

     „Vielleicht, daß deiner Zären

90
Die lezte bald verschleicht.

Wie lange wird es währen?
So hauchest du vielleicht
Den Seufzer ihr entgegen,
Dem Lieb’ und Glük verliehn,

95
Die Harte zu bewegen,

Die unempfindlich schien.

     Und wählt sie auch hienieden
Dich nie aus Sterblichen,
So ist sie dir beschieden

100
Vielleicht bei Seligen.

Bei Seligen, wo Liebe
Die Seelen alle fült,
Und jede Brust die Triebe
Der andern Brust vergilt.

105
     Wann, sonder Erdenmängel,

Dein Reiz in Fülle blüht,
Und Anmut holder Engel
Dir aus dem Auge sieht;
Wann sich zur Engelseele

110
Die deinige verschönt,

Und himlisch deine Kehle
Zur Himmelsharfe tönt:

     Dann, süsser Lohn der Treue!
Beschleicht die leere Brust

115
Erbarmen oder Reue,

Vol reiner Liebeslust.
In Amaranthenlauben
Beseliget sie dich.“ –
O Paradiesesglauben,

120
Erhalt und stärke mich!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. entwinken = etwas abwenden (Grimm)