BLKÖ:Geißau, Anton Ferdinand Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Geist, Gebhard
Band: 5 (1859), ab Seite: 127. (Quelle)
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Geißau, Anton Ferdinand Edler von (Geschichtschreiber, geb. zu Hochstädt an der Donau in der Neupfalz 19. Dec. 1746, gest. zu Wien 25. August 1809). Der Sohn eines kais. Officiers, besuchte die Schulen zu Dillingen, Regensburg, Salzburg und Augsburg und trat auf den Wunsch seines Vaters als Officier in die kaiserl. Armee, quittirte aber wieder, als dieser starb. Versprechungen, welche nie erfüllt wurden, verlockten G. zu einer Heirat und G. machte nun die Schule des Leidens durch, aus welcher ihn erst der Tod erlöste. Durch Abschreiben ernährte er kümmerlich sich und seine Familie, bis es ihm gelang, 1773 als Secretär in die Dienste des Feldmarschall-Lieutenants Giannini zu kommen; aber schon nach zwei Jahren starb sein Wohlthäter und G. stand wieder brodlos da. 1778 nahm ihn der Director der Hofbibliothek Kollar in Verwendung, auch da blieb die versprochene Anstellung aus und als Kollar 1783 starb, war G. wieder auf sich und das klägliche Schreiberhandwerk gestellt. Endlich gelang es ihm 1792 als beeideter Beamter beim Wiener Magistrate anzukommen, bei welchem er, kärglich besoldet, bis an seinen Tod, der im Alter von 63 Jahren erfolgte, angestellt war. Die mißlichen Verhältnisse, welche G. sein Leben hindurch verfolgten, veranlaßten ihn in der Schriftstellerei einen Erwerb zu suchen und so entstand eine große Menge von Schriften, von denen mehrere für den Augenblick berechnet, wiederholte Auflagen erlebten und betreffs welcher auf Kaysers Bücher-Lexikon II. Bd. S. 328 und auf die „Oesterr. National-Encyklopädie“ II. Bd. S. 360 hingewiesen wird. Jene hingegen, welche einen historischen, cultur- oder literarhistorischen Werth noch heute besitzen, folgen in nachstehender Uebersicht: „Historisches Tagebuch des durchlaucht. Erzhauses Oesterreich“ (Wien 1781); – „Histor. Beschreibung der St. Magdalenencapelle auf dem Stephansfreythofe“ (Ebd. 1781); – „Die Reformation zu Ende des Jahrhunderts“ (1781), davon erschienen vier Auflagen und mehrere Nachdrücke; – „Historische Nachricht von den aufgehobenen Carthäusern und Nonnenklöstern“ (2. Aufl. 1783); – „Verzeichniss der während der Pressfreiheit in Wien erschienenen Schriften“, I. Sammlung (1782), sehr selten und für den Bibliographen interessant; –„Historica narratio juris. quod Imperatores in approbandis Pontificibus Romanis habuerunt..“ (Ebenda 1782); – „Historisch-chronologische Nachricht von den in den österr. Erbländern aufgehobenen Trinitarier-Klöstern“ (1784), diese Schrift gab er unter dem Pseudonym Schwarzhuber heraus; – „Geographische Beschreibung der gesammten Niederlande“ (1784), erschien anonym; – „Taschenbuch des weiblichen Adels in Wien“ (1788); – „Geschichte der k. k. Haupt- und Residenzstadt[WS 1] Wien“, 4 Theile in 5 Bdn. (1789–92, mit K. K.), 2. Aufl. 6 Thle. in 7 Bdn. (1792–1810), G.’s Hauptwerk; der letzte Band der zweiten Auflage enthält unter besond. Titel: „Das historische Tagebuch von 1809“; – ein Auszug daraus ist die „Kurze Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Wien in Oesterreich“ (Wien und Prag 1803); – „Maximilian Hells Hof-Astronomen, chronologisch-genealogisch und historisches Handbuch. Aus dem Lateinischen mit Verbesserungen und Vermehrungen“ (Ebd. 1797); – „Ausführliche Nachricht von dem niederösterr.-ständischen Freycorps“ (Ebenda 1797), erschien anonym; – „Geschichte Oesterreichs von den ältesten bis auf gegenwärtige Zeiten“, zwei Bände [128] (Ebenda 1800–1801); – „Historisch-topographische Beschreibung der landesfürstlichen Stadt Baden ...“ (Ebd. u. Baden 1802); – „Geschichte eines Dorfes St. Johann am Als oder Siechenals, heute Freygrund Thury“ (Ebenda 1802), erschien anonym; – „Geschichte der Stiftungen, Erziehungs- und Unterrichts-Anstalten in Wien von den ältesten Zeiten bis auf gegenwärtiges Jahr“ (Ebenda 1803); – „Geschichte der römischen Kaiser mit ihren Bildnissen, gest. von Quirin Mark“, 5 Bde. (Ebd. 1804–1807, 4°.); – „Gesammelte Meinungen von der Entstehung des Namens und des Alterthums der Säule Spinnerin am Kreuze ...“ (Ebenda 1807, mit 1 Abbildung). Auch betheiligte sich G. an mehreren Monat- und Wochenschriften und gab 1774 und 1775 selbst eine solche unter dem, sein häusliches Elend bezeichnenden Titel: „Der hungrige Gelehrte“ heraus. In seinem Nachlasse befand sich unter anderen eine vollständige Beschreibung der Hauptstadt Wien, ihrer Vorstädte und umliegenden Ortschaften. G.’s Schriften gehören zum größeren Theile zu den antiquarischen Seltenheiten und, den etwas vernachlässigten Styl abgesehen, enthalten sie, da er bei seinen späteren Arbeiten die Archive des Wiener Magistrates benützen konnte, noch heute brauchbares Materiale.

Erscheint bald als Geisau, Geißau u. Geusau“; auch in seinen Vornamen ist er veränderlich; Mehreres gab er anonym heraus, dann wieder einzelne Schriften unter dem Taufnamen Ferdinand und unter den Pseudonymen: Joh. Ferd. Koch und Schwarzhuber. – Das vollständige Verzeichniß von Geißau’s Schriften ist nur durch Zusammenstellung derselben aus Kaysers „Bücher-Lexikon“, Gräffers „National-Encyklopädie“ und Meusels „Gelehrtes Deutschland“ mit dessen Nachträgen zu gewinnen. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen, 8°.) I. Bds. l. St. S. 141. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 360 [daselbst als Geusau]. – Meusel (Joh. Georg), Das gelehrte Deutschland (Lemgo 1783, 8°.) 4. durchaus verm. u. verb. Ausg. I. Bd. S. 534 [nach diesem geb. 19. Dec. 1743]. – Erster Nachtrag S. 192. – Bäuerle (Adolph), Memoiren (Wien 1858, 8°.) I. Bd. S. 23–28 [ein rührendes Bild des hungernden Schriftstellers und seiner Leiden aus eigener Anschauung].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Residenstadt.