BLKÖ:Hanke von Hankenstein, Johann Alois

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hanke, Johannes
Band: 7 (1861), ab Seite: 316. (Quelle)
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Hanke von Hankenstein, Johann Alois (Bibliothekar und Schriftsteller, geb. zu Holleschau in Mähren 24. Mai 1751, gest. zu Proßnitz 26. März 1806). Sohn eines Brauers in Holleschau, Caspar H., der jedoch einer adeligen Familie Schlesiens entstammen soll; der Sohn erhielt die erste Erziehung im Elternhause, später, 1758, nahm sich des Knaben sein Onkel Andreas Hanke, Pfarrer zu Bilowitz, an. Johann Alois besuchte 1760 die Schule in Kremsier, 1761 das Gymnasium in Olmütz, wo er auch 1768 die philosophischen Studien beendete. Nunmehr widmete er sich der Oekonomie und sammelte praktische Erfahrungen zuerst auf der Herrschaft Odrau, diente 1771 und 1772 auf den zwei Dietrichstein’schen Herrschaften Weißkirchen und Leipnik, 1773 zu Bistritz und zuletzt zu Napagedl. Hier auf dem Schlosse lernte er bei der Gräfin Cobenzl, der Eigenthümerin, den berühmten Sonnenfels kennen und dessen Bekanntschaft, wie jene seiner geistvollen Schriften, ließen ihn alsbald sein Vorhaben, in der landwirthschaftlichen Beschäftigung sein Unterkommen zu finden, aufgeben und H. beschloß, die Studien fortzusetzen. Er ging 1773 nach Wien, besuchte die Collegien von Sonnenfels, Hurka, Eibel, Martini, und fand an dem Professor der Geschichte, Math. von Heß einen wohlwollenden Gönner, der ihn an der ersten Einrichtung der Wiener Universitätsbibliothek, wie auch an dem Gymnasialstudienplane, welcher eben von einer eigens dazu bestellten Commission ausgearbeitet wurde, Theil nehmen ließ. Die Frucht für seine Bemühungen blieb nicht aus, am 4. October 1777 wurde H. Custos an der Olmützer Universitätsbibliothek, zugleich lehrte er an der dortigen Ferdinandeisch-Teufenbach’schen [317] Ritterakademie böhmische Sprache und Literatur. Als aber schon wenige Monate darnach die Universität von Olmütz nach Brünn übersetzt wurde, mußte auch die Bibliothek dahin übersiedeln und die 36.000 Bände wanderten unter H.’s Leitung in 100 Kisten im October 1778 von Olmütz nach Brünn, wo sie nunmehr aufgestellt wurden. Nachdem die Bibliothek 7 Jahre in Brünn gestanden und vollständig geordnet und catalogisirt war, mußte sie, als das Lyceum in Olmütz zur Universität erhoben ward, im Jahre 1785 nach Olmütz zurückgebracht werden, was auch im Mai 1785 wieder unter H.’s Leitung erfolgte, seit welcher Zeit sie auch dort verblieb. Am 28. Juni 1785 wurde er zum Universitätsbibliothekar in Olmütz ernannt. Im folgenden Jahre erhielt er den Auftrag, die Bibliotheken der aufgehobenen Mönchsklöster in Mähren und Schlesien zu bereisen und sie nach der erlassenen Instruction zu behandeln; es waren 40 Bibliotheken mit etwa 400.000 Bänden, von denen das Unbrauchbare vertilgt, das des Aufbewahrens in öffentlichen Bibliotheken nicht würdige Mittelgut von der Hand weg verkauft und die classischen Werke in ein Verzeichniß aufgenommen wurden. Aus diesem Verzeichnisse, welches zunächst an den Hof eingesendet werden mußte, wählte vorerst dieser jene Werke, die er zu besitzen wünschte; mit den übrigen wurde die Universitätsbibliothek dotirt. Am 2. April 1787 wurde nun die Olmützer Bibliothek eröffnet, nachdem sie gehörig organisirt und zum öffentlichen Gebrauche catalogisirt worden war. Noch zu Hanke’s Lebzeiten wurde seinen Catalogsarbeiten von Fachmännern gebührende Anerkennung gezollt, und der gute Ruf, dessen sich die Olmützer Bibliothek bezüglich ihrer verschiedenartigen und trefflichen Cataloge noch gegenwärtig erfreut, datirt aus den Tagen, als Hanke sie der Erste aufgestellt und beschrieben hat [vergl. die unten angeführten „Annalen“ 1805, 2. Bd. Int. Bl. S. 22]. Die späteren Arbeiten sind nur Vervollkommnungen und Fortsetzungen dieser ersten von H. vollendeten. Im Jahre 1791 wurde H. seines heftigen unruhigen Charakters wegen vor der Zeit in den Ruhestand versetzt, später aber, am 6. Juni 1796, in Anerkennung seiner Verdienste in den Adelstand mit dem Prädicate von Hankenstein erhoben. Als Schriftsteller war Hanke bereits im Jahre 1776 aufgetreten. Von seinen im Drucke erschienenen Schriften sind zu nennen: „Versuch über die Schiffbarmachung des Flusses March und Handlung der Mährer“ (Wien und Prag 1782; 2. Aufl. Brünn 1784; 3. Aufl. Wien 1795, mit 1 Karte); – „Empfehlung der böhmischen Sprache und Literatur“ (Wien 1782; 