BLKÖ:Czehovini, Andreas Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 96. (Quelle)
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Czehovini, Andreas Freiherr von (Hauptmann, Ritter des Mar. Theresienordens, Inhaber der goldenen und großen silbernen Tapferkeits-Medaille, geb. zu Prenocow im Küstenlande 1810, gest. zu Baden bei Wien 10. Sept. 1855). Sein Vater war Grundbesitzer. Im J. 1831 wurde C. zu dem damaligen 4. Artillerie-Reg. als Unterkanonier assentirt und war schon ein Jahr später Oberkanonier; kam im April 1835 als Bombardier in’s Bombardier-Corps, wo er 1841 Feuerwerker und im J. 1847 Oberfeuerwerker wurde. Beim Beginne des italienischen Feldzugs 1848 war C. als 2. Commandant der Cavallerie-Batterie Nr. 2 in der Brigade Fürst Liechtenstein, Division Wimpffen, Corps des FZM. Baron d’Aspre eingetheilt. Als am 29. Mai die Avantgarde der östr. Armee bei Montenara dem vortheilhaft [97] aufgestellten Feinde gegenüberstand, sprengte C. mit seinen 2 Haubitzen gegen denselben vor, eröffnete auf die an der Straße von Mantua aufgestellten toscanischen Geschütze, die ihn mit einem furchtbaren Kugelregen überschütteten, ein kräftiges Feuer, welches er trotz einer durch einen Granitsplitter erhaltenen Wunde so lange fortsetzte, bis die feindlichen Geschütze verstummen mußten. Drei andere feindliche Geschütze, die eben um ihr mörderisches Feuer zu beginnen vorgerückt waren, ließ er gar nicht zum Schusse kommen, griff sie an, erbeutete sie und mit ihnen die Pulverkarren, Pferde und mehrere Gefangene. Diese That wurde mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille belohnt. Von Neuem zeichnete er sich bei Somma-Campagna am 25. Juni aus. Die Uebermacht des Feindes begann unsere Truppen zu drücken. Der Moment war entscheidend. C. sprengte mit seiner Batterie vor, obwohl ihm doppelt soviel Geschütze gegenüberstanden und das Kleingewehrfeuer des Feindes mörderisch wirkte. Nichtsdestoweniger beschoß C. die vorrückenden Sturmcolonnen des Feindes mit seinen Geschützen so gewaltig und wirksam, daß letzterer plötzlich, sein Vordringen aufgebend, Kehrt machte und in großer Verwirrung die Flucht ergriff. Da der Batterie-Commandant-Oberlieutenant Pauer bei dieser Affaire den Tod der Ehre starb, übernahm Oberfeuerwerker Czehovini das Commando, leitete allein das Feuer und als mehrere seiner Leute verwundet worden, bediente er sogar selbst das Geschütz. Der Feldmarschall verlieh ihm auf Anempfehlung des FML. Wimpffen im Lager von Gazzoldo die goldene Tapferkeitsmedaille. Schon am folgenden Tage, als der Hauptmann John des Generalstabes das Anrücken der großen feindlichen Streitmacht meldete, und sich die Brigade dem Orte Volta näherte, traf C. mit seinen Geschützen so glückliche Dispositionen, daß der wiederholt vorrückende Feind wiederholt zurückgeworfen wurde. C. wurde in Folge dessen Unterlieutenant und Commandant der Batterie. Was die Verleihung des Ritterkreuzes des Mar. Theresien-Ordens betrifft, so lassen wir am entsprechendsten das Tapferkeitszeugniß selbst sprechen, darin heißt es: „Artillerie-Lieutenant Czehovini, Commandant der 2. Cavallerie-Batterie bei der Brigade des GM. Grafen Kolowrat, hatte in dem Gefechte bei Mortara am 21. März 1849 gleich beim Beginne desselben das Terrain bis in die Nähe des Feindes recognoscirt und nach Ueberwindung vieler Hindernisse eine halbe Batterie links von der Straße in der Höhe der Plänklerkette des 9. Jägerbataillons, 300 Schritte von dem feindlichen Geschütze, in das Feuer gebracht. Er stellte seine Geschütze so vortheilhaft hinter einem Erdwalle auf, daß sie von dem in Anzahl und Größe der Kaliber weit überlegenen feindlichen Geschütze nichts zu befürchten hatten, den Gegner aber so kräftig beschossen, daß er wegen bedeutender Verluste die Stellung verändern und endlich sich ganz aus dem Feuer ziehen mußte. Als hierauf die kais. Truppen zum Sturme vorrückten und der Feind neuerdings mit mehreren an der Straße und links von derselben am Eingange aufgestellten Geschützen die Stürmenden kräftig beschoß, nahm C. die halbe Batterie im Trab auf Kartätschenschußweite vor und richtete ein so verheerendes Feuer gegen den Feind, daß dieser das seine einstellen mußte; dabei geriethen durch C.’s Batterie die feindlichen Massen in solche Unordnung, daß nunmehr ohne bedeutenden Verlust der Sturm ausgeführt werden konnte, wobei 5 Geschütze, mehrere Karren, viele Waffen erbeutet, und bei 1600 Gefangene gemacht wurden. [98] In der Schlacht bei Novara am 23. März hatte C. gleich beim Beginn des Gewehrfeuers auf Befehl des FZM. Baron d’Aspre, um das Entwickeln der eigenen