BLKÖ:Hügel, Karl Alexander Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 402. (Quelle)
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Hügel, Karl Alexander Freiherr (Reisender und Major in der k. k. Armee, geb. zu Regensburg 25. April 1796). Bruder des Vorigen, studirte 1811 in Heidelberg die Rechtswissenschaft und trat alsdann in die österreichische Armee. Als Hauptmann zog er mit derselben in Paris ein, wurde dann der Gesandtschaft beigegeben, welche den König von Schweden zur Abdankung überreden sollte, bei welcher Gelegenheit er die drei nordischen Königreiche bereiste. Später kam er in das 5. Huszaren-Regiment und mit diesem zu der in Süditalien befindlichen Armee, darauf nach Südfrankreich, wo er den Posten eines Platzcommandanten zu Arles und Tarascon versah. Im Jahre 1821 nahm er an der Expedition nach Neapel Theil und blieb daselbst als Attaché der österreichischen Gesandtschaft bis zum Jahre 1824. In diesem Jahre trat er aus der Armee und widmete sich in Wien ausschließlich dem Studium der Naturwissenschaften und den Vorbereitungen zu einer großen wissenschaftlichen Reise durch Europa nach Ostindien. 1830 trat er seine Reise an und begab sich nach England, von dort nach Frankreich, wo er in Toulon am 2. Mai 1831 mit dem französischen Kriegsschiffe d’Assas abfuhr und nach kurzem Aufenthalte in Griechenland und Kreta am 11. Juni in Alexandrien anlangte. Von da fuhr er mit einem englischen Kauffahrer nach Cypern, schlug dann, um Palmyra aufzusuchen, über Antiochien und Homs den Weg in die Wüste ein. Obgleich in diesen Gegenden die Cholera wüthete, ließ sich H. nicht abschrecken, besuchte die Ruinen von Baalbeck, bestieg den Libanon und durchzog das Thal Beschorräs, wo ihn und seinen Diener die Cholera befiel. Letzterer erlag der Seuche. Erst nach mehreren Wochen war er, obwohl von der Krankheit noch erschöpft, im Stande seine Reise fortzusetzen und schiffte sich nach Beirut ein. Nach mehreren Fahrten durch Syrien und Palästina begab er sich endlich über Suez und Aden an den eigentlichen Zielpunct seiner Fahrt, nach Ostindien. Im Jahre 1832 traf er in Bombay ein. Von da begann er seine Forschungen im ehemaligen Mahrattenreiche. Die eingetretene Regenzeit und das indische Waldfieber, von dem er befallen wurde, endlich die Verwundung durch einen großen Hund veranlaßten ihn, seinen Reiseplan zu ändern, und die vorgehabte nördliche Richtung aufgebend, schlug er die südliche ein. Er durchzog nun den größten Theil von Dekan, besuchte das an alten Denkmälern überreiche Bejavur, ging nach Goa, bereiste Mysore, bestieg die blauen Berge (Nil-Gerri), wanderte über Koimbattur nach der Küste Malabar, dann nach Kotschin, Travankore nach dem Cap Comorin und dem durch die Perlenfischerei berühmten Tutticorin und nach Ceylon. Nach einem fünfmonatlichen Aufenthalte auf dieser Insel, die er nach allen Seiten durchforschte, begab er sich nach der Küste Koromandel, von wo aus er Tranquebar, Pondichery, Karikal und Madras bereiste. Von Madras aus befuhr er im October 1833, einen Antrag des Capitäns [403] Lambert von der Fregatte Alligator annehmend, den indischen Archipel und ging nach Neuholland. Der Aufenthalt daselbst widerte ihn jedoch so sehr an, daß er sich bald nach Manila einschiffte. Von da reiste er nach Macao und Canton und begann von Calcutta die Durchforschung des nördlichen Indiens; stieg durch Bengalen das Alpenland des Himalayagebirges hinan, zog längs der Grenze Tibets durch Kaschmir 1835, bis Atok am Indus und kehrte durch das Reich der Siek nach Delhi und von hier durch unwegsame Länder nach Bombay zurück, wo er vier Jahre früher zuerst eingetroffen war. Nachdem er längere Zeit daselbst verweilt, trat er 1836 seine Rückreise über das Vorgebirge der guten Hoffnung und St. Helena nach England an. Im Ganzen hatte seine Reise von Wien aus sechs Jahre gedauert. Ihre Ergebnisse für Naturgeschichte und Ethnographie waren bedeutend. Die auf den Reisen von H. nach den verschiedenen Richtungen angelegten Sammlungen wurden den kaiserlichen Cabineten und der Hofbibliothek in Wien einverleibt, sie zählten im Gebiete der Naturwissenschaften 32.000 Nummern, in dem der Münzkunde 1249, darunter allein 258 baktrische Stücke, in dem der