BLKÖ:Guadagni, Cajetan

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vorwort (Band 6)
Band: 6 (1860), ab Seite: 1. (Quelle)
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Guadagni, Cajetan (Sänger, geb. zu Lodi um 1725, gest. zu Padua 1797). Sein Meister im Gesange ist nicht bekannt. Schon im Alter von 22 Jahren trat er öffentlich auf und sang im Theater zu Parma. 1754 kam er nach Paris, sang daselbst im Concert spirituel und vor dem Hofe zu Versailles mit großem Erfolge. In seine Heimat zurückgekehrt, trat er in der Partie des Telemach in Gluck’s gleichnamiger Oper auf, welche G. für Guadagni geschrieben hatte. Die Meisterschaft, mit welcher G. den Telemach gesungen, veranlaßte über Gluck’s Verwendung seine Berufung nach Wien, wo er 1766 den Orpheus in Gluck’s gleichnamiger Oper mit großem Erfolge sang. Im Jahre 1767 trat er in London, dann in Venedig auf und feierte in letzterer Stadt solche Triumphe, daß man ihn zum Ritter von San Marco ernannte. 1772 folgte er der verwitweten Churfürstin Marie Antonie von Sachsen nach München, wo er in die Dienste des Churfürsten Max Joseph trat. 1776 begab er sich nach Berlin und erwarb sich daselbst Friedrich’s II. Gunst. Später kehrte er in sein Vaterland zurück und war Sänger in der Kirche San Antonio zu Padua. Daselbst starb er auch im Alter von 72 Jahren. G. war ein dramatischer Sänger von hoher Begabung und galt zu seiner Zeit für den ersten Kunstsänger. Das Verlangen, ihn zu hören, war allgemein sehr groß, aber auch seine Forderungen waren sehr hoch. Er hatte sich durch seine Kunst ein bedeutendes Vermögen erworben. Mit seiner zunehmenden Berühmtheit stieg zugleich sein Dünkel und Eigensinn, der am Hofe des Herzogs Philipp von Parma den Höhepunct erreichte. Der Herzog, der einst französische Prinzen zu Besuche hatte, wollte dieselben durch Guadagni’s Gesang überraschen. Der Sänger brachte allerlei Ausflüchte vor und war nicht zu bewegen, von seinem Eigensinn zu lassen. Endlich ließ Herzog Philipp den hochmüthigen Sänger in’s Gefängniß führen, mehrere Tage fasten und dann erst etwas genießen, sobald er vor einem als Officier gekleideten Gaste ein Lied gesungen hatte. Zuletzt stellte es sich heraus, daß G., der vor Prinzen nicht hatte singen wollen, vor dem leibhaften Scharfrichter, der als Officier verkleidet war, den ganzen Zauber seiner Kunst entfaltet hatte. Darauf mußte er Parma für immer verlassen. Von seiner Uneigennützigkeit, Freigebigkeit, aber auch von seiner Prunksucht erzählt man sich manche lustige Geschichte.

Zeitung für die elegante Welt 1822, Nr. 149. – Forkel’s Almanach für Deutschland auf’s Jahr 1783, S. 160. – Cramer (Karl Friedr.), Magazin der Musik (Hamburg, 8°.) Jahrg. I, S. 439; Jahrg. II, S. 376. – Gerber (Ernst Ludw.), Histor.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, Breitkopf, gr. 8°.) Theil I, Sp. 556. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Hand-Ausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 385 [nach diesem gest. 1790]. – Universal-Lexicon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Jul. Schladebach, fortges. von Eduard Bernsdorf [2] (Dresden, Schaefer, gr. 8°.) Bd. II, S. 261 [nach diesem und den andern Quellen gest. 1797]. – Nouvelle Biographie générale ... par Hoefer, Bd. XXII, Sp. 284. – Fetis, Biographie universelle des Musiciens. – Entr’ acte (Paris, kl. Fol.) huitième année Nr. 240.