BLKÖ:Forgach, die Familie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Forgó, Georg
Band: 4 (1858), ab Seite: 290. (Quelle)
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Ueber die Familie Forgach. Der Name erscheint bald als Forgács, Forgats u. Forgach, letzteres ist die richtige Schreibart. Das Geschlecht der Grafen von F. zählt zu den hervorragendsten des ungarischen Adels; nach einer Urkunde des Graner Domcapitels vom Jahre 1226 leitet es seinen Ursprung von den Grafen von Hount oder Hunt-Paznan ab, und hat zuletzt den Namen Forgách von dem gleichnamigen Schlosse in Siebenbürgen angenommen. Die Familie theilte sich zu Anfang des 16. Jahrhunderts in zwei Linien, die ältere von Peter III. (lebte noch 1505), die jüngere von Gregor I. (gest. 1515), beide Söhne des Johann V. aus zwei Ehen a) mit Dorothea Banffy von Also Lendva und b) mit Margaretha Dobo von Buska; – die ältere, auch die Linie zu Ghymes genannt, spaltete sich in zwei Zweige, den älteren Zweig zu Ghymes, den jüngeren zu Gomba; die jüngere, auch die Linie zu Gács genannt, spaltete sich gleichfalls in zwei Zweige, den älteren Zweig zu Gács, und den jüngeren zu Szecseny. Beide Linien in ihren vier Zweigen blühen noch heute. Der Freiherrntitel kam [nach dem Taschenbuche der gräflichen Häuser Jahrg. 1854, S. 242] am 6. März 1651, der Grafentitel am 11. März 1675 in das Haus. Kneschke in seinen „Deutschen Grafenhäusern der Gegenwart“ III. Bd. berichtigt (S. 126) diese Angaben. – Außer den bereits angeführten Quellen vergleiche noch: Hormayr (Freih.), Taschenbuch für die vaterländische Geschichte III. Jahrg. (1822) S. 130: „Ahnentafel der Familie Forgách.“ – Derselbe V. Jahrg. (1824) S. 176: „Franz Graf Forgách oder die Sage von der Mauerblende zu Budethin.“ – Derselbe VIII. Jahrg. (1827) S. 417: „Geschichte der Burg Ghymes, Eigenthum der Forgách.“ – Erinnerungen (schöngeist. Prager Blatt, 4°.) 1857, S. 214: „Der Stammhalter der gräflichen Familie Forgach.“

Die hervorragendsten Glieder der Familie Forgách. Die meisten Forgách waren Träger hoher Staatswürden, mehrere derselben haben in der geistlichen Laufbahn bischöfliche und erzbischöfliche Stellen bekleidet; andere wieder durch ihren Heldensinn in den Tagen der Gefahr des Vaterlandes sich hervorgethan. – Adam Graf (geb. 1601, gest. zu Raika im Wieselburger Comitate 1681), ein ausgezeichneter Kriegsheld, berühmt durch die Vertheidigung Neuhäusels [vergl.: Oestr. Militär-Konversat.-Lexikon. Herausgeg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 445, Nr. 3]; – Blasius, der die Königin Maria aus der Haft des Königs Karl von Durazzo, Neapel und Ungarn (1386) befreite, und denselben mit seiner Streitaxt zu Boden streckte. Auf diese Begebenheit spielt die Veränderung im Wappen der Forgách an [vergl. unten: Wappen] und von diesem Anlaß stammte der Brauch, daß wenn ein F. zur Audienz zum Könige von Ungarn kam, ein blankes Schwert auf den Tisch gelegt wurde, worauf jeder F. zuerst die Worte zum Könige sprach: „Fas in Celsitudine vestra.“ Blasius wurde 1387 von der Partei des getödteten Königs ermordet [vergl. Frankl (L. A.) Dr.), Sonntagsblätter 1842, S. 922: „Wappen der Forgacs“]; – Franz (geb. 1560, gest. nach 1560), Bischof von Großwardein, Geschichtschreiber und geistlicher Schriftsteller; – Franz (geb. 1560, gest. 16. Oct 1615), Cardinal und Erzbischof von Gran, ein hochverdienter Kirchenfürst, in dessen Nachlasse sich schätzenswerthe historische u. kirchenrechtliche Aufsätze vorfanden [vergleiche über beide: Horányi (Alex. P.), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Wien 1775, 8°.) I. Bd. 6. 682 u. 693]; – Sigismund (geb. 1565, gest. 30. Juni 1621), ausgezeichneter Heerführer, that sich in den Kriegen gegen Bethlen Gabor hervor [vergl.: Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausgeg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 445]; – Simon (geb. 1530, gest. 24. Sept. 1598), großer Feldherr, kämpfte bei Temesvár (1555), bei Hatvan (1594) [vergl.: Heroes Hungariae (Tyrnau 1743, 8°.); – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 163. – Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausgeg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 444].

Wappen der Forgach. Anfänglich führten sie im Wappen einen weißen Wolf; nach der Rettung der Königin Maria (1386) durch Blasius (s. oben) änderten sie das Wappen in das folgende um: Im blauen Schilde eine nackte gekrönte Jungfrau mit fliegenden blonden Haaren, welche aus einer goldenen Krone hervorwächst, und deren Hände mit einer goldenen Schnur gefesselt sind. Dieselbe ist oben sowohl rechts als links von einem goldenen, die Hörner einwärtskehrenden Halbmonde begleitet. Den Schild deckt die Grafenkrone, auf welcher sich ein gekrönter Helm mit der Jungfrau des Schildes erhebt. [Die Aenderungen im Wappen [291] gibt Kneschke in seinen „Deutsche Grafenhäusern“ III. Bd. S. 124 an.]