BLKÖ:Garelli, Pius Nikolaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 89. (Quelle)
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Garelli, Pius Nikolaus (Arzt und Präfect der kaiserl. Hofbibliothek in Wien, geb. 1690, gest. zu Wien 21. Juli 1739). Schon sein Vater war ein berühmter Arzt, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts von Kaiser Leopold nach Wien berufen wurde. Der Sohn studirte auch die Medicin und gewann als Arzt einen großen Ruf. Kaiser Karl VI. ernannte ihn 1723 zum Präfecten der Hofbibliothek und nach seines Vaters Tode 1732 zum Leibarzt. Um die Hebung der Hofbibliothek besitzt G. mit dem ihm beigegebenen Dr. Al. Riccardi große Verdienste. Unter ihm kam sie (1726) in das eigens aufgeführte Gebäude, in welchem sie heute noch untergebracht ist. Im J. 1728 begleitete er den Kaiser nach Triest und ließ die in Kärnten u. Steiermark gefundenen, allda wenig beachteten römischen Monumente nach Wien bringen, wo sie noch jetzt in der Stiegenhalle der Hofbibliothek eingemauert sind. Er selbst war ein Sammler von seltenen und kostbaren Werken, und verordnete in seinem letzten Willen, daß alle Werke, welche die Hofbibliothek noch nicht besaß, derselben einverleibt werden sollten. Auf diese Art erhielt diese Bibliothek 1932 Werke. Sein Sohn Johann Baptist, welcher zwei Jahre nach dem Vater starb, vermachte die ganze Sammlung der Hofbibliothek und ein Capital von 10000 fl. zu ihrer Erhaltung und Vermehrung. Die Kaiserin Maria Theresia wies in der Folge diese Sammlung der von ihr gestifteten Theresianischen Ritterakademie zu, wovon jene Werke, welche diese bereits [90] besaß, an die Lemberger Universitätsbibliothek kamen. Denis (s. d. III. Bd. S. 238) beschrieb diese merkwürdige Büchersammlung in dem Werke: „Merkwürdigkeiten der Garelli’schen Bibliothek“ (Wien 1780, 4°.).

Eloy, Dictionnaire histor. de la Médicine. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 276. – Oestr. Zuschauer, herausgeg. von Ebersberg 1838. III. Bd. S. 872. – Ersch (J. S.) u. Gruber (J. G.), Allg. Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 53. Thl. S. 469 [nach dieser und der Oestr. Nat.-Encyklopädie ist Pius Nikolaus im J. 1670 geboren, während ihn Ebersberg im J. 1690 geboren sein läßt]. – Welche Schätze die Garelli’sche Bibliothek enthalten hatte, konnte sich der Herausgeber selbst überzeugen, da die für die Lemberger Bibliothek ausgeschiedenen Werke – also die dritte Ausscheidung, die erste für die Hofbibliothek, die zweite für das Theresianum – noch zu den Schätzen der Lemberger Bibliothek zählten, die jedoch zum großen Theil mit dieser im J. 1848 ein Raub der Flammen geworden.