BLKÖ:Fuchs, Wilhelm

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Füchs, Ferdinand
Band: 4 (1858), ab Seite: 393. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Wilhelm Fuchs (Montanwissenschaftler) in der Wikipedia
GND-Eintrag: 132157888, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Fuchs, Wilhelm|4|393|}}

Fuchs, Wilhelm (Geognost, geb. zu Leutschau 1802, gest. zu Belgrad 28. Jän. 1853). Sohn des Pastors und Superintendenten Johann Samuel F. (s. d. S. 391). Besuchte die Schule seiner Vaterstadt, an der Lumnitzer thätig war und das Gymnasium in Lemberg, wo sich seine Liebe für die Naturwissenschaften entwickelte. Nach seines Vaters Tode (1817) kehrte die Mutter mit ihren 8 Kindern nach Leutschau zurück, wo die beschränkten Vermögensverhältnisse zur Wahl eines Berufes drängten, der bald ein Brod geben sollte. F. trat somit 1819 in eine Apotheke, diente mehrere Jahre als Gehilfe, und hörte 1826 in Wien den pharmaceutischen Curs. Mit Vorliebe trieb er nun Botanik und Chemie, aus letzterer am 17. Jänn. 1829 das Doctorat erlangend. Als Inaugural-Dissertation gab er eine Analyse der Brennberger Braunkohle heraus. In Wien gewann F. bald das Wohlwollen manches Gelehrten und war ein gern gesehener Gast im Hause des Freih. von Jacquin, dessen Einfluß wohl zunächst wirksam gewesen sein mochte, als F. in Gemeinschaft mit Dr. Ladislaus von Kralovaszky, die Herausgabe der „Flora Schneebergensis“ als Herbarium vivum begann, welches Werk jedoch, wohl ob Mangel an gehörigen Mitteln, nur bis zum 5. Hefte gedieh. F. kehrte nun zu seinen pharmac. Studien zurück. Im J. 1829 auf einer Reise nach Eperies begriffen, verweilte er längere Zeit in Schemnitz, wo ihn das dortige Bergmanns-Leben so fesselte, daß er, ungeachtet sein Körper diesem schweren Dienste nicht gewachsen schien, doch im Herbste 1832 die Akademie in Schemnitz besuchte, nachdem er mittlerweile fleißig Mineralogie unter Mohs studirt hatte. Vorbereitet wie er war, beendigte er den 3jähr. Curs zu Schemnitz in Einem Jahre. Nun kam er 1834 als Praktikant nach Schmöllnitz, wo ihm das Probiergeschäft und der Kupferverkauf anvertraut wurde. Ende 1834 wurde F. Probierer-Adjunct in Agordo. Von dort erstattete er alsbald einen Bericht über die geognostischen Verhältnisse der Alpengegend von Agordo, der Vorläufer seines 8 Jahre später über die Venetianer Alpen erschienenen Werkes. Im Juli 1836 erhielt er die Hüttenmeisters-Stelle in Szászka. Neben seinen amtlichen Arbeiten, welche namentlich auf die entsprechendste Gewinnung des Silbers aus silberhältigem Schwarzkupfer gerichtet waren, gelang es ihm doch, während des zweijährigen Aufenthaltes im Banate, die geognostischen Verhältnisse der dortigen Erzgebirge zu studiren. Im J. 1838 kam er als Hüttenverwalter nach Schmöllnitz, aber mit dem dortigen Gange der Hüttenwesens-Angelegenheiten nicht einverstanden, erwirkte er Aug. 1838 seine Versetzung nach Agordo. In diesem Jahre begleitete er im amtlichen Auftrage den berühmten Mohs auf seiner Reise durch die Venetianer Alpen u. erlebte [394] den Schmerz, seinen Lehrer in Agordo sterben zu sehen (29. Sept. 1839). Drei Jahre später feierte F. mit mehreren Freunden durch das Werk: „Friedrich Mohs, ein biographischer Versuch von Dr. Fuchs, Dr. Haltmayer, Dr. Leydoldt u. Gustav Rößler“ (Wien 1843) das Andenken des großen Mineralogen. In Agordo vollendete F. 1840 seine „Darstellung des Berg- und Hüttenwesens in Agordo“, eine markscheiderische Aufnahme des ganzen Grubenbaues, mit dem schon erwähnten