An meinen Freund Herrn P. St.

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Heinrich Julius Ludwig von Rohr
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: An meinen Freund Herrn P. St.
Untertitel:
aus: Neue Thalia. 1792–93.
1792, Erster Band,
S. 391–392
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Georg Joachim Göschen
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[391]
VI.
An meinen Freund Herrn P. St.
der mich gefragt hatte
ob ich die braunen Mädchen den blonden vorzöge?


Jüngst erst fragtest du, ob meinem Herzen
Näher läge brauner Locken Glanz?
Ob ich fröhnte blonder Mädchen Scherzen?
Ob ich beyden wände gleichen Kranz?

5
Schwer ist hier die Wahl! – Auf Ida’s Höhen,

Hat schon blind sich Paris fast gesehen;
Und ich armer später Enkel wär so dreist,
Noch zu richten über schöner Formen Geist? –

     Doch, es sey! ich will es muthig wagen,

10
Will dir dreist des Herzens Stimme sagen,

Und dein Beyfall sey mir hoher Lohn,
Bau’ ich deutscher Wahrheit einen Thron;
Ohne Dichterwerth sey dieses Blatt,
Werth der Wahrheit hat es übersatt! –

15
     Wenn die nie getrübte Aetherbläue

Ohne Ausdruck blaues Aug’ umschwimmt,
Blicket man nie ohne lange Reue
In das schwarze Aug, das flammend glimmt;

[392]

Gleich des Blitzes Stralen brennt es Wunden

20
Auch in wohlbewahrte Herzen ein;

Und doch sehnt man sich nicht zu gesunden,
Wollust ist der Krankheit süße Pein! –

     Und, wenn in des braunen Mädchens Blicken,
Ihrer schönen Seele Abbild glänzt;

25
Jede Edelthat mit Hochentzücken

Sie erfüllt, – sie gern den Edlen kränzt; –
Wenn beym Klange deutscher hoher Lieder,
Höher sich ihr deutscher Busen hebt;
Wenn das Elend jedes ihrer Brüder

30
Sie, der Gottheit gleich, zu mildern strebt;

Wenn bescheidne – milde Rosenröthe,
Von der Unschuld Lilienglanz umstralt,
Bey dem Klang der Hirten Abendflöte
sich auf ihrer Wange lieblich malt;

35
Wenn beym schwachen Ton von Lobgesängen

Ihr gesungen, Purpurflammen sich
Mit der lichten Schwanenweiße mengen,
Welche Wonne ist, die meiner glich? –

     Dann vergeß ich blauer Augen Glänzen,

40
Schaue gern in schwarzer Augen Nacht! –

Schmücke sie mit frischen Rosenkränzen
Verschmack sind sie […] von Himmelspracht.

v. R.