BLKÖ:Hammerschmid, Johann Florian

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 289. (Quelle)
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Hammerschmid, Johann Florian (Domherr und Geschichtschreiber, geb. zu Stab im Pilsner Kreise Böhmens 4. Mai 1652, gest. zu Prag 1737). Sohn bürgerlicher Eltern, den diese, da er Lust zum Lernen zeigte, nach Klattau auf die Schule schickten. Die Philosophie hörte er zu Prag, wo er auch in’s erzbischöfliche Alumnat eintrat, um Theologie zu studiren. 1677, 25 Jahre alt, wurde er Priester, trat dann in die Seelsorge, zuerst als Capellan zu Budweis, und wurde 1680 Pfarrer zu Steinkirchen, einem den Herzogen von Krumau gehörigen Dorfe. 15 Jahre versah er diese Stelle und rettete durch seinen Glaubensmuth einen verstockten Bösewicht vom Verderben. Dieser, nachdem er einen Mord gebeichtet, verlangte von H. die Absolution. H. knüpfte die Ertheilung der Letzteren an Bedingungen, die der Mörder zu erfüllen sich weigerte. Als H. nun auch seinerseits nicht zu bewegen war, dem Mörder die Lossprechung zu ertheilen, zog dieser seinen Degen und stürzte damit auf H. los, und ihn mit dem Tode bedrohend, verlangte er die Lossprechung. H. entblößte aber seine Brust und forderte den Frevler auf, den Priestermord zu vollziehen. Dieser Muth blieb nicht ohne Wirkung auf das Gemüth des Mörders, der erschüttert zu den Füßen des Priesters sank, Buße that und mit dem Vorsatze einen besseren Lebenswandel einzuschlagen die Kirche verließ. 1695 wurde H. Vorsteher der erzbischöflichen Geistlichen in Klattau, bald darauf Rector des erzbischöflichen Alumnats in Prag und stufenweise Doctor der Theologie, Protonotarius Apostoliu, Comes Palatinus, Domherr auf dem Wissehrad und zu Bunzlau, zuletzt 1710 Pfarrer am Tein in der Prager Altstadt. 1727 feierte er sein 50jähriges Priesterjubiläum, welches er zehn Jahre noch überlebte, indem er 1737, im Alter von 85 Jahren, starb. H.’s Werke sind: „Magnalia St. Andreae, seu vita et res gestae hujus Apostoli“ (Prag 1685, erzb. Seminar, 4°.); – „Magnalia St. Joannis Baptistae“ (ebd. 1690); – „Magnalia St. Joannis Evangelistae“ (ebd. 1690); – „Magnalia St. Matthiae“ (ebd. 1700); – „Hystorye klattowska w sedm djlu rozdielena“, d. i. Die Geschichte der Stadt Klattau in sieben Theile abgetheilt; – „Gloria et Majestas regiae et exemtae Wissehradensis Ecclesiae St. Petri et Pauli“ (Prag, 4°.); – „Historia monasteriorum S. Georgii in Castro Pragensi et S. Spiritus, vulgo ad Misericordiam Dei in antiqua urbe Pragensi Ordinis S. Benedicti“ (Prag 1715). Von seinem Werke: „Gloria Pragensis“, welches eine Beschreibung der Stadt Prag, ihrer Kirchen, Klöster und anderen Merkwürdigkeiten enthält, und in zwei handschriftlichen Bänden im erzbischöflichen Seminar zu Prag aufbewahrt wird, ist nur die Einleitung [290] unter dem Titel: „Prodromus Gloriae Pragenae“ (Prag 1723, Fol.) erschienen. Als Kirchentopograph hat Hammerschmid, welcher auf Grundlage von Quellen und mit Gewissenhaftigkeit arbeitet, unbestrittene Verdienste.

Pelzel (Franz Martin), Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler nebst kurzen Nachrichten von ihrem Leben und Werken (Prag 1775, gr. 8°.) Bd. II, S. 105 [gibt das Jahr 1652 als H.’s Geburts- und 1737 als sein Todesjahr an, bemerkt aber zugleich bei letzterer Angabe, daß er im „zwey und achtzigsten Jahre seines Alters gestorben sei“. Diese Angaben stimmen nicht überein; entweder ist das Geburtsjahr unrichtig und sollte stehen 1655, oder es ist das Todesjahr unrichtig und sollte lauten 1734, oder er starb nicht im 82., sondern im 85. Jahre]. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1828, 4°.) II. Section, 2. Theil, S. 42. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835 u. f., 8°.) Bd. II, S. 188. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 955. – Porträt. Unterschrift: Joannes Florianus Hammerschmid. Renz del. J. Balzer sc. Pragae [auch bei Pelzel].