BLKÖ:Heller, Karl Bartholomäus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 275. (Quelle)
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Heller, Karl Bartholomäus (Reisender und Naturforscher, geb. zu Misliborschitz in Mähren 20. November 1824). Sein Vater, Johann Georg, Obergärtner auf der Herrschaft des Grafen Taaffe, besaß in der Gartenkunst so hervorragende Kenntnisse, daß er 1825 einen Ruf nach Hietzing bei Wien erhielt, um dort die später so berühmt gewordenen Gärten des Freiherrn Karl von Hügel zu leiten. Diesem Rufe folgend, übersiedelte er dahin im Sommer desselben Jahres und stand durch 14 Jahre seinem Amte vor, worauf er zum Dirigenten der Gärten der neu errichteten k. k. Gartenbaugesellschaft in Wien ernannt wurde und auch dort seither verblieb. Sein Sohn Karl Bartholomäus, unter drei lebenden Kindern der einzige Sohn, war in seiner Jugend ein äußerst schwächlicher, doch lebhafter Knabe; abhärtende Lebensweise stärkte allmälig die Gesundheit desselben. Seinen ersten Schulunterricht genoß er in Hietzing; 1835 kam er nach Wien in ein Kosthaus, um dort seine Studien fortzusetzen. Diese Lehrjahre unter Fremden förderten früher seine Selbstständigkeit und dauerten bis zu der Zeit, wo sein Vater selbst nach Wien übersiedelte und er das Elternhaus wieder beziehen konnte. Früh vom Studium der Wissenschaften angezogen, widmete er sich demselben mit besonderer Vorliebe, und schon 1842 zählte man ihn zu den besten Entomologen Wiens. Als es galt, die Wahl eines Brotstudiums zu treffen, entschied er sich für keines derselben und wollte es versuchen, sich selbst eine Bahn zu brechen. Seine ausschließliche Nebenbeschäftigung mit der Reiseliteratur, welche in diese Zeit fällt, hatte in ihm einen unbesiegbaren Drang geweckt, um jeden Preis ferne Länder zu sehen. Nebenbei betrieb er mit Eifer fremde Sprachen, und belehrte sich unter Endlicher [Bd. IV, S. 44], Heckel [S. 184 d. Bds.], Leydold, Redtenbacher u. A. über jene Theile der Naturwissenschaften, in welchen er weniger bewandert war. An dem berühmten Reisenden Baron Karl von Hügel fand er aber einen mächtigen Beschützer. Durch diesen wurde bald ein Reiseplan entworfen und mit Hilfe einer von ihm eingeleiteten Subscription wurden auch die freilich spärlichen Reisemittel für zwei Jahre [276] aufgetrieben. So wurde Heller sogar mit dem Titel eines Reisenden der k. k. Wiener Gartenbaugesellschaft nach Mexico gesendet. Am 9. August 1845 verließ H. Wien und begab sich, Madeira, Barbados, Granada, Haity, Jamaica und Cuba berührend, nach seinem Bestimmungsorte. Er landete am 6. November in Vera-Cruz, von wo er ohne Aufenthalt in das Innere des Landes vordrang. Viermal überschritt er die Cordilleren des Orizaba, davon zweimal auf von Europäern nie betretenen Wegen, bereiste den Staat Vera-Cruz, Puebla und Mexico, besuchte dreimal die Hauptstadt, bestieg den Orizaba und Toluca, letzteren bis zu seiner Spitze (14.616 Wiener Fuß) und kehrte, durch Krieg und Revolution aus dem Lande vertrieben, nach einem Jahre wieder nach Vera-Cruz zurück. Von da begab er sich unter vielen Gefahren nach Yucatan, bereiste dieses Land im Laufe des zweiten Jahres nach allen Richtungen und trat im November 1847, von Wien zu weiteren Forschungen aufgemuntert, die Reise nach Tabasco und Chiapas an, über welche Länder er die ersten verläßlichen Nachrichten nach Deutschland brachte. Am 15. Mai 1848 machte er, da alle Unterstützungen in Folge der Unruhen versiegt waren, den ersten Schritt zur Rückreise. Nach einer stürmischen Fahrt erreichte er Havannah, blieb da einige Zeit und begab sich dann