BLKÖ:Czartoryski, Constantin Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 88. (Quelle)
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Czartoryski, Constantin Fürst[BN 1] (geb. zu Puławy 28. Oct. 1773). Wurde im elterlichen Hause erzogen. Nach der zweiten Theilung Polens fand die Sequestration des größten Theiles des fürstl. Vermögens durch die russische Regierung statt und fruchtlos blieben alle – ja selbst des österr. Hofes – Bemühungen, um Aufhebung des Sequesters. Als die Kaiserin Katharina den Wunsch äußerte, die beiden Söhne möchten in russische Dienste treten, reisten die Fürsten Constantin und sein älterer Bruder Adam[WS 1] nach Petersburg (1795), fanden eine auszeichnende Aufnahme durch die Kaiserin und traten in die Garden als Officiere ein. Fürst C. wurde dem Großfürsten Constantin als General-Adjutant zugetheilt, während hier die freundschaftlichen Beziehungen des Fürsten Adam zum nachherigen Kaiser Alexander in’s Leben traten. Nun wurde auch der Sequester aufgehoben. Beide Fürsten blieben während der letzten Lebensjahre der Kaiserin Katharina und des größten Theiles der Regierung Kaiser Pauls, welcher dem Fürsten C. ebenfalls sehr gewogen war, bis 1799 in Petersburg und reichten im genannten Jahre ihre Demission ein, um zu den Eltern nach Puławy zurückkehren zu können. Ende 1800 (nach dem Tode Kaiser Pauls) begab sich Fürst C. nach Moskau zur Krönung Kaiser Alexanders und blieb alsdann bis 1801 in Petersburg, in welchem Jahre er nach Polen zurückkehrte. Im J. 1803 fand die erste Vermälung des Fürsten [89] Constantin mit der Prinzessin Radziwill Statt. Zur Zeit des Großherzogthumes Warschau unter dem Könige von Sachsen (1809) trat Fürst Czartoryski in die polnische Armee unter Fürst Joseph Poniatowski ein und errichtete ein Regiment auf eigene Kosten. Nach dem Tode der ersten Gemalin (16. Sept. 1808) vermälte sich der Fürst 1810 noch einmal mit Maria Gräfin Dzierzanowska, reiste 1811 nach Paris, wo er dem Kaiser Napoleon vorgestellt wurde. Den russischen Feldzug unter Napoleon (1812) machte er im polnischen Corps des Fürsten Poniatowski mit; und war in den Kämpfen bei Smolensk und Moskowa thätig; bei Moskowa wurde ihm das Pferd durch eine Kanonenkugel unter dem Leib getödtet. Bei Smolensk erhielt der Fürst das einfache Kreuz, bei Moskowa das Officierkreuz der Ehrenlegion aus Napoleons Händen. Nach der Ankunft in Moskau mit der Armee, war er an einer weitern thätigen Theilnahme an dem Feldzug in Folge der heftigen durch den Sturz erlittenen Erschütterung verhindert trat auch 1813 wegen anhaltender Kränklichkeit ganz aus dem Dienste. Der Fürst hielt sich nun theils in Polen auf, theils machte er Reisen im Auslande. Auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers Alexander (1816), welcher den Fürsten C. zum kaiserl. General-Adjutanten ernannte, kehrte der Fürst nach Petersburg zurück, wo er aber schon 1817 wegen Kränklichkeit seine Demission einreichte, die ihm verweigert und ihm dafür ein unbestimmter Urlaub ertheilt wurde. Auf wiederholtes schriftliches Bitten erhielt er endlich die Demission (1818) und nun zog sich Fürst C. gänzlich in’s Privatleben zurück. 1822 begab sich der Fürst auf den Congreß nach Verona, um den Kaiser Alexander noch ein Mal (zum letzten Male) zu begrüßen. Nun lebte er abwechselnd einige Jahre in Polen, Frankreich, Italien, in der Schweiz und ist seit 1828 in Wien ansäßig. Daselbst kaufte er von dem engl. Botschafter Lord Cowley (1832) die Villa van der Nüll in Weinhaus, welche er bedeutend vergrößert und verschönert hat. In einem eigenen hiezu erbauten Locale daselbst ist eine Gemäldesammlung von bedeutendem Werth, besonders aus den altitalienischen Schulen aufgestellt. Während des Aufenthaltes durch volle 3 Decennien in der Residenz ist der Fürst den ererbten Tugenden seiner Ahnen treu und stets ein Mäcen der Künste und Wissenschaften geblieben. Sein Haus war seit jeher der Versammlungsplatz der Elite der Künstlerwelt. Erst in jüngster Zeit meldet von dem Fürsten Constantin und seinen Söhnen ein größeres politisches Blatt der Residenz „Noch weilt jeden Sommer in Weinhaus die fürstliche Familie Czartoryski, die einzige unter dem hohen Adel, die in unseren Tagen das musikalische Mäcenatenthum in Wien vertritt.“

Oestr. Zeitung (Wien, Folio) Abendausgabe 1857, Nr. 348: „Wiener Sommerfrischen und ihre Geschichte. Währing und Weinhaus“ von Charles Müller.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Czartorysky, Constantin Fürst [s. d. Bd. III, S. 88], gestorben zu Wien 23. April 1860.
    Wiener Zeitung 1860, S. 1726. – Deutsche Musik-Zeitung, redigirt von Selmar Bagge (Wien, 4°.) 1860, Nr. 18. – Werschetzer Gebirgsbote 1860, Nr. 19. – Ost-Deutsche Post 1857, Nr. 255 [enthält die Beschreibung des Denkmals, welches der Fürst seiner (am 28. November 1842 zu Wien verstorbenen) Gemalin Fürstin Marie geb. Gräfin Dzierzanowska auf dem Währinger Friedhofe errichten ließ. Das schöne, in carrarischem Marmor ausgeführte Werk ist eine Schöpfung des jungen polnischen Künstlers Heinrich Stattler). [Bd. 11, S. 386.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Adam Jerzy Czartoryski (Wikipedia).