BLKÖ:Colloredo, die Familie, Genealogie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 416. (Quelle)
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Colloredo, die Familie (Genealogie). Die Burg Colloredo, die der Familie den Namen gab, liegt in der Nähe des Fleckens Melz, auch Melso und Melzo in Friaul. Sie wurde von Wilhelm von Melz (1302) erbaut. Als eigentlicher Ahnherr wird aber der edle Alemannier Heliabordus betrachtet, welcher nach dem Römerzuge des Kaisers Konrad II. von [417] dem Patriarchen Popo von Aquileja durch Belehnung mit dem Gebiete von Melz (1025 oder 1031) bewogen wurde, seinen Wohnsitz in Friaul aufzuschlagen. Heliabords Bruder Heinrich ist der Ahnherr der Herren von Wallsee in Schwaben geworden. – Wilhelm Herr zu Melz und Colloredo hatte vier Söhne: Matthiusius (starb unvermält), Asquinus, Bernhard und Weikard gründeten die drei Hauptlinien des Hauses. A. Die Asquinische Hauptlinie. Des Asquinus (1303–1327) Urenkel: Johann I. und Friedrich hatten Nachkommen; die des Johann starben mit Ludwig (1694) aus. Von Friedrichs Nachkommen erhielt Ludwig von Kaiser Rudolph mit seinem ganzen Geschlechte den 19. März 1588 den Freiherrnstand, und am 31. Juli 1591 die Erlaubniß, sich des Titels und Wappens der ausgestorbenen Herrn von Wallsee zu bedienen. Er vermälte sich mit der Gräfin Perla von Polcenigo, mit welcher er neun Kinder erzeugte, von denen Lelius, Hieronymus und Rudolph von Kaiser Ferdinand II. (1624) sammt dem ganzen Geschlechte in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. Rudolph widmete die Herrschaft Opoczno und 85,000 fl. Capital, im Ganzen 465,219 fl. zu einem Familien-Fideicommiß. – Sein Bruder Hieronymus fiel beim Entsatze von St. Omer, – dessen Sohn Ludwig († 28. Dec. 1698) hinterließ eine einzige Tochter Maria Josepha Antonia, welche sich mit dem Sohne des berühmten Generals Montecuculi vermälte, ihren Gemal um 41 Jahre überlebte, 2. Jänner 1738 starb und 600,000 fl. Capital nebst 2 Millionen in Gütern hinterließ, welche ihrem Vetter Camillus zufielen; mit ihr erlosch die Asquinische Linie. – B. Die Bernhardinische Hauptlinie. Bernhards Ururenkel Hieronym und Thomas gründeten die Linien zu Mantua und Melz. I. Des Hieronymus Urenkel Orazio (geb. 1588, gest. 1646) war seit 1624 Reichsgraf. Sein ältester Sohn Johann Baptist starb kinderlos (1649), sein Bruderssohn Johann Baptist (gest. 1729) hinterließ zwei Söhne: Karl Ludwig (geb. 22. Aug. 1698, gest. 1767) und Camillus (geb. 17. Sept. 1712, gest. 21. Dec. 1797); a) Karl Ludwig ist der Stifter der Mantuanischen Linie, und hatte drei Söhne: Karl Octav (s. d.), Anton Theodor (s. d.) und Johann Baptist Franz (s. d.); b) Camillus stiftete die böhmische Linie, wurde der Universalerbe seiner Muhme, der Fürstin Montecuculi (s. oben). Seine Söhne Franz de Paula, Karl und Joseph (gest. 9. März 1795) hinterließen jeder mehrere Kinder. – II. Von Thomas pflanzt sich die eigentliche Linie von Melz fort. Des Thomas Sohn Johann schloß (1543) mit seinen Vettern Marius, Fabius und Bernardin einen Successionsvertrag; und Johann