BLKÖ:Colloredo-Melz und Wallsee, Anton Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 419. (Quelle)
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Colloredo-Melz und Wallsee, Anton Graf (Feldmarschall, geb. 14. Nov. 1707, gest. zu Wien 17. März 1785). Sohn des Grafen Hieronymus aus der böhm. österr. Linie (geb. 1674, gest. zu Wien 2. Febr. 1726), welcher für sich und seine Familie das Oberst-Erbtruchseßamt erworben hatte, von 1714– 1717 Landeshauptmann in Mähren und dann Gouverneur in Mailand war. – Sein zweitältester Sohn Graf Anton, von seiner Kindheit zum Soldatenstande bestimmt, trat im J. 1728 in das kaiserl. Heer ein. Im J. 1737 war er bereits Oberst bei Deutschmeister-Inf., 1742 General-Feldwachtmeister und 1744 Inhaber des Inf.-Reg. Nr. 20. Im Jahre 1747 focht er in Italien und zeichnete sich bei Vertheidigung des Col di Assietta aus. Im J. 1749 k. k. wirkl. geh. Rath und FML., 1752 General-Feldzeugmeister, 1756 Hauptmann der k. k. adeligen Arcieren-Leibgarde, dann wirklicher Hofkriegsrath, erhielt er im Jahre 1760 die höchste milit. Würde, die eines General-Feldmarschalls. Auf den Schlachtfeldern von Ungarn und Italien, in den Feldzügen gegen die Türkei, Frankreich und Preußen hatte sich der Graf als umsichtiger und muthvoller Führer erwiesen. Im J. 1766 zum Ober-Director der k. k. Militär-Akademien ernannt, verwendete er den ganzen reichen Schatz seiner Erfahrungen und seines durchgebildeten Wissens, um aus der seiner Sorge anvertrauten Jugend einen kräftigen Nachwuchs heranzubilden. Er regelte die Bildungsverhältnisse, schaffte unnöthige Lehrfächer ab und fügte dagegen neue dazu. Das im J. 1768 durch ein Erdbeben baufällig gewordene Akademie-Gebäude wurde durch seine Verwendung innerhalb 3 Jahren in vergrößerter Form hergestellt. Die ersten Grundzüge u. Vorschriften für diese Anstalten stammen von ihm. Auch das erste und einzige gedruckte Akademie-Reglement vom J. 1775 ist seine Schöpfung. Die vielen berühmten Männer, [420] die aus diesen Anstalten hervorgegangen, bezeugen zur Genüge, daß der Graf es verstanden hat, dem Zwecke der Anstalt entgegenzukommen. In der Zeit seines Directorats war er von 1768 bis 1771 Botschafter des Großmeisters von Malta am k. k. Hofe, seit 1777 Großprior von Ungarn, und beschloß seine rühmliche Laufbahn mit dem Rufe eines edlen Menschenfreundes, eines eifrigen Patrioten und tapfern Kriegers; er ist in der Familiengruft bei den Franciskanern zu St. Hieronymus in Wien begraben.

Leitner von Leitnertreu (Th. Ig.), Geschichte der Wiener-Neustädter Militärakademie (Hermannstadt 1852, Steinhausser) I. Thl. S. 90. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 18. Thl. S. 287, linke Spalte: a) Fürstliche Linie. – Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851), I. Bd. S. 733.