BLKÖ:Dies, Albert Christoph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Dienzenhofer
Nächster>>>
Diesbach, Johann
Band: 3 (1858), ab Seite: 286. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Albert Christoph Dies in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119298937, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Dies, Albert Christoph|3|286|}}

Dies, Albert Christoph (Künstler, geb. zu Hannover 1755, gest. zu Wien 28. Dec. 1822). Sein Vater, landschaftlicher Witwen-Cassen-Registrator, bestimmte D. zum gelehrten Stande und bis zum 16. Jahre besuchte der Sohn die Schule mit Karl Philipp Moritz und Iffland. Aber sein Sinn für die Kunst trug den Sieg davon und D. erhielt den ersten Unterricht bei einem Maler, der mehr Handwerker als Künstler war. Daselbst blieb er drei Jahre und ging dann mit einer Unterstützung von 30 Ducaten, welche ihm die hannoverische Kammer gab, nach Düsseldorf. Nach jahrlangem Aufenthalt daselbst faßte er den Entschluß, Rom zu besuchen und führte denselben 1775 aus, wobei ihm neue 30 Ducaten der königl. hannov. Kammer als Reisegeld dienten. Sein Entschluß, sich dem Landschaftfache zu widmen, wurde in Italien, das ihm eine Fülle der herrlichsten malerischen Gegenden wies, bestärkt. In Rom – wo er am 21. Aug. 1775 angekommen war – hatte er manchen harten Kampf zu bestehen, denn er war dahin gegangen, sich von der Landschaftmalerei zu nähren und sah nun ein, er müsse sie erst lernen. Doch muthig besiegte er alle Hindernisse, lebte mäßig und sparte das für Copirungsarbeiten Erworbene zusammen, um wenn er 20–30 Ducaten beisammen hatte, in den Gegenden von Albano und Tivoli landschaftliche Studien zu machen. Auch machte er ein paar Mal Reisen nach Neapel und gab mit seinen Freunden Reinhard, Mechau und Frauenholz im Verein eine Reihe malerisch radirter Blätter heraus. In seinem 32. Jahre hatte er das Unglück, von zwei Flaschen im Dunkeln die unrechte zu ergreifen und statt einer Arznei an 3/4 Loth aufgelösten Bleizucker zu trinken. Da keine Bleikolik erfolgte, hielt der unwissende Arzt die Sache für nicht mehr gefährlich und eine ein Jahr später vorgenommene Cur gelang nicht vollkommen. Als die Unruhen in Rom begonnen, verließ er im Mai 1796 mit einer jungen Römerin, der er sich als Protestant heimlich, doch mit Wissen der Eltern der Frau vermält hatte, Italien, ging zuerst nach Tyrol, wo er die schönsten Gegenden und berühmtesten Wasserfälle malte, dann stellte ihn Fürst Esterhazy als Gallerie-Director und Maler in Wien an und später begab sich D. nach Salzburg, wo er 16 Monate für den Erzbischof Hieronymus malte und mehrere der herrlichsten Landschaftsbilder, deren Motive dieses Gebirgsland ihm bot, vollendete. Seit 1802 befand er sich wieder in Wien. Die verheerenden Wirkungen des Bleizuckers auf seinen Körper wurden nunmehr immer fühlbarer, die Schwäche der rechten Hand, ja der Zunge [287] nahm sehr zu; endlich war die ganze rechte Körperseite gelähmt: und D. malte mit der Linken; doch nicht mehr Bilder, sondern nur Entwürfe; endlich verlor auch die Linke ihre Kraft, Füße und Zunge versagten völlig ihren Dienst; ein häufig wiederkehrender Krampf hielt ihn oft lange fest gebannt in einer angefangenen Bewegung, die er nicht vollenden konnte. 