Thomas (1701) nach Abgang der 1693 in dem Grafen Ludwig erloschenen Hauptlinie einen andern mit Fabricus Colloredo von der jüngsten Linie über die Erbfolge zu gleichen Theilen in den Stammherrschaften Colloredo und Melz. Von des Johann Thomas Bruder Ascanius stammen die heutigen Grafen von Melz, deren Haupt gegenwärtig Jakob Graf von Melz-Colloredo (geb. 7. Febr. 1807) ist. C. Die Weikardische Hauptlinie. Von Weikard dem letzten Sohne Wilhelms stammt Simon, der Graf Heinrich V. von Görz (1398), mit dem Gebiete von Valle Muzana belehnt. Einer seiner Urenkel Albertinus pflanzte das Geschlecht in den Söhnen Camillus und Fabius fort. Letzterer hatte sechs Söhne, darunter den berühmten Fabricius (geb. 1576, gest. 1645), des Großherzogs [418] Ferdinand von Toscana Liebling, der zu den wichtigsten Staatsgeschäften und zu nicht weniger denn 36 Gesandtschaften verwendet wurde. Sein Neffe Fabius pflanzte das Geschlecht in seinen Söhnen Ferdinand und Fabricius II. fort. Des Letztern Sohn Leander (geb. 25. Sept. 1639, gest. 8. Jänner 1709), ein berühmter Theolog, starb als Cardinal und Großpönitentiarius; – sein Bruder Ferdinand gründete durch seine Söhne: Hieronymus und Rudolph die noch heut blühende fürstliche und die jüngere Rudolphinische Linie. I. Hieronymus (geb. 1674, gest. 1726) erbte nach Erlöschen der Asquinischen Hauptlinie die Fideicommiß Herrschaft Opoczno und erlangte 1723 für sich und seine Nachkommenschaft das Oberst-Erbtruchseßamt in Böhmen. Er hatte vier Söhne: Anton (geb. 14. Nov. 1707, gest. zu Wien 1785) (s. d.); Philipp (starb 19 J. alt); Karl (geb. 1718, gest. zu Venedig 1786) und Rudolph Joseph (geb. 6. Juli 1706, gest. 1. Nov. 1788) (s. d.), der am 29. Dec. 1763 vom Kaiser Franz I. mit seiner männlichen Descendenz nach dem Rechte der Erstgeburt in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, wozu im nämlichen Jahre die böhmische Fürstenwürde, im Jahre 1765 das ungarische Indigenat hinzukam. Rudolph Joseph hatte aus seiner Ehe mit Marie Gabriele Gräfin von Starhemberg, mit welcher er im Juli 1777 die goldene Hochzeit gefeiert, 18 Kinder, darunter: der Erstgeborne Franz de Paula Gundaccar I. (geb. 1731, gest. 1807) (s. d.); Hieronymus, Joseph Maria; und Wenzel Joseph. – Franz de Paula Gundaccar vermälte sich (6. Jänner 1771) mit Maria Isabella Anna Ludmilla Reichsgräfin von Mannsfeld und erhöhte mit ein Ansehnliches den Glanz und Reichthum des Hauses. Sein Einkommen betrug jährlich 400,000 fl. – Hieronymus I. (geb. 31. Mai 1732, gest. 20. Mai 1812) war Erzbischof von Salzburg (s. d.). – Joseph Maria (geb. 1735, gest. 26. Nov. 1818) (s. d.) war k. k. Feldmarschall u. Wenzel Joseph (geb. 1738, gest. 1822) war gleichfalls Feldmarschall. – Des Hieronymus ältester Sohn, Fürst Rudolph Joseph ist Majoratsherr; sein zweiter Sohn Hieronymus II. (geboren 30. März 1775, gestorben 1822) (s. d.) war General-Feldzeugmeister. – II. Des Grafen Ferdinand zweiter Sohn Graf Rudolph (geb. 1676, gest. 1714) erlangte 1701 durch Vertrag mit seinen älteren Brüdern Fabius und Hieronymus das Marquisat St. Sophia