nach den vereinigten Staaten, wo er ebenfalls sechs Staaten bereiste. Am 5. August d. J. endlich schiffte er sich in New-York für Frankreich ein und traf schon am 4. September 1848 in Wien ein. Heller, damals 21 Jahre alt, hatte in drei Jahren einen Weg von nahezu 10.000 deutschen Meilen zurückgelegt und während dieser Zeit ungefähr 6000 lebende und 10.000 getrocknete Pflanzen; 2000 Conchylien, viele Hunderte meist neuer Insecten, Fische, Amphibien, Vögel und Säugethiere nach Europa gesendet. Seine geographischen, historischen, ethnographischen und sprachlichen Forschungen hat er theilweise in seinen Schriften niedergelegt und dadurch die Kenntniß von Mittelamerika sehr bereichert. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, griff er seine Studien wieder auf, nachdem er die theuersten Andenken an seine Reise verwerthet hatte. Schon im Frühjahre 1851 wurde er als Supplent der naturgeschichtlichen Lehrkanzel an das Gymnasium nach Gratz gesendet. In diesem neuen Wirkungskreise setzte er mit regem und erneuertem Eifer theils seine Studien fort, theils schritt er zur Ausarbeitung seines auf den Reisen gewonnenen Materials. So erwarb er sich nach und nach die Lehrfähigkeit aus allen Zweigen der Naturgeschichte und auch aus der Physik für’s ganze Gymnasium und schrieb nebenbei die Werke, deren wir unten gedenken werden. Die Folge hiervon war, daß er 1853 zum wirklichen Gymnasialprofessor ernannt, 1854 von Sr. Majestät mit der goldenen Medaille für „Wissenschaft und Kunst“ ausgezeichnet und im selben Jahre nebst vielen anderen Gesellschaften auch von der kaiserlich Leopoldino-Karolinischen Akademie der Naturforscher unter dem akademischen Beinamen „Las Casas“ zum wirklichen Mitgliede gewählt wurde. Seither lebt Heller ausschließlich seinen Studien und seinem Berufe als Lehrer in Gratz. Von seinen Arbeiten sind bis jetzt bekannt geworden: „Reiseberichte aus Mexico, verbunden mit einer pflanzengeographischen Schilderung des Orizaba“ in den „Verhandlungen der k. k. Gartenbaugesellschaft“ Wien 1846), und im Separatabdruck; – „Briefliche Mittheilungen über Tabasco und [277] Chiapas“ in den „Sitzungsberichten der mathem. naturwiss. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften“ (Bd. I, S. 248, 1848), und im Separatabdrucke; – „Beiträge zur näheren Kenntniss Mittelamerika’s (Yucatan)“ im „Programm des k. k. Gymnasiums in Gratz 1853“, und im Separatabdrucke– „Reisen in Mexico in den Jahren 1843 bis 1848“ (Leipzig 1853, von W. Engelmann, mit 2 Karten, gr. 8.); – „Das dioptische Mikroscop, dessen Einrichtung und Behandlung“ Wien 1856, W. Braumüller, mit 18 eingdr. Holzschn., gr. 8°.); – „Kleiner zootomischer Atlas zum Gebrauche beim Studium der Zoologie an höheren und mittleren Lehranstalten“ (Olmütz 1858, Hölzel, gr. 8°., mit 12. lith. Taf.), auch unter dem Titel: „Zwölf zootomische Tafeln zur Naturgeschichte des Thierreiches“; – „Fünf morphologische Tafeln zur Naturgeschichte des Pflanzenreiches“ (ebd. 1857, gr. 8°., mit 5 lith. Taf.). Außerdem finden sich von ihm Abhandlungen und kleinere Aufsätze seit 1846 in der Berliner „allgemeinen Gartenzeitung“. in der „Wiener Zeitung“, in Skofitz’s „botanischem Wochenblatt“, Seemann’s „Bonplandia“ und in m. A.

Ergänzungs-Conversations-Lexikon. Herausgegeben von Dr. Fr. Steger (Leipzig und Meißen, gr. 8°.) Jahrg. 1855/56, Bd. XI (der Neuen Folge Bd. IV), S. 299. – Die Jetztzeit (Wiener Journal, gr. 8°.) Herausgegeben von Dr. H. Meinert. Jahrg. 1855, Nr. 49, S. 776. – Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien (Wien 1855, 8°.) Bd. V, Jahrg. 1855, Abhandlungen, S. 70.