2. Aufl. 1783); „Hekansohn über die Wahl der städtischen Magistrate in den österreichischen Staaten“ (Brünn 1784, 8°.), geschrieben, als den Gemeinden in den Städten das Recht eingeräumt wurde, sich eigene Magistrate zu wählen; – „Taschenbuch für Christen, ein Kern der h. Schrift“ (Wien 1786, 8°.), ein wohlgemeinter Beitrag zur Verbreitung der Toleranz; – „Bibliothek der mährischen Staatskunde“, I. Theil (Wien 1786, mit 13 K. K., 8°.), ein zweiter Theil dieses für die topographische Kenntniß Mährens noch heut’ schätzbaren Werkes befand sich in Hanke’s handschriftlichem Nachlaß, wird aber von seinen Biographen in den „Annalen“ irrthümlich als II. Band der Bibliothek der wahren Staatskunde aufgeführt; – „Ueber die Robotabolition“ (Wien 1786 und Brünn 1787, 8°.), erschien auch in čechischer Sprache; – „Epigraphis Caroli Ludovici Archiducis Austriae [318] etc. etc.“ (Vienna 1802, 4°.), eine gutgemeinte, aber nicht glücklich ausgeführte Huldigung, dem unvergeßlichen Helden von Aspern dargebracht; – „Propowidky Mrawne sprawdiwyma prziklady utvrzena“, d. i. moralische Sprichwörter, durch wirkliche Beispiele bekräftiget (Nikolsburg 1804); – „Recension der ältesten slavischen Urkunden der slavischen Kirchengeschichte, Literatur und Sprache aus dem 8. Jahrhunderte“ (Ofen 1804), welche Schrift das erste Heft seiner slavisch-literarischen Zeitschrift „Slawenka“ [siehe unten die Quellen] bildet, wovon nach seinem Tode das 2. und 3. Heft in Handschrift vorgefunden wurden. Vieles von seinen Arbeiten ist ungedruckt geblieben, als eine „Geschichte des Hauses Dietrichstein“; – eine „Geschichte der schwedischen Besitznahme von Olmütz 1642–1650“, deutsch und böhmisch; – eine Abhandlung „Ueber die Vereinigung der Oder mit der March und der Donau nebst einem Plane zu einer nordischen Handlungsgesellschaft“, welche Arbeit er im Allerhöchsten Auftrage Sr. Majestät des Kaisers auszuführen hatte. Auch hat H. einige Dramen Paul Potemkin’s aus dem Russischen, und einige gemeinnützige Schriften, wie über das „Zahnen der Kinder“, aus dem Französischen von Alph. le Roy u. n. A. übersetzt; die Jenaer Literatur-Zeitung enthält seinen Nekrolog des Grafen Max Lamberg; der 2. Theil von Hain’s freundschaftlichen Briefen an die Akademiker seine Geschichte der Olmützer Universität, wovon aber ein fertiges Manuscript in 2 Bänden sich in seinem handschriftlichen Nachlasse befindet; andere Aufsätze enthält die „Bibliothek für Denker und Männer vom Geschmacke“; schließlich ist Hanke der Verfasser eines „Feldgesanges“ für die mährische Legion im Jahre 1800, welchen Erzherzog Karl in mehreren Hundert Exemplaren an die Compagnien der Legion vertheilen ließ, während er den Dichter mit einem huldvollen Schreiben beehrte. H. starb im Alter von 55 Jahren.

Oesterreichische National-Encyklopädie, herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 498. – Annalen der Literatur und Kunst in den österreichischen Staaten (Wien, Ant. Doll, 4°.) IV. Jahrgang (1805), 2. Bd. Intelligenzblatt, Juli, Sp. 18–27: „Biographie“. – Dieselben, II. Jahrg. (1803), 1. Bd. S. 254, und IV. Jahrg. (1805), 1. Bd. Intelligenzblatt, Februar, S. 99, das Programm seiner slavisch-literarischen Zeitschrift „Slawenka“. – Adelstands-Diplom vom 6. Juni 1796. – Wappen. Die Hanke gehören einer alten schlesischen Familie an, welche über dritthalb hundert Jahre im Besitze der freien Schulzerei zu Broßdorf (mährisch Brabanticze) und männlicher wie weiblicher Seits mit mehreren adeligen Familien verwandt ist. Schon im Jahre 1590 war ein Herr von Hanke Landeshauptmann zu Glatz, im Jahre 1716 Franz Ludwig von Hanke und Lilienfeld auf Fuchswinkel und Weißbach Landesältester zu Neisse. Die Tante Hanke’s, Marianna, nämlich die Schwester seines Vaters, war mit Joseph de Poule, k. k. Gestütmeister zu Teschen, vermält, aus welcher Ehe David de Poule, k. k. Oberlieutenant bei der deutschen Nobelgarde, und Joseph de Poule, k. k. Gubernialrath in Prag, abstammen. Das Wappen weist einen blauen Schild, den ein gewellter mit drei blau gefiederten mit der Spitze abwärts gekehrten Pfeilen belegter Fluß rechts schräge durchströmt. Der Fluß ist oben von neun unter einander (4, 3, 2) gestellten silbernen sechseckigen Sternen, unten von einer natürlichen Eule begleitet. Den Schild bedeckt ein gekrönter, rechtsgestellter offener Turnierhelm. auf welchem sich drei von einander gekehrte Straußenfedern, die äußersten blau, die mittlere silbern erheben. –