BLKÖ:Borsieri de Kanilfeld, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 76. (Quelle)
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Borsieri de Kanilfeld, Johann Baptist (Arzt, geb. zu Civezzano bei Trient 18. Febr. 1725, gest. zu Pavia 21. Dec. 1785). Die erste Jugend dieses Mannes war eine Kette von Unglück und Noth. In seinem sechsten Jahre verlor er in Folge einer Krankheit ein Auge. Bald darauf starb sein Vater und B. stand mittellos und verlassen da. Seine Neigung zur Medicin trat schon in seinem 14. Jahre so entschieden hervor, daß er sein ganzes Augenmerk auf seine Vervollkommnung in dieser Richtung wendete. Er betrieb das Studium der lateinischen und griechischen Sprache und zu gleicher Zeit der Anatomie. Zu letzter Ausbildung begab er sich 1743 nach Padua und Bologna; an ersterer Hochschule lehrten um jene Zeit Stellini die Moral-Philosophie, Poleni die Physik, Vallisnieri die Naturgeschichte, Pontadera die Botanik und Morgagni die Anatomie, an letzterer trugen Beccari, Balbo, Laghi und Azzoguidi [77] praktische Medicin vor, und schon 1844, erst 20 Jahre alt, konnte sich B. als Arzt in Faenza niederlassen, indem er vor der festgesetzten Zeit die Doctorswürde der Philosophie und Medicin erhalten hatte. Eine in dieser Stadt ausgebrochene Epidemie gab ihm Gelegenheit, sich berühmt zu machen. Im J. 1770 ward er von der Kaiserin Maria Theresia auf die medicinische Lehrkanzel zu Pavia berufen. B. hielt aus diesem Anlasse einen Vortrag „über die Ursachen, welche den Aufschwung der praktischen Heilkunde verhindert haben“. Im J. 1772 ward er zum Professor der praktischen Heilkunde ernannt; als solcher zeichnete er sich durch seine Sorgfalt um die Spitäler, durch seine instructiven Krankenbesuche in denselben aus, und gab Veranlassung zur Gründung der später so berühmt gewordenen Klinik zu Pavia. Im J. 1778 ward er Leibarzt am erzherzoglichen Hofe zu Mailand. Er schrieb mehrere Werke, darunter sein vorzüglichstes: „Institutiones medicinae practicae“ (Mailand 1781–1788, 5 Bde. 8°.) in alle Hauptsprachen Europa’s übersetzt; ferner „De anthelmintica argenti vivi facultate“ (Faenza 1753); – „Trattato delle acque di S. Cristoforo“ (Ebenda 1761); – „Oratio de retardata medicinae practicae perfectione“ (Pavia 1771); – „Nuovi fenomeni scoperti coll’ analisi chimicha del latte“ (Pavia 1772, 8°.); – „Dissertatio de praecipuarum partium inflammationibus“; – „Dissertatio de medicalis quassiae viribus“; – „Dissertatio de aneurismaticis praecordiorum morbis“; – „Dissertatio de noxiis mephitam halitibus“. – Auch gab er des Pietro Dall’ Armi „Saggi di medicina pratica“ (Faenza 1768) mit zahlreichen Bemerkungen und Zusätzen vermehrt heraus. Eine Sammlung seiner hinterlassenen Schriften erschien unter dem Titel: „Opera posthuma, quae exschedis ejus collegit atque edidit J. B. Berti“ (Verona 1820–22, 3 Bde. 8°.), worin die Abhandlungen: „De PulsibusDe morbis venereis“ und „De Febribus cutaneis non febrilibus“ enthalten sind. In Handschrift hinterließ er überdies: „La storia di Faenza colle memorie degli uomini illustri della stessa citta“ und „Consulti medici“, wovon einzelne Giamb. Berti in den „Nuovi Commenti di Medicina e Chirurgia,“ V. Bd., S. 353 und VI. Bd., S. 285 mitgetheilt hat. Was B.’s. Leistungen in der Wissenschaft betrifft, so wurden sie schon zu seiner Zeit sehr hochgestellt und noch in der Gegenwart haben sie Werth. Tommasini schreibt über seine „Institutiones medicinae practicae“: „Le dottrine mediche vi son tutte espresse nel lor piú semplice aspetto, tutte sottoposte alla critica più severa, tutte ponderate davanti le più sicure ed imparziali osservazioni; la sperienza e l’analisi guidarono quest’ uomo sommo a tali conseguenze, a tali massime, che intero quasi contengono lo spirito di sublime riforma ... le Istituzioni di medicina pratica di Borsieri presentano un’ opera clinica di cui non trovasi esempio presso le altre nazioni.