und die Friauler Herrschaften Susans, Sterpo, Muzana, Feletti, Monastero. Mit seiner Gemalin, einer Gräfin Silvestri, hatte er einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn Fabius Leander (gest. 1772), Gouverneur von Fort Urbano im Bolognesischen, hatte mit der Gräfin Theresia de Flamini das Marquisat Recanati in der Mark Ancona erheiratet. Ihm folgte sein Sohn Hieronymus, welcher fünf Söhne hinterließ. – Das Haus Colloredo theilt sich demnach, nachdem die I. Hauptlinie, die Asquinische, mit dem Tode des Grafen Ludwig (1693) im Mannesstamme mit seiner Tochter Maria Josepha Antonia (siehe oben) in weiblicher Linie erloschen ist, gegenwärtig in die Bernhardinische u. Weikardische Linie. Die Bernhardinische wieder zweigt sich ab in die ältere mantuanische und in die jüngere böhmische (Colloredo-Wallsee); die Weikardische in die fürstliche (Colloredo-Mannsfeld, diesen Beisatz führend seit der Vermälung des Fürsten Franz de Paula Gundaccar mit Maria Isabella Anna Ludmilla Reichsgräfin von Mannsfeld) und die Rudolphinische Linie (Colloredo-Melz). – Aus der großen Menge derselben [419] wählen wir von jenen, welche in den Zeitraum des letzten Jahrhunderts fallen, für das Lexikon die Folgenden: Anton Graf Colloredo-Metz und Wallsee; – Anton Theodor Graf Colloredo-Melz und Wallsee; – Ferdinand Graf Colloredo-Mannsfeld; – Franz de Paula Gundaccar I. Fürst Colloredo-Mannsfeld; – Franz de Paula Gundaccar II. Fürst Colloredo-Mannsfeld ; – Hieronymus I. Graf Colloredo-Mannsfeld; – Hieronymus II. Graf Colloredo-Mannsfeld; – Johann Baptist Franz Graf Colloredo-Melz und Wallsee; – Joseph Maria Graf Colloredo-Melz und Wallsee; – Karl Octav Graf Colloredo-Melz u. Wallsee; – Rudolph Joseph Fürst Colloredo-Melz und Wallsee; – Wenzel Joseph Graf Colloredo-Melz und Wallsee.

Wappen der Colloredo: Eine silberne Binde im schwarzen Felde. Das Wappen der fürstlichen Linie ist geviertet: 1 und 4 Colloredo, 2 und 3 Melz, ein oben und unten eckig gezogener schwarzer Schrägbalken im silbernen Felde; im Herzschilde erscheint nochmals das Wappen von Colloredo mit dem Reichsadler auf der Binde. Diesem Wappenschilde wurden in neuerer Zeit noch zwei Felder aus dem Mannsfeld’schen Wappen beigefügt; in der oberen Reibe das letzte Feld silbern, der Länge nach getheilt; die vordere Hälfte 6mal querüber roth durchstreift, die linke Hälfte mit 6 rothen Rauten, 3 und 3 belegt; in der unteren Reihe das vordere Feld schwarz mit einem silbernen Adler. – Wißgrill gibt das Wappen mit einigen Veränderungen an. Vergleiche darüber (Kneschke Ernst H. Prof.), Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1852, Weigel, 8°.) I. Bd. S. 163 [mit der Abbildung des Wappens]. – Hellbach (Joh. Christian v.), Adels-Lexikon (Ilmenau 1825, Voigt) I. Bd. S. 239. – Die Familie der Colloredo ist eine der glorreichsten im Kaiserthume, fünfzehn Colloredo bekleideten die Generalscharge u. viele die Feldmarschallswürde, mehrere waren Ritter des gold. Vließes, andere wieder waren in den höchsten und wichtigsten Staatsämtern und in denkwürdigen Zeitepochen thätig.