BLKÖ:Hunfalvy, Paul

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 431. (Quelle)
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Hunfalvy, Paul (Sprachforscher, geb. zu Nagy-Szálok in der Zips 1810). Besuchte die Schulen zu Käsmark, später zur Erlernung der ungarischen Sprache in Miskolcz, worauf er wieder nach Käsmark zurückkehrte, um die Philosophie zu hören. Indem er sich dem Studium der Rechtswissenschaft widmete, begab er sich nach Pesth, wo er auch die Erziehung der Freiherren Friedrich und Armin Podmanicky übernahm. Im Jahre 1838 erhielt er das Advocatursdiplom. Neben dem Studium seiner Berufswissenschaft trieb er mit beharrlichem Eifer jenes der modernen, dann der classischen und orientalischen Sprachen. Das der letzteren wurde dann bestimmend für die linguistischen Forschungen, welche er über seine eigene Muttersprache anstellte. Auch unternahm er 1836 mit seinen Zöglingen, 1847 [432] auf eigene Kosten wissenschaftliche Reisen nach Deutschland und der Schweiz. Im Jahre 1842 wurde er Professor der Rechte am Collegium zu Käsmark, welche Stelle er bis zum Jahre 1848 bekleidete. Im Jahre 1848 zum Abgeordneten eines Bezirkes des Zipser Comitates für den ungarischen Landtag gewählt, gab er nunmehr seine Lehrkanzel auf und blieb Mitglied der Nationalversammlung, bis dieselbe durch die kriegerischen Zeitereignisse gezwungen in alle Winde zerstob. Was seine Wirksamkeit als Deputirter betrifft, so nennt ihn Levitschnigg in seinem Werke: „Kossuth und seine Bannerschaft“, in welchem er Hunfalvy’s parlamentarische Thätigkeit ausführlich charakterisirt: „Den einzigen Volksvertreter im echten Sinne dieses Wortes“. Seit 1849 wohnte H. in Pesth und beschäftigte sich ausschließlich mit literarischen Arbeiten. Dieselben bestehen aus publicistischen Aufsätzen, Abhandlungen national-ökonomischen, geschichtlichen, philosophischen und linguistischen Inhalts; sind theils selbstständig erschienen, theils in gelehrten Fachwerken abgedruckt. Erstere sind: „Magyar váltó és kereskedelmi törvények“, d. i. Die ungarischen Wechsel- und Handelsgesetze“ (.... 1843); – „Tanodai szózat“, d. i. Ansprache an die Schulen (1847); – „A török magyar és finn szók egybehasonlitása“, d. i. Vergleichung der türkischen, magyarischen und finnischen Wörter (Pesth 1855); – „Chrestomathia finnica. Finn olvasmányok a finn nyelvet tanulók számára“, d. i. Finnische Lesestücke für jene, die sich mit dem Studium der finnischen Sprache beschäftigen (Pesth 1862). Von seinen in Fachblättern erschienenen Abhandlungen sind anzuführen im „Athenaeum“ seine „Drezdai levelek, rhapsodiak etc.“, d. i. Dresdener Briefe, Rhapsodien, u. s. w. (1841); – „Thukydidesz jellemzése“, d. i. Charakteristik des Thukydides (1842); – in den Schriften der Kisfaludy-Gesellschaft: „Aristoteles költézete“, d. i. Die Poetik des Aristoteles (1842) – und in den Schriften der ungarischen Akademie „Lokmann’s Fabeln, aus dem Arabischen übersetzt“[WS 1]. Die beiden magyarischen Zeitungen: „Pesti Hirlap“ und „Pesti Napló“ enthalten publicistische und national-ökonomische Aufsätze von H. Seit 1855 begann H. die Herausgabe der philologischen Zeitschrift: Magyar nyelvészet“, d. i. Magyarische Sprachwissenschaft, von der jährlich sechs Hefte ausgegeben werden und welche bis zur Zeit erscheint; obwohl auch andere magyarische Sprachforscher an dieser Zeitschrift mitarbeiten, ist denn doch der Mehrtheil der darin enthaltenen strengwissenschaftlichen Aufsätze aus Hunfalvy’s Feder. An der bei Emich in Pesth im Jahre 1854 begonnenen, unter dem Titel: „Könyvtara Hellen és Romai“, d. i. Bibliothek der griechischen und römischen Classiker, erscheinenden ungarischen Uebersetzung der alten Classiker im Vereine mit Ungarns namhaftesten Schriftstellern betheiligt, eröffnete er diese Sammlung mit der Uebersetzung des Plato. Bereits im Jahre 1841 hat ihn die ungarische Akademie, im folgenden Jahre die Kisfaludy-Gesellschaft zum Mitgliede ernannt. Gegenwärtig soll H. an der Bibliothek der ungarischen Akademie bedienstet sein. – Paul’s Bruder Johann[WS 2] (geb. 1820 zu Nagy-Szálok in der Zips) besuchte die Schulen zu Käsmark. Miskolcz und Eperies und beendete seine Ausbildung auf auswärtigen Hochschulen, zu Berlin und Tübingen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat versah er einige Zeit ein Lehramt [433] zu Käsmark, gab aber dasselbe auf, um sich ganz literarischen Beschäftigungen zu widmen. Er ging nun nach Pesth, betheiligte sich zunächst an der Redaction der dem Familienbuche des österr. Lloyd nachgeahmten „Család könyve“, welches aber bereits aufgehört hat, schrieb den Text zu dem Werke: „Buda-Pest és környéke“, d. i. Buda-Pesth und seine Umgebungen (Pesth 1860, Lauffer und Stolp, gr. 8°.), wozu L. Rohbock die Zeichnungen geliefert und schreibt ihn noch zu dem im nämlichen Verlage erscheinenden Werke: „Magyarország és Erdély eredeti képekben“, d. i. Ungarn und Siebenbürgen, dargestellt in malerischen Originalansichten, welche gleichfalls L. Rohbock nach der Natur aufnimmt und von welchem Werke bereits 52 Hefte erschienen sind. Nebstdem schreibt er für Journale und hat für protestantische Schulen ein Lehrbuch der allgemeinen Geschichte unter dem Titel: „Egyetemes törtenelmet“ herausgegeben.

Pesti Naplo, d. i. Pesther Journal, Jahrg. 1855, Nr. 74: Biographie P. Hunfalvi’s. – Wurzbach von Tannenberg (Constant Dr.), Bibliographisch-statistische Uebersicht der Literatur des österreichischen Kaiserstaates (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) III. Bericht (1855), Margin. 2294, 5143, 5170, 12.977, 13.005, 13.245. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) S. 214. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Heckenast, 8°.) Bd. II, S. 215.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Luqman (Wikipedia)
  2. János Hunfalvy (Wikipedia).