BLKÖ:Gärtner, Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 52. (Quelle)
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Gärtner, Wilhelm (Weltpriester und Professor der deutschen Sprache und Literatur in Pesth, geb. zu Reichenberg in Böhmen 4. Mai 1811). Studirte Theologie und wurde als Wettpriester der Leitmeritzer Diöcese ausgeweiht; später kam er nach Wien, wurde daselbst Feiertagsprediger an der Universitätskirche und Katechet im Erziehungs-Institute für Soldaten-Töchter in der Vorstadt Erdberg. Als die Lehrkanzel der deutschen Sprache und Literatur an der Pesther Universität, welche 1850 und 51 supplirt wurde, ob Mangel an Zuhörern thatsächlich zu bestehen aufhörte, wurde 1852 G. für dieselbe bestimmt, und obwohl der Bestand derselben fast zweifelhaft erschien, gelang es seinen Anstrengungen, das Interesse für den Gegenstand in einer Weise zu steigern, daß nun diese Stelle an der Pesther Hochschule für immer gesichert ist. Durch seine ästhetischen Vorträge über Schillers Dramen, über den Faust, den Hamlet, wuchs die Zahl der Zuhörer, welche allen gebildeten Ständen angehörte. Frühzeitig widmete sich G. der Schriftstellerei und entwickelte nach philosophischer und ästhetischer Richtung eine reiche Thätigkeit. In ersterer, verbunden mit der kirchlichen, ist von ihm: „Mac Lalor ober muss es eine Kirche gehen? und welche? Novelle“, 2 Thle. (Leipzig 1845, Teubner, 8°., 2. [Titel] Auflage Wien 1849, Gerold); – „Die Taktik der Römlinge, aus anti-Ronge’schen Schriften nachgewiesen“ (Dresden 1845, Adler u. Dietze, gr. 8°.); – „Katholisches Kirchenthum behandelt in zwanzig Kirchenreden mit besonders kritischer Wahrnehmung des sogenannten Deutschkatholizismus; nebst einem Anhange: Fresken aus dem Kreuzgange“ (Wien 1849, Gerold, gr. 8°.); – „Was haben uns die versammelten Bischöfe gebracht? ein freies ehrliches Wort“, 2 Hfte. (Ebd. 1851, gr. 8°.); – „Die Welt angeschaut in ihren Gegensätzen: Geist und Natur. Zugleich eine kritische Entgegnung auf die modernen Theorien vom „Geiste der Natur““ (2. Auflage Ebenda 1852, gr. 8°.); – „Te deum laudamus. Grosses katholisches geistliches Liederbuch“, 3 Bände (Ebd. 1854–57), gr. 8°.), eine kritisch-historische Abhandlung über das Kirchenlied eröffnet das Werk. Der erste Band enthält die 3 Cyclen: Weihnacht, Ostern und Pfingsten; der zweite Band 150 Marien-, 97 Heiligenlieder, 63 Gesänge von den Sacramenten und Kirchenfesten, und 28 Lieder bei Todtenfeierlichkeiten; der dritte und letzte andere geistliche Gesänge. Jedem Liede ist die Quelle, welcher es entnommen, oder der Name des Autors beigefügt. In ästhetischer und wissenschaftlicher Richtung veröffentlichte er: „Amadäus. Dramatisches Märchen in 5 Handlungen“ (Wien 1845, Pfautsch und Comp., 8°.), eine Modification der Faustsage; – „Andreas Hofer. Trauerspiel in fünf Abtheilungen“ (Leipzig 1845, Teubner, 2. [Titel] Aufl. Wien 1856, Gerold, 8°.); – „Kaleidoskop. Novellen“ (Wien 1845, Mechitharisten, 8°.): – „Simson. Tragödie in 5 Handlungen“ (Wien 1849, Gerold, 8°.); – „Eröffnungsrede zu den Vorträgen für deutsche Sprache und Literaturwissenschaft an der k. k. Pesther Universität“ [53] (Pesth 1852, Geibel, 8°.); – „Die Begründung der österr. Herrschaft über Ungarn, die Türkenzeit daselbst und der Befreiungskrieg“ (Wien 1856, Sommer, 8°.); – „Chuonrad, Prälat von Göttweih und das Nibelungenlied. Eine Beantwortung der Nibelungensage“ (Pesth 1855, Hartleben, 8°.), mit welchem Werke G. voreilig die gelehrte Kritik herausforderte, die ihn auch schonungslos behandelte [vergl. Literar. Centralblatt von Zarncke 1856. Nr. 50 – und Oesterr. Blätter für Literatur u. s. w. Beilage der Wiener amtlichen Zeitung 1857 Nr. 6 –8 von Bibliothekar Diemer]. – Gärtner erwiederte darauf mit seiner Schrift: „Betrachtungen. Ein Nachwort zu meiner Nibelungenschrift und eine Antwort auf die Kritik des Herrn Joseph Diemer“ (Pesth 1857, 8°.), ohne jedoch seine Gegner widerlegt zu haben. G.’s poetisches Talent wurde von namhaften literar. Größen anerkannt. Tieck, Hebbel u. A. sprachen sich in ehrender Anerkennung über seine Leistungen aus. Auch die Blätter für literar. Unterhaltung würdigten die kräftig frische poetische eigenthümliche Gestaltungsgabe des Dichters.

Allg. Zeitung (Augsburg, 4°.) 1857, S. 1123: „Correspondenz aus Pest vom 6. März.“ – Truska (Heliodor), Oestr. Frühlingsalbum (Wien 1854, Braumüller, 4°.) [ein Exemplar mit biogr. Notizen, deren nur 4 bestehen]. – Frankl (L. A. Dr. ), Sonntagsblätter 1845, S. 255 u. 567. – Wurzbach v. Tannenberg (Const.), Bibliograph.-statist. Uebersicht der Literatur des östr. Kaiserstaates (Wien 1856, Staatsdruckerei, gr. 8°.) II. Bericht (1854) S. 116, Marg. 3381. – III. Bericht (1855) S. 296, Marg. 9199. – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Motto u. Namens: frei und – treu. Wilhelm Gärtner. Jos. Nitschner (gez.) 1849. Gedr. b. J. Höfelich, 8°. (lith.) [war auch seinem „Simson“ beigegeben].