Bericht aufbewahrt in der montanist. Bibliothek [III/474 und IV/475]; ein anderes Ergebniß seiner dortigen Studien ist das Aufschließen des für taub gehaltenen Theiles des Erzstockes. Die Muße widmete er geognostischen und hypsometrischen Arbeiten und der Vollendung des Werkes: „Ueber den Einfluss der Gestalt der Terrains auf die Resultate barometrischer und trigonometrischer Höhenmessung“ (Wien 1843, Gerold), worin er die Thatsache, daß man trotz der angestrengtesten Bemühungen noch immer nicht im Stande ist, die absolute Höhe eines Punctes der Erdoberfläche mit voller Zuverlässigkeit anzugeben, durch Aufstellung der Hypothese zu erklären sucht, daß in Folge der bekannten Massenanziehung der Gebirge alle natürlichen und künstlichen Horizonte in der Nähe von Erhebungen von der Horizontalen abweichen und der Luftdruck daselbst auch nicht der Höhe proportional ist. Im folgenden Jahre erschien sein Werk: „Die Venetianer Alpen, ein Beitrag zur Kenntniss der Hochgebirge“ (Solothurn und Wien 1844 mit 1 geognost. Karte u. Gebirgsprofilen in 18 Tafeln). Darin gibt F. eine klare Darstellung des ganzen Zuges der Belluneser Hochalpen und der südlicheren Vorgebirge von den Hügeln Coneglianos bis an den Gardasee, ihrer Vegetation mit Rücksicht auf die Höhe des Standortes der Pflanzen und trigonometr. und barometr. Höhenbestimmungen. Im Frühling 1844 wurde F. Bergrath und Oberhüttenverwalter in Schemnitz, wo er das bisherige Schmelz- und Einlösungssystem, als den gegenwärtigen Verhältnissen nicht angemessen, abänderte und ein einfacheres an dessen Stelle setzte, welches noch jetzt befolgt wird. In diese Zeit fällt sein Werk. „Beiträge zur Lehre von Erzlagerstätten mit Berücksichtigung der vorzüglichsten Bergreviere der österreichischen Monarchie“ (Wien 1846). worin er die Erzlagerstätten in Schmöllnitz, Agordo, in Kärnten, Tyrol, im Banate und Niederungarn beschreibt, und seine Ansichten über Bildung der Erzgänge und Lager in den genannten Revieren, über die Entstehung der Diorit- und Trachytgebilde in Niederungarn ausspricht. Die Ereignisse des J. 1848 unterbrachen seine Thätigkeit, im J. 1849 wurde er in Disponibilität versetzt und begann in dieser Zeit seine Arbeiten zu einer geschichtlichen Darstellung des ungarischen Hütten- und Münzwesens, deren Vollendung der Tod vereitelte. Im Sept. 1851 nahm er den Antrag der fürstlich serbischen Regierung an, an die Spitze des serbischen Bergwesens zu treten. In der kurzen Frist von 16 Monaten hatte F. Erhebliches geleistet, den ganzen Dienst des dortigen Bergwesens organisirt, das neue Berggesetzbuch für Serbien verfaßt, den Kupfer- und Eisenbergbau in Majdonpek geregelt, eine Kupferhütte gebaut, andere Bauten vollendet, eine Straße zwischen Majdonpek u. Belgrad angelegt u. d. m. Schon Ende März 1852 begann er zu kränkeln, aber ohne sich zu schonen, unterzog er sich den schwierigsten Organisirungsarbeiten in seinem neuen Dienste und erlag denselben im Alter von 51 Jahren. F. war seit 26. Juni 1848 correspond. Mitglied der mathem.-naturw. Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Nach seinem Tode adoptirte die serbische Regierung seine Berichte über den dortigen Bergbau-Betrieb [395] und stellte sie als Richtschnur zu dessen Fortsetzung auf.

Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) IV. Jahrg. 1854, S. 126 [im Berichte des General-Secretärs]. – Sitzungsberichte der mathemat.-naturwiss. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdr., 8°.) V. Bd. S. 228, 347, 270 und 452.