13 Jahre brachte D. in dieser erbarmenswürdigen Lage zu. Ohne diese Lähmung war sein Körper gesund, zuletzt warf ihn eine Krankheit auf’s Lager. Ohne alle Bewegung, ohne die Möglichkeit durch ein verständliches Wort seine Schmerzen zu klagen, oder einen Wunsch auszusprechen, unsäglich leidend, erlöste ihn der Tod im Alter von 67 Jahren von seinen Leiden. D. entwickelte eine dreifache Thätigkeit, als Schriftsteller u. z. auch als Dichter, als Musiker und Maler. Als Dichter schrieb er in frühern Jahren ein komisches Gedicht: „Der Genius der Kunst“, worin er ohne Absicht als Poet zu glänzen, durch den komischen Ton manchen Leser auf die Idee der Kunst aufmerksam machen wollte. In seinem Nachlasse fanden sich „Andeutungen über sein Leben“; – „Epigramme“ und „Briefe über Landschaftmalerei“, letztere reich an treffenden Ideen. Im Drucke erschienen sind: „„Biographische Nachrichten von Joseph Haydn“ (Wien 1810, Camesina, 8°.), authentische Daten über den großen Künstler, der Dies oft besuchte und ihm nach und nach alle merkwürdigen Ereignisse seines merkwürdigen Lebens in ununterbrochener Folge erzählte, welche D. nach jedem Besuche getreu niederschrieb; ferner in den „vaterländischen Blättern“ (Wien): „Hingeworfene Bemerkungen über Kunst und deren Nothwendigkeit in Hinsicht auf Finanzwesen“ (1811, Nr. 6) und: „Vorschlag zu einem Museum heutiger Kunst für Österreich“ (Nr. 9). Seine musikalischen Compositionen, von denen er mit der zunehmenden Lähmung Abschied nehmen mußte, hatte er ohne etwas davon drucken zu lassen, selbst vernichtet. Hingegen sind seine Gemälde, hie und da zerstreut, Zeugen seines Genius. Dem Herausgeber dieses Lexikons sind folgende Bilder von D. bekannt geworden. In der erzbischöflichen Residenz zu Salzburg vier große Landschaftbilder, Salzburger Gegenden vorstellend; – zu Eisenstadt in Ungarn in der Esterhazyschen Gallerie 5 Landschaften (jede 61/2′ hoch und ebenso breit); – in der k. k. Gallerie im Belvedere: „Ansicht einer Gegend am Salzburg mit dem Geissberge im Hintergrunde“ (bezeichnet: A. C. Dies p. 1796, Lwd. H. 3′ 9″, Br. 5′ 8″); – „Gewitterlandschaft aus der Gegend von Salzburg“ (bezeichnet A. C. Dies p. 1797, Lwd. H. 3′ 10″, Br. 5′ 8″); – „Allegorische Landschaft“, links die Statue des Merkur am Piedestal, Apoll der den jungen Aeskulap zu Chiron bringt; eine große Baumgruppe beschattet die Statue; – „Der im Netz gefangene Satyr“, nach Gesners Idylle; – „Der gegen einen Wildbach durch Hirtenhand geschützte Baum“, Seitenstück zur vorigen Landschaft. – In seinem hohen Leiden behielt D. die frühere Geistesfrische; als er schon nicht mehr sprechen konnte, blieb seine Fantasie thätig und aus den Falten eines Tischtuches, den Aesten des Fußbodens las er Stoff zu Gemälden heraus. Während seines Aufenthaltes in Rom hatte er ausgebreitete Bekanntschaften und stand mit Goethe, Heinse, Stollberg u. A. in Verbindung. Er besaß eine wunderbare Gabe des Vortrags, den er, an heitern Anecdoten unerschöpflich und reich an den interessantesten Erfahrungen, mit geistreichen Ansichten über Kunst und Künstler zu würzen pflegte.

Archiv für Geschichte, Statistik, Liter. u. Kunst (Wien 1825, 4°.) XVI. Jahrg. Nr. 95, 96, S. 104 [nach diesem geb. 1755]. – Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes Jahrg. 1810 (Wien, Doll, 8°.)IV. Bd. S. 154. – Pillwein (Benedict), Biographische [288] Schilderungen oder Lexikon salzburgischer, theils verstorbener theils lebender Künstler (Salzburg 1821, Mayer, 8°.) S. 23 [nach diesem geb. 1758]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) III. Bd. S. 388.