Truppen zu unterstützen, eine halbe Batterie nach Beseitigung vieler Hindernisse, rechts von der Straße von Olengo durch die Felder im Trab in der Höhe der Plänklerkette des 9. Jägerbataillons auf eine Entfernung von 800 Schritten, den 16 auf die auffahrende halbe Batterie heftig feuernden piemontesischen Geschützen entgegengestellt, wobei sein Feuer so mörderisch wirkte, daß in kurzer Zeit drei feindliche Geschütze demontirt und sehr viele Mannschaft und Pferde dienstunfähig wurden. Nach einer halben Stunde hatte der Feind das linke Geschütz der Czehovinischen halben Batterie durch eine Granate, welche in die in der Wurst befindliche Munition fiel, in die Luft gesprengt, 4 Mann stark verbrannt, 1 Mann und 3 Pferde getödtet und 3 Mann und 4 Pferde blessirt. Trotz dieses bedeutenden Verlustes, die sehr gefährliche Lage des 9. Jägerbataillons und des Inf.-Regts. Franz Karl erwägend – da beide ohne Unterstützung durch die vorrückenden feindlichen Massen aufgerieben werden mußten – nahm C. die zwei Geschütze schnell im Trab auf Kartätschenschußweite vor, und entwickelte auf den stürmenden Feind ein so heftiges Feuer, daß zwei Massen ganz auseinanderstoben, die übrigen in Unordnung kamen und in dieser Weise dem Sturme vorgebeugt werden konnte. Nunmehr noch kräftiger durch das feindliche Feuer beschossen, wurde dem Lieutenant Czehovini das zweite Geschütz demontirt und 2 Mann und 1 Pferd blessirt. Nun mit dem Einen übrig gebliebenen Geschütze unterhielt er noch so lange ein mörderisches Feuer, bis das 9. Jägerbataillon und Franz Karl Infanterie sich zurückgezogen hatten. Gleichzeitig ließ er die zwei demontirten Geschütze in brauchbaren Stand setzen, die losgerissenen Pferde, die zerstückelten Zugwägen und Geschirre in aller Eile praktisch herstellen und begrüßte den schon nahe gerückten Gegner mit noch einigen Kartätschenschüssen. Nur diesem seltenen Ausharren war es zu danken, daß sowohl das 9. Jägerbataillon, als das Franz Karl Inf.-Regmt., wie auch die zwei demontirten Geschütze der drohenden Gefahr, in Feindeshände zu gerathen, entgingen.“ – Im Nov. 1849 wurde C. Oberlieutenant und kam vom Bombardiercorps in’s 2. Artillerie-Reg. In Rücksicht seiner Verdienste wurde C., weil eine Vorrückung im Regimente nicht so bald Statt finden konnte, im Dec. 1852 von Sr. Majestät zum Rittmeister bei dem 1. Uhlanen-Reg. Graf Civalart außer der Tour befördert und im März 1854 als Hauptmann II. Classe in’s 2. Artillerie-Reg. zurückversetzt, wo er im Oct. 1854 Hauptmann I. Classe wurde. Im Juli 1855 kam er, um sich zu erholen, aus seiner Garnison bei Mantua nach Baden bei Wien, wo er unerwartet am 10. Sept. seine ruhmvolle Lebenslaufbahn beschloß. C. ist in der östr. Armee der Einzige, welcher die silberne, die goldene Tapferkeitsmedaille und das Maria Theresienkreuz zugleich trug, denn erst seit 1848 bestand die Vorschrift, daß alle erworbenen Medaillen getragen und nicht wie früher bei Erhalt der goldenen die silberne rückgelegt werden müsse; aber selbst wenn diese Vorschrift nicht bestanden hätte, so würden in der österr. Armee doch nur noch zwei ihre Brust mit den silbernen und goldenen Medaillen und dem Mar. Theresienkreuz zugleich haben schmücken können, nämlich: Der Oberlieutenant Johann Georg Freiherr Fastner v. Neumarkt (gest. 1811) und der Rittmeister Joseph Ritter Altmann (gest. 1831).

Oestr. Soldatenfreund (1850) Nr. 67. – Oestr. Militärzeitung (1855) Nr. 99. – Dieselbe [99] Nr. 104. – Oestr. Militär-Kalender für das Jahr 1857. Herausgeg. von Dr. J. Hirtenfeld (Wien 1857, Gerold, 8°.) VIII. Jahrg. S. 181. – Wiener Zeitung (1855) Nr. 225, S. 2499. – Adelstands-Diplom vom 20. Juni 1850. – Wappen: Ein blauer Schild, in welchem auf einem im Schildesfuße sich verbreitenden Erdgrunde drei aus dem rechten Seitenrande schräglinks hintereinander hervorragende Häuser eines Dorfes und zwischen den beiden letzteren eine mit einem Ziegeldache versehene Kirche nebst ihrem Thurme, dann eine aus dem linken Seitenrande hervorgehende aus Quadersteinen erbaute Bastion mit zwei zu beiden Seiten ihrer Ecken angebrachten Scharten und in diesen die Mündungen von vier Kanonen zu sehen sind. Nächst dem Haupte fliegt eine weiße einen Oelzweig im Schnabel emporhaltende Taube. Schildhalter. Zwei auswärtssehende geharnischte Männer, deren Helme mit drei Straußfedern und zwar eine silberne zwischen zwei blauen besteckt und die Visire geöffnet sind. Jeder derselben mit einem Schwerte an einem goldenen Gefäße, jener zur rechten Seite mit der linken und der zur linken mit der rechten Hand den Schild anfassend und den andern Arm in die Hüfte stützend.