Ethnographie 928 in 24 Abtheilungen, darunter 63 Idole und Tempelgeräthschaften von Silber, Bronze und Elfenbein, 40 musikalische Instrumente, 171 Armaturen, 168 indische und chinesische zum Theile sehr kostbare Schmuckgegenstände, 49 Stück indische, kaschmirische, chinesische Stoffe, 433 egyptische Gegenstände, dann mehrere hundert Zeichnungen, seltene Handschriften und 12.000 Notizblätter. Hügel selbst veröffentlichte über seine Reise das Werk: „Kaschmir und das Reich der Siek. In 4 Bänden“ (Stuttgart 1840–1842, Hallberger, gr. 8°., mit 34 Kupf. u. Stahlst. u. Holzschn.), jedoch sind mit diesem Werke die Ergebnisse seiner Reise lange noch nicht abgeschlossen, denn die Zeit seines Aufenthaltes in den im Titel genannten Ländern vom October bis December 1835 umfassend, bilden sie einen verhältnißmäßig sehr kleinen Theil davon. Fragmentarisches über und aus seinen Fahrten ist im Journale der „R. geographical Society“ zu London und in den Abhandlungen der Versammlungen der Naturforscher in Prag (1838) und in Gratz (1843) von H. mitgetheilt worden, und der 2. Band der Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften (in Wien), philosophisch-historische Classe, enthielt seine größere Abhandlung: „Das Becken von Kabul“. Auch wurden die Sammlungsergebnisse seiner Reise von anderen Forschern bearbeitet, u. z. verfaßte Endlicher [Bd. IV, S. 44] ein lateinisches Verzeichniß der von H. am Schwanflusse gesammelten Pflanzen (1837); Heckel [Bd. VIII, S. 184][WS 1] ein Verzeichniß der“ Fische aus Kaschmir“ (1838); auch Fenzl und Schott bearbeiteten einzelne Theile. Nach seiner Rückkehr von der Reise lebte H. in Wien und betrieb die Gärtnerei mit gesteigerter Vorliebe. Seine Villa auf der Straße von Hietzing nach St. Veit war bis zum Jahre 1848 ihrer Blumenzucht und Blumenausstellungen wegen berühmt. Auch stiftete H. in Wien die österreichische Gartenbaugesellschaft, wurde ihr Präsident und gab eine Beschreibung mehrerer neuer, in seinem Garten großgezogener Gewächse in dem „Botanischen Archiv der Gartenbaugesellschaft des österreichischen Kaiserstaates“ (Wien 1837) heraus. Als im Jahre 1849 H. zum österreichischen Gesandten in Florenz ernannt wurde, gingen seine Villa und seine Gärten in [404] fremden Besitz über, u. z. ein Theil des letzteren in den seines Gärtners Daniel Hooibrenk [s. d. S. 258], die Villa selbst mit dem reizenden sie umgebenden Parke in jenen des regierenden Herzog von Braunschweig. Freiherr von Hügel lebt zur Zeit in Wien. Er ist seit 14. Mai 1847 wirkliches Mitglied de kais. Akademie der Wissenschaften math. naturwiss. Classe. Die Gartenbaugesellschaften zu Prag, die englische, bayerische, württembergische, hessische, niederländische und schwedische, ferner mehrere naturwissenschaftliche Vereine, darunter jene zu Dresden, Hamburg, Utrecht, Stuttgart, Florenz, Regensburg und Moskau, haben ihn zum Mitgliede ernannt; die Universität Oxford ihm die Doctorwürde verliehen; sein Monarch ihn mit dem Ritterkreuz des Leopold-Ordens ausgezeichnet und auch andere Fürsten, als Se. Heiligkeit der Papst, die Könige von Dänemark, Schweden, Belgien, Preußen, der Großherzog von Toscana und der Herzog von Parma haben ihm Decorationen verliehen.

Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, 8°.) Jahr 1851, S. 224. – Vehse (Ed. Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Hoffmann u. Campe, 8°.) Theil X, S. 93. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XVI, S. 1; III. Suppl. Bd. S. 1507. – Schmidl (Adolph Dr.), Oesterreichische Blätter für Literatur, Kunst u. s. w. (Wien, 4°.) 1847, Nr. 111 [Hügel gibt Nachricht über die neuesten Unternehmungen zur Erforschung des Innern von Neuholland]. – Wigand’s Conversations-Lexikon für alle Stände (Leipzig 1848, O. Wigand, gr. 8°.) Bd. VI, S. 802. – BrockhausConversations-Lexikon, 10. Aufl. 8. Bd. S. 110. – Nouvelle Biographie générale … publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1858, 8°.) Tome XXV, p. 400. – Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien (Wien 1855, 8°.) Bd. V (Jahrg. 1855), S. 69 der „Abhandlungen“ [in August Neilreich’s „Geschichte der Botanik in Niederösterreich“].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. VIII, S. 134]