“ – Als Lehrer war er l’idolo degli scolari. Als Mensch war B. human und wohlthätig; als Charakterzug mag gelten, daß er als k. Leibarzt in Mailand, selbst sehr leidend, reiche Leute, die ihn beriefen, nicht besuchte, da sie mit ihrem Vermögen noch andere geschickte Aerzte finden konnten; Arme aber, die seine Hilfe suchten, nie abwies; als ihm seine Freunde vorstellten, er möchte sich doch schonen, entgegnete er ihnen: „Wenn ich diesen Unglücklichen nicht beistehe, wer wird es denn thun? Sie liefen gewiß nicht zu mir, wenn sie anderswohin zu gehen wüßten.“ B. hatte im Leben mannigfaltige Ehren erfahren. Die [78] Bewohner von Faenza beriefen ihn in ihren Generalrath, welche Stelle er fünfundzwanzig Jahre lang bekleidete und in derselben die schon erwähnte Geschichte von Faenza niederschrieb. In Pavia verfolgte ihn der Neid seiner Collegen, denen er seine Ruhe und sein unerschütterliches Wohlwollen entgegensetzte. Im J. 1772 wurde er zur höchsten akademischen Würde, zu jener des Rector magnificus erhoben, welche er dreimal bekleidete und in dieser Eigenschaft die Disciplin und den Schulplan zweckgemäßer umstaltete. Auch wurde unter seinem Rectorate Maria Pellegrina Amoretti (siehe diese im I. Bde. des Lex. S. 32) zur Erlangung der Doctorwürde zugelassen. Als er starb, ließ ihm Giambatt. Manzoni, ein Mailänder, in der Universität von Pavia ein Marmordenkmal setzen, welches der Bildhauer Joseph Franchi vollendete, worin B.’s wohlgetroffenes Basreliefporträt und folgende Inschrift von Guido Ferrari sich befindet: „Jo. Bapt. Borsierio. Trident. | Faventiae, ob. promerita. civitate. donato. | Papiae. in. Univers. Reg. decennium. | Professori. primario. scientiae. medicae. | Hinc. Mediolani. septennium. Archiatro. | Ferdinandi. Archid. Aust. Gub. Insubr. | Religionis. modestiaeque. exemplis. spectatissimo. | item. doctrinae. monumentis. | Plus. quam. hic. scribi. poterit. | Jo. Bapt. Manzonius. Mediol. ae. s. |Amico. carissimo. p. | ob. a. MDCCLXXXV. aetati. LXI. |

Clock (Leonardo dei), Notizie biografiche intorno G. B. Borsieri de Kanilfeld (Mailand 1839, 8°.). – Carminati (Bassiano), Elogio storico di G. B. Borsieri (Mailand 1810, 8°.). – Borsieri (Giambattista), Del polso. Trattato postumo. Traduzione del Dr. Jacopo Facen (Mailand 1854, 8°, ) [voran geht das Leben Borsieri’s S. 7–39; daselbst auch sein Porträt]. – Biographie médicale. – Ugoni, Secoli della Letteratura italiana. – Nuova Enciclopedia popolare. – Tipaldo, Biografia degli Italiani illustri. – Cosmorama pittorico 1854, S. 275, mit B.’s Portr. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) VI. Bd. Sp. 747 [nennt ihn falsch de Kanifeld; gibt auch irrig den 14. Februar 1725 als B.’s Geburtstag und den 21. Jänner 1785 als Todestag an]. – Dandolo (Tullio), Italia nel secolo passato sino al 1789 (Milano 1853) S. 475. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1842, Bibl. Inst, 8°.) V. Bd. 4. Abtheil. S. 251. – Universal-Lexikon von Pierer (Altenburg 1841) V. Bd. S. 148.